GPI und EBICS – Wie geht das zusammen?

Ist GPI nicht ein reines SWIFT-Thema? Auf den ersten Blick nun einmal ja. Die Abkürzung kommt von SWIFT und steht für „Global Payments Innovation“. Die Initiative für GPI wurde Ende 2015 schon mit breiter Unterstützung von vielen globalen Banken gestartet.

Die Basis von GPI ist die eineindeutige Referenz, kurz UETR (Unique End-to-End Transaction Reference), die eine Zahlung durch die manchmal lange Korrespondenzbankkette begleitet. So eine Referenz ist zwar ein Ungetüm von 36 Zeichen in der nach einem allgemeingültigen Algorithmus definierten Form xxxxxxxx-xxxx-4xxx-yxxx-xxxxxxxxxxxx, aber das Ungetüm sichert die Eineindeutigkeit ohne zentrale „Vergabestelle“. Wurde die UETR anfänglich nur in einer CUG (Closed User Group) für (Firmen-)Kundenzahlungen in MT103-Nachrichten verwendet, haben inzwischen alle Zahlungen im FIN-Netzwerk so eine Referenz – gleichbleibend vom Anfang bis zum Ende der gesamten Zahlungskette.

Der zweite wesentliche Baustein von GPI ist der sogenannte Tracker. Der Tracker ist eine zentrale Datensammlung bei SWIFT zu allen GPI-Zahlungen. Er stellt den beteiligten Banken umfassende Informationen zum Status einer Zahlung in der Korrespondenzbankkette, zu Gebühren und zu Währungsumrechnungskonditionen bereit. Während der FIN-Transport diese Informationen aus den transportierten Nachrichten selbst herausliest, können non-FIN-Banken den Tracker auch aktiv informieren. In der aktuellen Diskussion ist die sogenannte Confirmation – die Meldung der Gutschrift auf dem Konto des Begünstigten am Ende der Zahlungskette. Auf die Confirmation sollen ab 2020 alle FIN-Banken verpflichtet werden.

Aber warum der ganze Aufwand? Transparenz und Schnelligkeit – die beiden wesentlichen Herausforderungen im Korrespondenzbankgeschäft werden mit GPI angegangen. Durch die umfassende Verwendung von UETR liegen nun Statistiken vor: Durchschnittlich 40 Prozent der GPI-Überweisungen werden den Endbegünstigten innerhalb von fünf Minuten gutgeschrieben, innerhalb von 30 Minuten sind es 50 Prozent, innerhalb von sechs Stunden 75 Prozent und innerhalb von 24 Stunden nahezu alle. So eine Aussage war vor GPI einfach unmöglich. Hingegen kann jeder Treasurer Fälle berichten, bei denen Zahlungen spät oder gar nicht ankamen, mit hohen, unerklärlichen Gebühren, mit unklaren oder sogar ohne Verwendungszweckinformationen.

Neben den technischen Details wie UETR und Tracker gehört zu GPI ein Regelwerk, in dem die möglichst taggleiche Weitergabe einer Zahlung mit vollständigem Verwendungszweck, unter Angabe von abgezogenen Gebühren und Währungsumrechnungsdetails vorgeschrieben ist. Da es ja keine globale Transparenzrichtlinie gibt, muss dies auf multilateralem Vertragswerk begründet durchgesetzt werden. Und das ist auch gut so – Zeit dafür ist es schon lange.

Der (Firmen-)Kunde soll besseren Service im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bekommen. Neben der Schnelligkeit und Transparenz ist ein weiterer Punkt die Quittung. So etwas gibt es ja eigentlich nur bei einer Barzahlung, im elektronischen Zahlungsverkehr war bisher das Motto: „shoot and forget“. Wenn es keine Beschwerden gibt, ist das Geld wohl angekommen. In den letzten Jahren hat es im SEPA eine beachtliche Entwicklung gegeben, und mit den Instant Payments nach dem Schema SCTinst gibt es auch hier nun eine Quittung. Mit SWIFT GPI ist die Erstellung einer derartigen Quittung ebenfalls möglich, auch wenn dies (noch) eine vollständige FIN-Kette in der Abwicklung voraussetzt. Es ist jedoch noch ein Stück Weg dorthin: Bisher wird an den breiten, erst einmal bankinternen, Umsetzungen gearbeitet. Die Anbindung der Kundensysteme für einen Zugriff auf die Informationen oder gar die Weitergabe von Status und Gebühreninformationen an Kundensysteme befindet sich noch am Anfang. Aber schon die Möglichkeit, im Falle eines Zweifels durch den Zugriff auf eine zentrale Stelle prüfen zu können, wo sich die Zahlung befindet, ist im großen Korrespondenzbanknetz ein erheblicher Fortschritt.

