EBICS im „Private Banking“ – Anwendungsfälle ausserhalb des Zahlungsverkehrs

EBICS wird gemeinhin als sicheres Übertragungsprotokoll für den Austausch von Zahlungsverkehrsdateien (Aufträge und Auszüge) angesehen. Insbesondere im Segment der Firmenkunden ist diese Anwendung mit Sicherheit auch die am weitesten verbreitetste. Ich möchte an dieser Stelle einen anderen, in der Schweiz sehr aktuellen Anwenderfall vorstellen: EBICS-Angebote im Private Banking.


Hiesige Privatbanken haben aktuell einen noch schwereren Stand als bisher und geraten von mehreren Seiten unter Druck. Regulierung, Margendruck, besser informierte Kunden, das Aufbrechen der Wertschöpfungskette und die Digitalisierung sind nur einige Themen, welche heute auf der Agenda von Privatbankvorständen anzutreffen sind. Im Bereich Automation beobachten wir in der Schweiz zurzeit eine erwähnenswerte EBICS-Initiative - den Einsatz als Schnittstelle für Börsengeschäfte.

Auf Anregung grösserer institutioneller Anleger und professioneller Vermögensverwalter, welche ihrerseits ebenfalls ein Interesse an mehr Automation haben, werden neuerdings vermehrt EBICS-Transaktionsarten aus dem Ordergeschäft angeboten. Typischerweise sind dies Auftragsarten für das Einliefern und Verarbeiten von Börsenaufträgen (Upload) und Auftragsbestätigungen, Abrechnungen und Depotauszüge (Download). Als Formate kommen die SWIFT (MT5xx) und PDF zum Einsatz. Konkret umgesetzt werden sie als institutsspezifische Auftragsarten (XYZ).

Schaut man sich nun die gesamte Wertschöpfungskette einer Börsentransaktion an, so kann diese im Idealfall voll automatisiert durchgeführt werden. Das Portfoliomanagement-System des Vermögensverwalters erkennt ein Missverhältnis der Anlagestrategie zum Portfolio des Kunden und generiert den Börsenauftrag für die Umschichtung. Mittels der Standards EBICS und SWIFT (z. B. MT502) wird der Auftrag automatisch beim Institut ausgelöst und die Bestätigung abermals über EBICS zurückgemeldet (z. B. MT509). Diese Automation reduziert auf allen Seiten den Aufwand der Abwicklung massiv. Zusätzlich reduziert sich gegenüber den heute noch weit verbreiteten manuellen Prozessen die Fehlerquote in grossem Masse.

Zusammengefasst kann man festhalten, dass innovative Privatbanken EBICS bereits heute anbieten oder in Kürze mit Angeboten im Markt auftreten werden. Da traditionellerweise der Zahlungsverkehr in diesem Geschäft eine nicht so dominante Rolle wie bei Universalbanken einnimmt, verlagert sich der EBICS-Schwerpunkt auf Börsentransaktionen und das Vermögensausweis-Reporting. Da auch Vermögensverwalter und institutionelle Anleger mehr Automation anstreben, entsteht eine Win-Win-Situation. Ideal wäre es, wenn sich die Standardisierungsgremien möglichst schnell auf universelle und einheitliche Auftragsarten (oder neu ab EBICS 3.0 sog. BTF-Spezifikationen) und Formate festlegen könnten.

Carsten Miehling

EBICS 3.0 mit BTF macht den Weg frei

Der europäische Zahlungsverkehr wächst dank SEPA und EBICS zusammen. Mit EBICS 3.0 verschmelzen nun auch die verschiedenen EBICS-Dialekte. Das Konzept dahinter heißt BTF. BTF steht für Business Transaction Format. BTF  vereinheitlicht die Beschreibung der zu transferierenden Formate in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Diese Harmonisierung macht den Weg frei für eine wachsende EBICS-Community.


Die neue EBICS 3.0-Spezifikation ist ab dem 27. November 2018 gültig. Termine zur Einführung können in den einzelnen Ländern abweichen. EBICS 3.0 bringt folgende Vereinheitlichungen:
  • einheitliche EBICS-Version in den drei EBICS-Ländern
  • einheitliche Identifikation der Geschäftsprozesse und Formate (BTF)
  • einheitliches X.509-Format für die Schlüsselablage
Damit ist die Kompatibilität der EBICS-Dialekte gewährleistet.

Optionale Features

Bisher wurden nicht alle EBICS-Features in allen Ländern angeboten. Mit EBICS 3.0 können die Banken ihren Kunden alle optionalen EBICS-Features individuell anbieten. Dazu gehören:
  • Zertifikate
    CA-signierte Zertifikate
    selbstsignierte Zertifikate
  • Berechtigungsmodell
    deutsche T-, A-, B- und E-Autorisierungen
    französische T- und TS-Autorisierungen
    Abschaffung der Fax-Autorisierung
  • Verteilte Elektronische Unterschrift (VEU)
    Die Nutzung der VEU ist in Deutschland obligatorisch, ansonsten optional.
Neuerungen

Die EBICS 3.0-Spezifikation enthält Neuerungen, die bei der Einführung berücksichtigt werden müssen:
  • Mapping
    Die Anpassung von Formatparametern und Auftragsarten an BTF-Standards wird durch Zuordnungsübersichten (Mappings) erleichtert. Auf nationaler Ebene sind Zuordnungsübersichten für Auftragsarten und Formatparameter definiert. Die EBICS-Clients müssen diese Zuordnungen umsetzen. In der Übergangszeit kann es zu Mischformen kommen: Bank A unterstützt bereits BTF, während Bank B nur EBICS 2.x anbietet.
  • Erweiterte Steuerung
    Mit BTF kann nun der EBICS-Client den Bankrechner steuern. Bisher steuerte ausschließlich der Bankrechner die Prozesse. Diese Client-Steuerung öffnet ein neues Kapitel in den Prozessabläufen. Der EBICS-Nutzer kann z. B. vorgeben, ob sein Auftrag direkt in die VEU gehen soll oder die Berechtigung zu prüfen ist. Bei Abweichungen zwischen der BTF-Vorgabe und den Rechten auf dem Bankrechner definiert die EBICS-Spezifikation das Verhalten.
  • Einheitliches Protokoll
    Das strategische Kundenprotokoll in der EBICS 3.0-Spezifikation ist das HAC. Damit wird das alte textbasierte Kundenprotokoll PTK vollständig abgelöst. Das HAC-Protokoll ist maschinenlesbar, da es auf XML basiert. In der Übergangszeit werden PTK und HAC bei einem EBICS-Versionsmix parallel existieren. Nach der EBICS 3.0-Spezifikation sollen BTF-Aufträge nicht mehr im alten PTK angezeigt werden. Wer das dennoch möchte, kann das PTK-Format proprietär erweitern.
EBICS 3.0 ebnet den Weg für eine wachsende EBICS-Community

EBICS 3.0 europäisiert die Nutzung von EBICS. Das ist gut. Damit können Banken neue Märkte und Kunden gewinnen. Der Kunde erhält durch die Flexibilisierung mehr Möglichkeiten. EBICS nutzt nun ausschließlich etablierte Standards.

Existierende Schnittstellen und Vertragskonditionen können fast unverändert bleiben. Das BTF kann im Hintergrund konfiguriert werden. Für Bankrechner und EBICS-Clients bleibt die Fachlichkeit im Vordergrund. Die EBICS 3.0-Spezifikation und die Mappingvorgaben unterstützen das.

Die Einführung von EBICS in neuen Märkten und Ländern ist mit EBICS 3.0 wesentlich erleichtert worden. Die Vorteile von EBICS 3.0 sind unübersehbar. Daher ist eine zeitnahe Einführung in den bestehenden EBICS-Ländern zu empfehlen.

Michael Lembcke

EBICS 3.0 in den Startlöchern

Am 19. Mai 2017 fand im Auditorium der Fédération Bancaire Française (Französische Bankenvertretung) ein Themenworkshop des CFONB zur Vorstellung Version 3.0 des EBICS-Protokolls statt.

Mehr als 120 Personen aus unterschiedlichen Bereichen - Banken, Hersteller, Unternehmen, usw. - nahmen an der Veranstaltung teil, im Rahmen derer verschiedene Redner das Grundkonzept dieser neuen Version vorstellten.


Nachdem die Geschäftsführung und einige Vertreter der EBICS SCRL (www.ebics.org) eine Übersicht vorgestellt hatten, wurden einige entscheidende Daten aus der Geschichte von EBICS präsentiert. Sie haben daran erinnert, dass der EBICS-Standard nun nicht mehr in den Kinderschuhen steckt und belegten dies damit, dass bereits vor 12 Jahren die Implementierung in Deutschland begann und vor mehr als 7 Jahren EBICS in Frankreich übernommen wurde. Bei den Schweizer Finanzinstituten wurde dieser Weg erst 2015 eingeschlagen. Eine Präsentation zeigte die derzeitige Verbreitung von EBICS, die sich von der Iberischen Halbinsel bis zur Ostsee und von Irland bis nach Italien erstreckt. Abgesehen von Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Portugal ist der Verwendungsgrad in den entsprechenden Staaten jedoch sehr unterschiedlich.

Im Anschluss wurden die Gründe für den Erfolg von EBICS in den vier Ländern (zahlreiche Artikel zu diesem Thema finden Sie in diesem Blog) ebenso wie die Hindernisse einer schnellen gesamteuropäischen Ausweitung genannt. Zu diesen gehören insbesondere:
  • die Unterschiede in der Identifikation der Zahlungsströme zwischen deutschen, französischen und Schweizer Varianten
  • die Verwendung der X.509-Zertifikate in Frankreich und des Schlüsselpaares in Deutschland
  • der Einsatz der verteilten elektronischen Unterschrift in Deutschland und in der Schweiz, aber nicht in Frankreich
Auf die Auflistung der Gründe folgte eine Beschreibung der tiefgreifenden Veränderungen, die die Version 3.0 mit sich bringen wird, vor allem hinsichtlich der Harmonisierung durch die Integration des BTF-Konzepts (Business Transaction Format) und der möglichen Generalisierung der verteilten elektronischen Unterschrift. Weitergehende Informationen zu diesen Themen erhält man über die Website der EBICS SCRL.

Der zweite Teil des Workshops bestand aus einer Diskussionsrunde zum Thema: Warum brauchen wir eine einheitliche EBICS-Version?

Für die Akteure aus dem EBICS-Bereich war dies die Möglichkeit folgende Themen anzuschneiden und zu diskutieren:
  • Vorteile von EBICS aber auch Grenzen der 2.x Version aufgrund mangelnder Harmonisierung
  • Erwartungen an die neue Version und Vorteile, die durch die Harmonisierung entstehen
  • Möglichkeiten der geografischen Ausweitung, auch auf andere Kontinente
    Hier wurde insbesondere Afrika angesprochen, da dort bereits einige Banken den EBICS-Service in einigen französischsprachigen Ländern anbieten.
  • Möglichkeiten der Verwendung von EBICS über die Unternehmen-Bank-Beziehung hinaus
    Hier wurde vor allem die Verwendung von EBICS für STEP2 und RT1 (Instant Payments) mit der EBA Clearing angesprochen.
  • Migrationsmodalitäten
  • Aspekte der zukünftigen Weiterentwicklung des diskutierten Protokolls, die auf die Tagesordnung gesetzt werden können, wie die Vereinheitlichung des AC-Zertifikates und die Möglichkeit Zertifikate zu verwenden, die nicht auf physischen Medien gespeichert sind, um so die Industrialisierung der EBICS-Signaturlösungen für Mobilgeräte zu vereinfachen
  • aktuelle Verwendung der verteilten elektronischen Unterschrift in Deutschland und in der Schweiz und Vorteile, die durch ihre Verwendung in Frankreich entstehen könnten
Diese Veranstaltung war somit der offizielle Startschuss für die Version 3.0. Ab November 2018 wird sie verfügbar sein; ab diesem Zeitpunkt müssen alle Banken die neue Version, zusätzlich zu der in den verschiedenen Gemeinschaften gültigen Version 2.x, anbieten.

Für Unternehmen besteht keine Verpflichtung ebenfalls zu diesem Zeitpunkt zu migrieren. Für sie ist eine schlagartige Migration von der 2.x zur 3.0 nicht vorgesehen. Die neuen Gemeinschaften hingegen könnten diese neue Version direkt einsetzen.

Es liegt also viel perspektivische Arbeit vor den Herstellern und Banken. Um ihnen dabei zu helfen, wird im Juli 2017 ein Implementationguide auf Seiten der EBICS SCRL und des CFONB zur Verfügung gestellt.

Ich stelle EBICS häufig in verschiedenen Ländern in Europa und darüber hinaus vor und glaube, dass die Harmonisierung die Werbetätigkeit für dieses Produkt wesentlich erleichtern wird. Ich bin überzeugt davon, dass sie der Schlüssel zum Erfolg ist, damit schließlich der erste Buchstabe von EBICS „European“ bedeutet.

Was wäre, wenn aufgrund der Entwicklungen, die derzeit geprüft werden, der nächste Schritt das Worldwide EBICS wäre?...

Marc Dutech

EBA CLEARING führt EBICS als zusätzliches Übertragungsprotokoll für ihr Instant-Payment-System ein

Teilnehmer am EBA-Clearingservice können ab November 2017 sowohl SIANet als auch EBICS für die Verbindung zur neuen paneuropäischen Infrastruktur für Echtzeitzahlungen nutzen. Weitere Alternativen könnten später folgen.

EBA CLEARING hat angekündigt, dass zukünftige Teilnehmer an ihrer paneuropäischen Instant-Payment-Infrastrukturlösung neben SIANet auch den Electronic Banking Internet Communication Standard (EBICS) zum Austausch von Zahlungsverkehrsnachrichten mit der Plattform nutzen können. Das Unternehmen bietet das zusätzliche Übertragungsprotokoll EBICS mit der Einführung des Dienstes im November 2017 an. Ab Juni 2017 steht EBICS für die Testumgebung zur Verfügung.
Lesen Sie hier die Pressemitteilung der EBA CLEARING vom 09. März 2017: Pressemitteilung EBA CLEARING

Michael Lembcke

Wie sich EBICS verbessern lässt, Teil 9 – EBICS ist für den Dateitransfer beliebig großer Dateien geeignet. – Ja, aber …

Auch mit SEPA ändert sich das Datenverhalten im Zahlungsverkehr weiterhin. Neue Prozesse führen dazu, dass Dateien im Austausch zwischen Kunden und Banken sowie im bilateralen Austausch immer größer werden. Insbesondere in der Kunde-Bank-Beziehung spielt die Downloadfunktion für Datenabholungen (z. B. Kontoauszüge) über EBICS eine wichtige Rolle. Und zumindest hier scheint es noch Optimierungsbedarf zu geben. Bei besonders großen Dateien wird es mit dem erfolgreichen Download aus verschiedenen Gründen schwierig.


Um das Problem genauer zu beschreiben, muss man zunächst etwas tiefer in das EBICS-Protokoll einsteigen. Datenabholungen (Downloads) über EBICS erfolgen segmentweise immer für alle zur Clientanfrage passenden Daten. Ein EBICS-Client legt beim Empfang einer Anfrage alle Daten für eine Abholung immer in genau einer physischen Datei ab.

Im Downloadprozess von EBICS ermittelt der EBICS-Server nach Empfang eines Abholauftrages zunächst die Anzahl der Segmente, in denen die zu übertragende Datei an den Client übergeben wird. Diese Angabe wird mit dem ersten Segment an den Client zurückgegeben. Sie ist in EBICS verpflichtend. Anschließend ruft der Client jedes Folgesegment sequentiell nacheinander ab und legt die Datei bei sich an.

Bereits der Vorgang zum Zusammenstellen des ersten Segments mit der Gesamtanzahl auf dem EBICS-Server kann je nach Dateigröße und Auslieferungsart (z. B. ZIP-Archiv) längere Zeit beanspruchen. