Ist das EBICS-Protokoll von der starken Authentifizierung (SCA) im Sinne der PSD2 befreit?

Diese Frage wurde uns wiederholt von französischen und europäischen Finanzinstituten gestellt und es war nicht immer ganz einfach, eine ausreichend formelle Antwort zu geben.
Vor kurzem hat die Banque de France eine offizielle Antwort verfasst, in der sie das EBICS-Protokoll auf die Liste der Verfahren und Protokolle setzt, die gemäß Artikel 17 der delegierten Verordnung (UE) 2018/389 von der starken Authentifizierung befreit sind. Die Verordnung besagt: "Bei juristischen Personen, die elektronische Zahlungsvorgänge über dedizierte Zahlungsprozesse oder -protokolle auslösen, die nur Zahlern zur Verfügung stehen, bei denen es sich nicht um Verbraucher handelt, können Zahlungsdienstleister von der Vorgabe einer starken Kundenauthentifizierung absehen, wenn die zuständigen Behörden der Auffassung sind, dass diese Prozesse oder Protokolle mindestens ein vergleichbares Sicherheitsniveau wie das in der Richtlinie (EU) 2015/2366 vorgesehene gewährleisten." 
 
Das bedeutet jedoch nicht, dass EBICS die starke Authentifizierung nicht unterstützt - weit gefehlt! Die Gewissheit, dass das EBICS-Protokoll mindestens vergleichbare Sicherheitsniveaus garantiert, wie sie in der Richtlinie vorgesehen sind, ist schon seit langem gegeben. Vor diesem Hintergrund möchte ich Sie dazu einladen, den Artikel EBICS und PSD2 – Wie kommt das zusammen? zu lesen oder erneut zu lesen, der vor einigen Monaten in diesem Blog veröffentlicht wurde.

Autor: Marc Dutech

Verifizierung der Hashwerte der Bankschlüssel beim EBICS-Initialisierungsrequest

EBICS-Transaktionen werden in unterschiedliche Phasen unterteilt: Initialisierung, Datentransfer und Quittierung (letztere ist nur für Downloadtransaktionen vorgesehen).

Im Rahmen der Initialisierung werden u. a. folgende Aspekte geprüft:

  • Auftragsart
  • Authentifikationssignatur
  • Hashwerte der Bankschlüssel
  • teilnehmerbezogene Berechtigungen

Die Transaktion wird mit der Transferphase, in der die eigentlichen Auftragsdaten verschickt werden, nur dann fortgesetzt, wenn die Initialisierung erfolgreich durchlaufen wurde. Die Hashwerte der Bankschlüssel werden bei der Initialisierung geprüft, um sicherzustellen, dass der Client die aktuellen Bankschlüssel verwendet. Bei einer nicht erfolgreichen Prüfung sendet der Server den Returncode EBICS_BANK_PUBKEY_UPDATE_REQUIRED. Für den Client ist dies ein Indiz dafür, dass die neuesten Bankschlüssel mithilfe der Auftragsart HPB abgeholt werden sollten.

Vor der Harmonisierung durch EBICS 3.0 konnten die Bankschlüssel direkt oder in Zertifikate verpackt verwendet werden. Gemäß EBICS-Spezifikation müssen bis EBICS 3.0 in der Transaktionsinitialisierung die Hashwerte der öffentlichen Bankschlüssel angegeben werden – unabhängig davon, ob mit der Bank Zertifikate oder Schlüssel ausgetauscht wurden.

Ab EBICS 3.0 sind Zertifikate beim Schlüsselmanagement verpflichtend. In diesem Zuge wurde festgelegt, dass sowohl bei Uploads als auch bei Downloads in den EBICS-Initialisierungsrequests zukünftig die Hashwerte der Zertifikate angegeben werden müssen.

Die Hersteller von EBICS-Bankrechnern ermöglichen ihren Kunden in der Regel einen weichen Übergang, indem sie sowohl die Angabe der Bankschlüssel als auch die Angabe der Zertifikate im DER-Format erlauben. Das bedeutet, dass Kunden nach der Migration auf EBICS 3.0 keine Abholung per Auftragsart HPB ausführen müssen. Sowohl Schlüssel als auch Zertifikate können entweder in spezifikationskonformer HEX-Darstellung oder in alternativer Base64-Darstellung angegeben werden. Eine Mischung beider Darstellungen in einem Request ist üblicherweise nicht vorgesehen.

Übrigens: Mit EBICS 3.0 wurde das Schlüsselmanagement nicht nur für Bankschlüssel, sondern auch für Teilnehmerschlüssel vereinheitlicht. So ist es jetzt nicht mehr nur in Frankreich (CFONB) verpflichtend, Teilnehmer mit Zertifikaten zu initialisieren, sondern in allen Ländern. Auch hier ermöglichen EBICS-Bankrechner in der Regel einen weichen Übergang: Teilnehmerschlüssel mit einer Mindestlänge von 2.048 Bit können auch für EBICS 3.0 verwendet werden, und für die Schlüsselaktualisierung (Auftragsarten HCA, HCS und PUB) können die neuen Zertifikate üblicherweise mit den Schlüsseln der älteren EBICS-Versionen unterschrieben werden.
CA-basierte Zertifikate finden bisher weiterhin nur in Frankreich Verwendung. Aus Sicht der Bankrechner sollte einer Einführung in anderen Ländern allerdings nichts im Wege stehen.


Autor: Hendrik Chlosta

GPI und EBICS – Wie geht das zusammen?

Ist GPI nicht ein reines SWIFT-Thema? Auf den ersten Blick nun einmal ja. Die Abkürzung kommt von SWIFT und steht für „Global Payments Innovation“. Die Initiative für GPI wurde Ende 2015 schon mit breiter Unterstützung von vielen globalen Banken gestartet.

Die Basis von GPI ist die eineindeutige Referenz, kurz UETR (Unique End-to-End Transaction Reference), die eine Zahlung durch die manchmal lange Korrespondenzbankkette begleitet. So eine Referenz ist zwar ein Ungetüm von 36 Zeichen in der nach einem allgemeingültigen Algorithmus definierten Form xxxxxxxx-xxxx-4xxx-yxxx-xxxxxxxxxxxx, aber das Ungetüm sichert die Eineindeutigkeit ohne zentrale „Vergabestelle“. Wurde die UETR anfänglich nur in einer CUG (Closed User Group) für (Firmen-)Kundenzahlungen in MT103-Nachrichten verwendet, haben inzwischen alle Zahlungen im FIN-Netzwerk so eine Referenz – gleichbleibend vom Anfang bis zum Ende der gesamten Zahlungskette.

Der zweite wesentliche Baustein von GPI ist der sogenannte Tracker. Der Tracker ist eine zentrale Datensammlung bei SWIFT zu allen GPI-Zahlungen. Er stellt den beteiligten Banken umfassende Informationen zum Status einer Zahlung in der Korrespondenzbankkette, zu Gebühren und zu Währungsumrechnungskonditionen bereit. Während der FIN-Transport diese Informationen aus den transportierten Nachrichten selbst herausliest, können non-FIN-Banken den Tracker auch aktiv informieren. In der aktuellen Diskussion ist die sogenannte Confirmation – die Meldung der Gutschrift auf dem Konto des Begünstigten am Ende der Zahlungskette. Auf die Confirmation sollen ab 2020 alle FIN-Banken verpflichtet werden.

Aber warum der ganze Aufwand? Transparenz und Schnelligkeit – die beiden wesentlichen Herausforderungen im Korrespondenzbankgeschäft werden mit GPI angegangen. Durch die umfassende Verwendung von UETR liegen nun Statistiken vor: Durchschnittlich 40 Prozent der GPI-Überweisungen werden den Endbegünstigten innerhalb von fünf Minuten gutgeschrieben, innerhalb von 30 Minuten sind es 50 Prozent, innerhalb von sechs Stunden 75 Prozent und innerhalb von 24 Stunden nahezu alle. So eine Aussage war vor GPI einfach unmöglich. Hingegen kann jeder Treasurer Fälle berichten, bei denen Zahlungen spät oder gar nicht ankamen, mit hohen, unerklärlichen Gebühren, mit unklaren oder sogar ohne Verwendungszweckinformationen.

Neben den technischen Details wie UETR und Tracker gehört zu GPI ein Regelwerk, in dem die möglichst taggleiche Weitergabe einer Zahlung mit vollständigem Verwendungszweck, unter Angabe von abgezogenen Gebühren und Währungsumrechnungsdetails vorgeschrieben ist. Da es ja keine globale Transparenzrichtlinie gibt, muss dies auf multilateralem Vertragswerk begründet durchgesetzt werden. Und das ist auch gut so – Zeit dafür ist es schon lange.

Der (Firmen-)Kunde soll besseren Service im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bekommen. Neben der Schnelligkeit und Transparenz ist ein weiterer Punkt die Quittung. So etwas gibt es ja eigentlich nur bei einer Barzahlung, im elektronischen Zahlungsverkehr war bisher das Motto: „shoot and forget“. Wenn es keine Beschwerden gibt, ist das Geld wohl angekommen. In den letzten Jahren hat es im SEPA eine beachtliche Entwicklung gegeben, und mit den Instant Payments nach dem Schema SCTinst gibt es auch hier nun eine Quittung. Mit SWIFT GPI ist die Erstellung einer derartigen Quittung ebenfalls möglich, auch wenn dies (noch) eine vollständige FIN-Kette in der Abwicklung voraussetzt. Es ist jedoch noch ein Stück Weg dorthin: Bisher wird an den breiten, erst einmal bankinternen, Umsetzungen gearbeitet. Die Anbindung der Kundensysteme für einen Zugriff auf die Informationen oder gar die Weitergabe von Status und Gebühreninformationen an Kundensysteme befindet sich noch am Anfang. Aber schon die Möglichkeit, im Falle eines Zweifels durch den Zugriff auf eine zentrale Stelle prüfen zu können, wo sich die Zahlung befindet, ist im großen Korrespondenzbanknetz ein erheblicher Fortschritt.

Geht das nur in FIN? Natürlich nicht. Die aktuellen Entwicklungen, z. B. die Migration der Großbetragssysteme (RTGS) wie TARGET2, EURO1 oder CHAPS von MT hin zu Nachrichten in XML nach ISO-20022-Standard, gehen diesen Weg. Die (neueren) ISO-Nachrichtenformate enthalten dedizierte Felder für die UETR, und so wird die Referenz auch außerhalb des FIN-Netzes transportiert. Und erst kürzlich verbreitete SWIFT die Meldung: „SWIFT trials instant cross-border gpi payments through TIPS“[1].

Für eine Anbindung von GPI-Rückmeldungen an Kundensysteme wie TMS oder ERP sind Nachrichten in Form von PSR (payment status report, also pain.002) effizienter als manuelle Prozesse. Aber schon diese Selfservice-Funktionen sind ein bedeutender Schritt hin zu mehr Transparenz. Übrigens sind die Standards zu diesen Rückmeldungen, also Felder (tags) und Codes, in der Harmonisierungsinitiative CGI-MP multibankfähig abgestimmt. In dieser Initiative wirkt PPI nun auch aktiv mit.

Des Weiteren steht auch die Erweiterung an, dass der Kunde seine Referenz in der Zahlung als UETR initiiert – im pain.001.001.03 in besonderen Feldern gemäß der CGI-MP oder auch schon in aktuelleren ISO-Versionen in dedizierten Feldern.

Und genau hier, an der Schnittstelle Kunde-Bank bzw. Bank-Kunde, werden sowohl Kundenzahlungen als auch PSR-Rückmeldungen ja auch oft mit EBICS transportiert. Somit stehen GPI und EBICS nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen einander sinnvoll – wie so oft im Zahlungsverkehr.

Autor: Dr. Mario Reichel

[1] Quelle: https://www.swift.com/news-events/press-releases/swift-trials-instant-cross-border-gpi-payments-through-tipshttps://www.swift.com/news-events/press-releases/swift-trials-instant-cross-border-gpi-payments-through-tips

EBICS-Tests mit Kunden im produktiven Bankrechner?

Seit EBICS 2.4 ist es in Frankreich möglich, Geschäftsvorfälle – nicht wie u. a. in Deutschland üblich – über dreistellige Auftragsarten sondern über die bis zu 40-stelligen FileFormat-Parameter auszutauschen. Diese sind bekanntlich jeweils mit den Auftragsarten FUL bzw. FDL einzuleiten. Dabei ist es möglich, ein sogenanntes Test-Flag anzugeben. Darüber kann ein EBICS-Kunde im produktiven Betrieb z. B. beim Senden einer Datei der Bank eine Testeinreichung signalisieren. Vorausgesetzt, es besteht eine bilaterale Vereinbarung über die Nutzung des Test-Flags, kann die Bank den Auftrag annehmen, als Testfall werten und vor der echten Verarbeitung aussteuern. Die Nutzung eines Test-Flags in Produktion ist bei den Banken nicht unumstritten. Eine solche Option wird von deutschen Banken derzeit überwiegend abgelehnt.

Mit der aktuellen EBICS-Version 3.0 und der einheitlichen Nutzung der BTFs anstelle von Auftragsarten und FileFormat-Parametern entfällt das bestehende Test-Flag in der EBICS-Spezifikation. Zudem wurde mit dem EBICS-CR EB-17-01 Element Group Parameter eine verschärfte Prüfung auf die Nutzung von nicht bilateral vereinbarten Angaben in den generischen Parametern des BTFs eingeführt. Unerlaubte Angaben werden nun mit dem EBICS-Returncode 09-0-0-06: EBICS_UNSUPPORTED_REQUEST_FOR_ORDER_INSTANCE abgelehnt.

Als Hilfestellung für die EBICS-3.0-Einführung in Frankreich hat der französische CFONB einen eigenen Migrationsleitfaden erstellt (EBICS 3.0 Aide à la migration BTF & Table de correspondance File Format/BTF). Da in Frankreich das Test-Flag von Banken in der Vergangenheit genutzt wurde und auch weiterhin der Bedarf an einer solchen Option besteht, hat der CFONB für die BTF-Migration die Nutzung des Test-Modus für BTF definiert und als optionale Funktion in den Leitfaden aufgenommen. Somit kann bei bilateraler Vereinbarung zwischen Bank und Kunde auch bei BTF der Parameter TEST für Testfälle genutzt werden. Bei abweichender Parameterangabe erfolgt eine Ablehnung mit dem o. g. Returncode. EBICS-Bankrechner, und EBICS-Clients können diese Funktion optional mit anbieten.

Unabhängig davon gibt es bei EBICS auch die Alternative, für Testeinreichungen eigene speziell für den Test bilateral vereinbarte Geschäftsvorfälle (BTFs) zu nutzen.

Letztendlich bleibt aber festzuhalten, dass bei Nutzung der Testoption in der Produktionsumgebung immer das Risiko besteht, dass Testdateien die Produktion negativ beeinflussen oder gar unerwartet Eingang in die Produktionsdaten finden können.

Sicherer ist da dann doch eine eigene EBICS-Bankrechner-Installation für EBICS-Tests mit Kunden. Warum nicht?


Autor: Michael Lembcke

Standardisierung und Automatisierung in der Beziehung mit externen Vermögensverwaltern dank EBICS

Externe Vermögensverwalter (EVV) oder External Asset Manager (EAM) bieten ihren vermögenden Privatkunden oder institutionellen Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen verschiedenste Services an (zum Beispiel Steuer- und Immobilienberatung, Handels- und Anlagegeschäfte). Die Kundenkonten liegen meist auf einer oder mehreren Depotbanken. Die Interaktion mit den Finanzinstituten ist dabei oft weder standardisiert noch automatisiert. Die Kommunikation über Briefpost, Telefon, E-Mail und teilweise auch noch Fax dominiert den Geschäftsalltag.

Wenige, grosse Vermögensverwalter verfügen über einen SWIFT-Anschluss und benutzen diesen für die Abwicklung von Treasury- und Fremdwährungsgeschäften (Meldungskategorie 3), Wertschriftengeschäften (Meldungskategorie 5), Edelmetallgeschäften (Meldungskategorie 6) oder Cash-Management-Geschäften (Meldungskategorie 9). Einige haben proprietäre System-zu-System-Verbindungen realisiert, beispielsweise mittels FTP, um Finanzmeldungen auszutauschen. In der Schweiz beobachten wir einen Trend, dass EBICS sich in diesen Fällen als alternative Anbindungsvariante durchsetzen könnte.

Im Rahmen des PPI-Frühstücks im April 2019 in Lausanne hat ein Vertreter von Credit Suisse das Angebot «Private swift Network (PsN)» vorgestellt. Es handelt sich dabei um die Erweiterung des EBICS-Angebots in der Art und Weise, dass ca. 20 neue EBICS-Auftragsarten (Reports für den Download) aus den oben genannten EAM-Anwendungsfällen zur Verfügung stehen. Dank der Kooperation mit führenden Softwareherstellern von Portfolio-Management-Systemen (wie etwa Allocare oder Expersoft) erreicht die Credit Suisse in der Interaktion mit ihren Partnern eine signifikante Steigerung des Standardisierungs- und Automatisierungsgrads. Konkret können die SWIFT-Meldungen der oben genannten Meldungskategorien jetzt auch über EBICS transportiert werden.

Da das EBICS-Protokoll flexibel bezüglich des transportierten Inhalts ist, bietet Credit Suisse darüber hinaus auch weitere Formate wie beispielsweise CSV oder XML für Rapportierung der Transaktionen und Vermögenswerte an, inklusive Stammdaten der entsprechenden Kundendepots. Von dem neuen Angebot profitieren alle Akteure: Vermögensverwalter können vermehrt Banken kostengünstig via EBICS anbinden und ihre Prozesse automatisieren, Softwarehersteller ihren Funktionsumfang sinnvoll erweitern und Banken ihre Attraktivität für EAM steigern. Über alle Stellen und Prozesse gesehen sinkt auch die Fehlerrate und es steigt die Umsetzungsgeschwindigkeit durch den Wegfall von manuellen Eingriffen.

Schweizer Banken, welche aktuell Projekte in diesem Umfeld umsetzen, planen bereits die nächsten Ausbaustufen im EBICS-Angebot. So sollen in Zukunft nicht nur die Reporting-Funktionen (EBICS-Download), sondern auch die Auftragsfunktionen (EBICS-Upload) angeboten werden. Insbesondere Aufträge im Handel (SWIFT-Meldungskategorie 5) sind gut geeignet für die Einreichung via EBICS. Konkret sollen Börsenaufträge (etwa SWIFT MT502) mittels einer eigener Auftragsart vom Vermögensverwalter an die Bank übermittelt werden. Analog der bekannten Zahlungsauftragsschnittstellen werden bankseitig die Börsenorderschnittstellen angebunden. In diesem Kontext ist auch der Einsatz einer VEU denkbar.

Fazit:
Erste Banken in der Schweiz weiten ihr EBICS-Angebot über die Anwendungsfälle des Zahlungsverkehrs hinaus aus. Das Angebot von Credit Suisse für mittlere und grössere Vermögensverwalter setzt im Markt der EAM-Kundschaft ein Zeichen und wird wohl Nachahmer auf den Plan rufen. Softwarehersteller von Portfolio-Management-Systemen lernen langsam aber sicher das EBICS-Protokoll kennen und erweitern ihre Connectivity-Möglichkeiten um diese Anbindungsvariante. Der Phantasie, welche Formate und Standards in Zukunft über EBICS transportiert werden, sind keine Grenzen gesetzt. Es ist davon auszugehen, dass EBICS auch in anderen Domänen ausserhalb des Zahlungsverkehrs für ein bestimmtes Kundensegment eine echte Alternative zur Kommunikation über das SWIFT-Netz darstellt.

Carsten Miehling

Sie sind Bankkunde und nutzen EBICS: Funktioniert Ihr EBICS-Monitoring auch noch mit EBICS 3.0?

Für das Monitoring der EBICS-Prozesse und -Ergebnisse steht seit EBICS 2.5 den EBICS-Clients neben dem rein textbasierten Kundenprotokoll auch ein XML-basiertes Protokoll für das fachliche EBICS-Monitoring zur Verfügung. Letzteres eignet sich insbesondere für maschinelle Auswertungen. Das textbasierte Protokoll kann durch den EBICS-Client mit der Auftragsart PTK und das XML-basierte Protokoll mit der Auftragsart HAC vom EBICS-Server heruntergeladen werden. Mit EBICS-Version 3.0 ist das textbasierte Protokoll nicht mehr Bestandteil der Spezifikation. Zudem gibt es Änderungen im HAC-Protokoll, die bei der maschinellen Ergebnisauswertung zu berücksichtigen sind. Diese Änderungen wirken sich wegen der erforderlichen übergreifenden Versionsinteroperabilität z. T. auch auf EBICS-Clients niedriger EBICS-Versionen aus, sobald ein EBICS-Bankrechner EBICS Version 3.0 unterstützt.

Für Software-Hersteller und EBICS-Nutzer gilt daher, dass man sich bei den EBICS-Clients, die bereits über Funktionen der maschinellen Kundenprotokoll-Auswertung verfügen, auf Änderungen einstellen muss. Zunächst sollte für maschinelle Auswertungen in EBICS-Clients der Wechsel vom PTK zum HAC vollzogen werden. Außerdem gilt für diejenigen, die bereits das HAC-Protokoll nutzen, dass mit EBICS 3.0 das finale Ergebnis im HAC-Protokoll anders abgebildet wird.

Bisher informierte das HAC-Ende-Kennzeichen mit den Angaben ORDER_HAC_FINAL_POS und ORDER_HAC_FINAL_NEG direkt darüber, ob das Ergebnis der Einreichung positiv oder negativ war. Mit EBICS 3.0 gibt es lediglich noch ein HAC-Ende-Kennzeichen ORDER_HAC_FINAL, welches den Ausgang der Einreichung ausschließlich in Verbindung mit dem letzten Reason Code ausdrückt. Demnach weist dann beispielsweise der finale Code DS04 darauf hin, dass der Auftrag abgelehnt wurde und DS05, dass der Auftrag erfolgreich eingereicht und an die Banksysteme weitergeleitet wurde. Weitere Reason Codes sind zu berücksichtigen.

Also, damit Ihr EBICS-Monitoring auch weiterhin die korrekten Ergebnisse liefert, empfehle ich auf das HAC-Kundenprotokoll zu setzen und sich auf die Auswertung der Reason Codes zu konzentrieren. So behalten Sie auch zukünftig den Überblick in der EBICS-Kommunikation mit Ihrer Bank.


Michael Lembcke
 

Migration zu EBICS 3.0 in Frankreich

EBICS 3.0 ist in Frankreich am 27. November letzten Jahres in Kraft getreten. Gut zwei Monate sind seitdem vergangen und so ist es an der Zeit zu schauen, wie weit die Migration zur neuen Version fortgeschritten ist.

Gegenstand dieser neuen Version ist die Harmonisierung von EBICS mit den folgenden Zielen:
 
  • eine einheitliche EBICS-Version in allen Ländern, in denen EBICS zum Einsatz kommt
  • eine einheitliche Identifizierung der Geschäftsvorfälle und Formate (auch BTF genannt: Business Transaction Format)
  • ein einheitliches X.509-Format für die Schlüsselablage

Das Datum für das Inkrafttreten betrifft nur die französischen Banken und Kreditinstitute und ist nicht verpflichtend für Firmenkunden. Diese können selbst entscheiden, wann sie migrieren möchten.

Die großen französischen Banken arbeiten seit einigen Monaten an den Migrationsprojekten und die meisten können ihren Kunden den EBICS-3.0-Kanal ab sofort anbieten. Die anderen sind in der letzten Testphase und die Öffnung des EBICS-3.0-Kanals steht unmittelbar bevor.

Die kleineren Banken sind noch nicht so weit. Nur wenige haben mit den Migrationsprojekten begonnen.Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass diese Institute erst in einigen Monaten, vielleicht sogar erst 2020, den EBICS-3.0-Kanal anbieten können.

Diese Unterschiede in der zeitlichen Umsetzung sollten die Firmenkunden, die demnächst auf EBICS 3.0 migrieren wollen, jedoch nicht bremsen. Denn auch die Banken, die schon auf EBICS 3.0 migriert haben, werden in einer mehr oder weniger langen Übergangsphase noch die Version 2.4.2 unterstützen, die seit der Einführung von EBICS in Frankreich in Kraft ist (in Deutschland wird aktuell die Version 2.5 genutzt). Diese Übergangsphase gibt den Firmenkunden Zeit, ihre Client-Software zu aktualisieren.

Vor allem mangelndes Interesse der Firmenkunden an der neuen Version könnte jedoch dafür sorgen, dass die Übergangsphase sich hinzieht. Um dem entgegenzuwirken, können die Banken ihren Firmenkunden zusätzliche Services anbieten, die mit den Erweiterungen der neuen Version möglich werden. Dazu gehören unter anderem das einfachere Einrichten von Transfers und die verteilte elektronische Unterschrift. Sie ermöglicht es Firmenkunden, Aufträge asynchron nach dem Transfer der Datei zu unterschreiben (in der Version 2.4.2 musste die elektronische Unterschrift zusammen mit der Auftragsdatei geschickt werden), und verhilft ihnen so zu mehr Mobilität.

Das wird sich vor allem dann bemerkbar machen, wenn die X.509-Zertifikate komplett virtuell sind, so dass die mobile Unterschrift wirklich nutzbar ist. Experten arbeiten an diesem Thema und so sollte es in einigen Monaten effiziente Lösungen geben…

Marc Dutech