Geht das nur in FIN? Natürlich nicht. Die aktuellen Entwicklungen, z. B. die Migration der Großbetragssysteme (RTGS) wie TARGET2, EURO1 oder CHAPS von MT hin zu Nachrichten in XML nach ISO-20022-Standard, gehen diesen Weg. Die (neueren) ISO-Nachrichtenformate enthalten dedizierte Felder für die UETR, und so wird die Referenz auch außerhalb des FIN-Netzes transportiert. Und erst kürzlich verbreitete SWIFT die Meldung: „SWIFT trials instant cross-border gpi payments through TIPS“[1].

Für eine Anbindung von GPI-Rückmeldungen an Kundensysteme wie TMS oder ERP sind Nachrichten in Form von PSR (payment status report, also pain.002) effizienter als manuelle Prozesse. Aber schon diese Selfservice-Funktionen sind ein bedeutender Schritt hin zu mehr Transparenz. Übrigens sind die Standards zu diesen Rückmeldungen, also Felder (tags) und Codes, in der Harmonisierungsinitiative CGI-MP multibankfähig abgestimmt. In dieser Initiative wirkt PPI nun auch aktiv mit.

Des Weiteren steht auch die Erweiterung an, dass der Kunde seine Referenz in der Zahlung als UETR initiiert – im pain.001.001.03 in besonderen Feldern gemäß der CGI-MP oder auch schon in aktuelleren ISO-Versionen in dedizierten Feldern.

Und genau hier, an der Schnittstelle Kunde-Bank bzw. Bank-Kunde, werden sowohl Kundenzahlungen als auch PSR-Rückmeldungen ja auch oft mit EBICS transportiert. Somit stehen GPI und EBICS nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen einander sinnvoll – wie so oft im Zahlungsverkehr.

Autor: Dr. Mario Reichel

[1] Quelle: https://www.swift.com/news-events/press-releases/swift-trials-instant-cross-border-gpi-payments-through-tipshttps://www.swift.com/news-events/press-releases/swift-trials-instant-cross-border-gpi-payments-through-tips

EBICS-Tests mit Kunden im produktiven Bankrechner?

Seit EBICS 2.4 ist es in Frankreich möglich, Geschäftsvorfälle – nicht wie u. a. in Deutschland üblich – über dreistellige Auftragsarten sondern über die bis zu 40-stelligen FileFormat-Parameter auszutauschen. Diese sind bekanntlich jeweils mit den Auftragsarten FUL bzw. FDL einzuleiten. Dabei ist es möglich, ein sogenanntes Test-Flag anzugeben. Darüber kann ein EBICS-Kunde im produktiven Betrieb z. B. beim Senden einer Datei der Bank eine Testeinreichung signalisieren. Vorausgesetzt, es besteht eine bilaterale Vereinbarung über die Nutzung des Test-Flags, kann die Bank den Auftrag annehmen, als Testfall werten und vor der echten Verarbeitung aussteuern. Die Nutzung eines Test-Flags in Produktion ist bei den Banken nicht unumstritten. Eine solche Option wird von deutschen Banken derzeit überwiegend abgelehnt.

Mit der aktuellen EBICS-Version 3.0 und der einheitlichen Nutzung der BTFs anstelle von Auftragsarten und FileFormat-Parametern entfällt das bestehende Test-Flag in der EBICS-Spezifikation. Zudem wurde mit dem EBICS-CR EB-17-01 Element Group Parameter eine verschärfte Prüfung auf die Nutzung von nicht bilateral vereinbarten Angaben in den generischen Parametern des BTFs eingeführt. Unerlaubte Angaben werden nun mit dem EBICS-Returncode 09-0-0-06: EBICS_UNSUPPORTED_REQUEST_FOR_ORDER_INSTANCE abgelehnt.

Als Hilfestellung für die EBICS-3.0-Einführung in Frankreich hat der französische CFONB einen eigenen Migrationsleitfaden erstellt (EBICS 3.0 Aide à la migration BTF & Table de correspondance File Format/BTF). Da in Frankreich das Test-Flag von Banken in der Vergangenheit genutzt wurde und auch weiterhin der Bedarf an einer solchen Option besteht, hat der CFONB für die BTF-Migration die Nutzung des Test-Modus für BTF definiert und als optionale Funktion in den Leitfaden aufgenommen. Somit kann bei bilateraler Vereinbarung zwischen Bank und Kunde auch bei BTF der Parameter TEST für Testfälle genutzt werden. Bei abweichender Parameterangabe erfolgt eine Ablehnung mit dem o. g. Returncode. EBICS-Bankrechner, und EBICS-Clients können diese Funktion optional mit anbieten.

Unabhängig davon gibt es bei EBICS auch die Alternative, für Testeinreichungen eigene speziell für den Test bilateral vereinbarte Geschäftsvorfälle (BTFs) zu nutzen.

Letztendlich bleibt aber festzuhalten, dass bei Nutzung der Testoption in der Produktionsumgebung immer das Risiko besteht, dass Testdateien die Produktion negativ beeinflussen oder gar unerwartet Eingang in die Produktionsdaten finden können.

Sicherer ist da dann doch eine eigene EBICS-Bankrechner-Installation für EBICS-Tests mit Kunden. Warum nicht?


Autor: Michael Lembcke

Standardisierung und Automatisierung in der Beziehung mit externen Vermögensverwaltern dank EBICS

Externe Vermögensverwalter (EVV) oder External Asset Manager (EAM) bieten ihren vermögenden Privatkunden oder institutionellen Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen verschiedenste Services an (zum Beispiel Steuer- und Immobilienberatung, Handels- und Anlagegeschäfte). Die Kundenkonten liegen meist auf einer oder mehreren Depotbanken. Die Interaktion mit den Finanzinstituten ist dabei oft weder standardisiert noch automatisiert. Die Kommunikation über Briefpost, Telefon, E-Mail und teilweise auch noch Fax dominiert den Geschäftsalltag.

Wenige, grosse Vermögensverwalter verfügen über einen SWIFT-Anschluss und benutzen diesen für die Abwicklung von Treasury- und Fremdwährungsgeschäften (Meldungskategorie 3), Wertschriftengeschäften (Meldungskategorie 5), Edelmetallgeschäften (Meldungskategorie 6) oder Cash-Management-Geschäften (Meldungskategorie 9). Einige haben proprietäre System-zu-System-Verbindungen realisiert, beispielsweise mittels FTP, um Finanzmeldungen auszutauschen. In der Schweiz beobachten wir einen Trend, dass EBICS sich in diesen Fällen als alternative Anbindungsvariante durchsetzen könnte.

Im Rahmen des PPI-Frühstücks im April 2019 in Lausanne hat ein Vertreter von Credit Suisse das Angebot «Private swift Network (PsN)» vorgestellt. Es handelt sich dabei um die Erweiterung des EBICS-Angebots in der Art und Weise, dass ca. 20 neue EBICS-Auftragsarten (Reports für den Download) aus den oben genannten EAM-Anwendungsfällen zur Verfügung stehen. Dank der Kooperation mit führenden Softwareherstellern von Portfolio-Management-Systemen (wie etwa Allocare oder Expersoft) erreicht die Credit Suisse in der Interaktion mit ihren Partnern eine signifikante Steigerung des Standardisierungs- und Automatisierungsgrads. Konkret können die SWIFT-Meldungen der oben genannten Meldungskategorien jetzt auch über EBICS transportiert werden.

Da das EBICS-Protokoll flexibel bezüglich des transportierten Inhalts ist, bietet Credit Suisse darüber hinaus auch weitere Formate wie beispielsweise CSV oder XML für Rapportierung der Transaktionen und Vermögenswerte an, inklusive Stammdaten der entsprechenden Kundendepots. Von dem neuen Angebot profitieren alle Akteure: Vermögensverwalter können vermehrt Banken kostengünstig via EBICS anbinden und ihre Prozesse automatisieren, Softwarehersteller ihren Funktionsumfang sinnvoll erweitern und Banken ihre Attraktivität für EAM steigern. Über alle Stellen und Prozesse gesehen sinkt auch die Fehlerrate und es steigt die Umsetzungsgeschwindigkeit durch den Wegfall von manuellen Eingriffen.

Schweizer Banken, welche aktuell Projekte in diesem Umfeld umsetzen, planen bereits die nächsten Ausbaustufen im EBICS-Angebot. So sollen in Zukunft nicht nur die Reporting-Funktionen (EBICS-Download), sondern auch die Auftragsfunktionen (EBICS-Upload) angeboten werden. Insbesondere Aufträge im Handel (SWIFT-Meldungskategorie 5) sind gut geeignet für die Einreichung via EBICS. Konkret sollen Börsenaufträge (etwa SWIFT MT502) mittels einer eigener Auftragsart vom Vermögensverwalter an die Bank übermittelt werden. Analog der bekannten Zahlungsauftragsschnittstellen werden bankseitig die Börsenorderschnittstellen angebunden. In diesem Kontext ist auch der Einsatz einer VEU denkbar.

Fazit:
Erste Banken in der Schweiz weiten ihr EBICS-Angebot über die Anwendungsfälle des Zahlungsverkehrs hinaus aus. Das Angebot von Credit Suisse für mittlere und grössere Vermögensverwalter setzt im Markt der EAM-Kundschaft ein Zeichen und wird wohl Nachahmer auf den Plan rufen. Softwarehersteller von Portfolio-Management-Systemen lernen langsam aber sicher das EBICS-Protokoll kennen und erweitern ihre Connectivity-Möglichkeiten um diese Anbindungsvariante. Der Phantasie, welche Formate und Standards in Zukunft über EBICS transportiert werden, sind keine Grenzen gesetzt. Es ist davon auszugehen, dass EBICS auch in anderen Domänen ausserhalb des Zahlungsverkehrs für ein bestimmtes Kundensegment eine echte Alternative zur Kommunikation über das SWIFT-Netz darstellt.

Carsten Miehling

Sie sind Bankkunde und nutzen EBICS: Funktioniert Ihr EBICS-Monitoring auch noch mit EBICS 3.0?

Für das Monitoring der EBICS-Prozesse und -Ergebnisse steht seit EBICS 2.5 den EBICS-Clients neben dem rein textbasierten Kundenprotokoll auch ein XML-basiertes Protokoll für das fachliche EBICS-Monitoring zur Verfügung. Letzteres eignet sich insbesondere für maschinelle Auswertungen. Das textbasierte Protokoll kann durch den EBICS-Client mit der Auftragsart PTK und das XML-basierte Protokoll mit der Auftragsart HAC vom EBICS-Server heruntergeladen werden. Mit EBICS-Version 3.0 ist das textbasierte Protokoll nicht mehr Bestandteil der Spezifikation. Zudem gibt es Änderungen im HAC-Protokoll, die bei der maschinellen Ergebnisauswertung zu berücksichtigen sind. Diese Änderungen wirken sich wegen der erforderlichen übergreifenden Versionsinteroperabilität z. T. auch auf EBICS-Clients niedriger EBICS-Versionen aus, sobald ein EBICS-Bankrechner EBICS Version 3.0 unterstützt.

Für Software-Hersteller und EBICS-Nutzer gilt daher, dass man sich bei den EBICS-Clients, die bereits über Funktionen der maschinellen Kundenprotokoll-Auswertung verfügen, auf Änderungen einstellen muss. Zunächst sollte für maschinelle Auswertungen in EBICS-Clients der Wechsel vom PTK zum HAC vollzogen werden. Außerdem gilt für diejenigen, die bereits das HAC-Protokoll nutzen, dass mit EBICS 3.0 das finale Ergebnis im HAC-Protokoll anders abgebildet wird.

Bisher informierte das HAC-Ende-Kennzeichen mit den Angaben ORDER_HAC_FINAL_POS und ORDER_HAC_FINAL_NEG direkt darüber, ob das Ergebnis der Einreichung positiv oder negativ war. Mit EBICS 3.0 gibt es lediglich noch ein HAC-Ende-Kennzeichen ORDER_HAC_FINAL, welches den Ausgang der Einreichung ausschließlich in Verbindung mit dem letzten Reason Code ausdrückt. Demnach weist dann beispielsweise der finale Code DS04 darauf hin, dass der Auftrag abgelehnt wurde und DS05, dass der Auftrag erfolgreich eingereicht und an die Banksysteme weitergeleitet wurde. Weitere Reason Codes sind zu berücksichtigen.

Also, damit Ihr EBICS-Monitoring auch weiterhin die korrekten Ergebnisse liefert, empfehle ich auf das HAC-Kundenprotokoll zu setzen und sich auf die Auswertung der Reason Codes zu konzentrieren. So behalten Sie auch zukünftig den Überblick in der EBICS-Kommunikation mit Ihrer Bank.


Michael Lembcke
 

Migration zu EBICS 3.0 in Frankreich

EBICS 3.0 ist in Frankreich am 27. November letzten Jahres in Kraft getreten. Gut zwei Monate sind seitdem vergangen und so ist es an der Zeit zu schauen, wie weit die Migration zur neuen Version fortgeschritten ist.

Gegenstand dieser neuen Version ist die Harmonisierung von EBICS mit den folgenden Zielen:
 
  • eine einheitliche EBICS-Version in allen Ländern, in denen EBICS zum Einsatz kommt
  • eine einheitliche Identifizierung der Geschäftsvorfälle und Formate (auch BTF genannt: Business Transaction Format)
  • ein einheitliches X.509-Format für die Schlüsselablage

Das Datum für das Inkrafttreten betrifft nur die französischen Banken und Kreditinstitute und ist nicht verpflichtend für Firmenkunden. Diese können selbst entscheiden, wann sie migrieren möchten.

Die großen französischen Banken arbeiten seit einigen Monaten an den Migrationsprojekten und die meisten können ihren Kunden den EBICS-3.0-Kanal ab sofort anbieten. Die anderen sind in der letzten Testphase und die Öffnung des EBICS-3.0-Kanals steht unmittelbar bevor.

Die kleineren Banken sind noch nicht so weit. Nur wenige haben mit den Migrationsprojekten begonnen.Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass diese Institute erst in einigen Monaten, vielleicht sogar erst 2020, den EBICS-3.0-Kanal anbieten können.

Diese Unterschiede in der zeitlichen Umsetzung sollten die Firmenkunden, die demnächst auf EBICS 3.0 migrieren wollen, jedoch nicht bremsen. Denn auch die Banken, die schon auf EBICS 3.0 migriert haben, werden in einer mehr oder weniger langen Übergangsphase noch die Version 2.4.2 unterstützen, die seit der Einführung von EBICS in Frankreich in Kraft ist (in Deutschland wird aktuell die Version 2.5 genutzt). Diese Übergangsphase gibt den Firmenkunden Zeit, ihre Client-Software zu aktualisieren.

Vor allem mangelndes Interesse der Firmenkunden an der neuen Version könnte jedoch dafür sorgen, dass die Übergangsphase sich hinzieht. Um dem entgegenzuwirken, können die Banken ihren Firmenkunden zusätzliche Services anbieten, die mit den Erweiterungen der neuen Version möglich werden. Dazu gehören unter anderem das einfachere Einrichten von Transfers und die verteilte elektronische Unterschrift. Sie ermöglicht es Firmenkunden, Aufträge asynchron nach dem Transfer der Datei zu unterschreiben (in der Version 2.4.2 musste die elektronische Unterschrift zusammen mit der Auftragsdatei geschickt werden), und verhilft ihnen so zu mehr Mobilität.

Das wird sich vor allem dann bemerkbar machen, wenn die X.509-Zertifikate komplett virtuell sind, so dass die mobile Unterschrift wirklich nutzbar ist. Experten arbeiten an diesem Thema und so sollte es in einigen Monaten effiziente Lösungen geben…

Marc Dutech

Wie sich EBICS verbessern lässt Teil 10 – Gezielte EBICS-Downloads mit Datum und Uhrzeit

Im Zahlungsverkehr und insbesondere mit der Einführung neuer Verfahren, wie etwa den Instant Payments, wird es für den Bankenkunden immer wichtiger, auch untertägig über die Zahlungsbewegungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Diese Entwicklung stellt im Firmenkundengeschäft auch den EBICS-Standard vor neue Herausforderungen zumal diese Informationen üblicherweise von den EBICS-Kunden aktiv vom Bankrechner abgerufen werden müssen. Insbesondere, wenn Firmenkunden mehrere EBICS-Clients nutzen, ist die heute gängige sog. historische Abholung mit Datumsangabe die geeignete Download-Methode. Da jedoch die historische Abholung durch EBICS lediglich tagesgenau spezifiziert ist, werden die Daten in der Praxis untertägig in großem Umfang mehrfach abgeholt. Zudem hängen fachliche Zeitstempel für EBICS vom Bereitstellungsformat ab und sind damit bestenfalls tagesgenau und schlimmstenfalls auf dem Bankrechner einfach nicht vorhanden. Den abholenden Clients steht daher dann die Aufgabe zu, die redundant abgeholten Daten automatisiert zu filtern. Dieses Verhalten führt derzeit zu einer deutlichen Mehrbelastung aller beteiligten Systeme sowohl auf Seiten der Kunden, als auch auf Seiten der Banken.

Folgende Verbesserung in EBICS könnte bei entsprechender Spezifikation Abhilfe schaffen und gezielte zeitgesteuerte Abholungen erlauben.

Sinnvoll wäre es, wenn der EBICS-Server per Spezifikation eine zusätzliche Variante der historischen Abholung unterstützen würde. Im Gegensatz zur bisherigen standardisierten historischen EBICS-Abholung würde nun bei Start- und Endzeitpunkt jeweils auch die Uhrzeit berücksichtigt. Außerdem sollten sich die angegebenen Zeitpunkte immer auf den Bereitstellungszeitpunkt beziehen. Damit könnte dann der EBICS-Server alle Datensätze liefern, die innerhalb des angegebenen Zeitraums bereitgestellt wurden. Zur flexibleren Handhabung sollte es auch zulässig sein, bei Abholanfragen nur jeweils einen der beiden Zeitpunkte anzugeben. Ansonsten verhält sich die Abholung auch hinsichtlich der Quittungsphase wie die bisherige Standardabholung.

Ich denke, eine solche Lösung einheitlich für alle EBICS Nutzer im EBICS-Standard zu spezifizieren, könnte den Abholprozess für EBICS verfeinern, die Rechnerauslastung reduzieren und insbesondere im Hinblick auf die wachsende Bedeutung von Aktualität deutlich verbessern. Bisher bereits eingesetzte proprietäre Lösungen in den EBICS-Produkten wären überflüssig.

Michael Lembcke

EBICS und die API-Diskussionen – Ein Statusupdate aus der Schweiz

Seitdem SIX Interbank Clearing (SIC) als Repräsentant des Finanzplatzes Schweiz im Frühling 2015 als offizielles Mitglied in die EBICS SCRL aufgenommen wurde, hat sich im Bereich der Firmenkundenschnittstellen bei Banken (Neudeutsch auch „Corporate Communication Interfaces“) einiges getan. Und aktuell rumort es ebenfalls wieder auf dem Gebiet der elektronischen Schnittstellen, sodass es sich lohnt, in diesem Blog wieder einmal einen Blick auf die aktuelle Situation in diesem Bereich in der Eidgenossenschaft zu werfen.

Natürlich soll hier auch die Rede von APIs (Application Programming Interfaces) sein, denn in manchen Geschäftsleitungs-Etagen bei Banken erscheinen diese drei Buchstaben als der große Heilsbringer in der Digitalisierungsstrategie. Haben also APIs, insbesondere für die Abfrage von Kontoinformationen oder die Beauftragung von Zahlung das Potential, die altgedienten Dateitransferprotokolle wie EBICS obsolet zu machen? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass gerade neue Startups und FinTechs diese schlanken APIs dem doch etwas aufwändig zu implementierenden EBICS bevorzugen?

Um diese Frage für die Schweiz beantworten zu können, benötigt der mit dem Finanzplatz Schweiz weniger vertraute Leser aktuelle Hintergrund-Informationen. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied in keiner Weise an die PSD2 (Payment Service Direktive) gebunden ist. Womit ein großer Treiber, die Pflicht eine API anzubieten, für Banken erstmal wegfällt. Des Weiteren gibt es in der Schweiz auch keine standardisierte Schnittstelle fürs Onlinebanking à la FinTS wie in Deutschland. Nichtsdestotrotz ist die frohe Botschaft der Europäischen Union natürlich auch in der Schweiz vernommen worden.

Bevor wir uns etwas vertiefter mit den zurzeit heiß diskutierten API-Initiativen beschäftigen, soll noch einmal die EBICS-Verbreitung gewürdigt werden. In den letzten gut fünf Jahren hat sich das Protokoll nach dem Vorbild der deutschen Implementierung bei allen größeren Instituten als Standardangebot für den elektronischen Austausch von Daten mit Firmenkunden durchgesetzt. Die Protokolleigenschaften, sehr große Volumina transferieren zu können sowie neuerdings auch der Einsatz der VEU (Verteilte Elektronische Unterschrift), werden von mittleren und größeren Firmenkunden sehr geschätzt. Auch alle namhaften Schweizer Softwareanbieter mit Lösungen im Electronic Banking haben EBICS im Angebot.

Soweit so gut, könnte man meinen. Wie eingangs erwähnt, ist hierzulande die API-Diskussion ebenfalls in vollem Gange und wir beobachten momentan drei erwähnenswerte Initiativen, welche nachfolgend kurz vorgestellt werden. Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen, aus Sicht des Autors sind diese Initiativen kein Ersatz für EBICS, sondern ergänzen ein Schnittstellen-Angebot eines Finanzinstitutes für ein bestimmtes Kundensegment (in der Regel kleinere Firmenkunden, die über eine Cloud-Lösung mit der Bank Informationen in beide Richtungen austauschen).

Sehr vielversprechend erscheint momentan „Corporate API“, die Initiative von SIX und den Schweizer Banken. Unter diesem Namen entwickelt die SIX zusammen mit Vertretern der Banken und Software-Hersteller nicht nur einen frei verfügbaren Standard, sondern gleich noch die passende Plattform dazu. Diese Plattform erlaubt eine sehr einfache Teilnahme an einem neu entstehenden Öko-System, das Services weit über den PSD2-Rahmen (AIS, PIS) hinaus anbieten wird.

Als Formate werden bei der „Corporate API“ JSON und ISO20022 XML angeboten. Die JSON-Variante wird dabei sehr einfach und rasch zu implementieren sein und zielt auf SW-Anbieter, welche nicht die Komplexität der ISO20022-Meldungen benötigen. Die ISO20022 XML-Variante unterstützt das gesamte Spektrum der aus der Migration ZV CH bekannten Möglichkeiten. Bereits gegen Ende 2018 werden erste Tests mit Pilot-Banken und -herstellern durchgeführt werden.

Ein weiteres Projekt läuft unter dem Namen „Common API“. Das Common API der SFTI (Swiss Fintech Innovations) lehnt sich stärker an PSD2 bzw. die Implementierung der BerlinGroup an. Gegenüber der Corporate API-Variante formuliert die Spezifikation der SFTI das API allgemeiner und überlässt die Wahl der Zielgruppe dem Service Provider. Gemäß Informationen der SFTI sind bei der Entwicklung dieses Standards die großen Bankapplikations-Anbieter mit an Bord. SIX hat den Entwicklungsprozess der SFTI-Spezifikation von Anfang an begleitet und wird zukünftig die Ergebnisse der SFTI-Arbeitsgruppe weiterführen. Gut möglich also, dass aus zumindest in Teilen die Standards kompatibel ausfallen werden.

Die Situation für Softwarehersteller ist somit in der Schweiz nicht gerade einfach, da einerseits mit EBICS ein etabliertes produktives Protokoll zur Verfügung steht und neue Initiativen in den Startlöchern stehen. Je nach Kundensegment und Geschäftsmodell stellt sich für Lösungsanbieter die Frage, eine oder allenfalls auch gleich mehrere Implementierungen anzubieten. Kommt hinzu, dass einige Banken bereits proprietäre Interfaces publiziert haben (etwa die Hypothekarbank Lenzburg, welche als sehr innovative Fintech-Bank auftritt). Weitet man das Einsatzgebiet auf Europa aus, dann kommen noch bereits bekannte Initiativen wie „Berlin Group“, „STET“ oder „Open Banking“ dazu. Typischerweise hat der Finanzplatz Schweiz keinen existierenden Standard übernommen, da hierzulande das „Swiss Finish“ immer noch hoch im Kurs ist.

Carsten Miehling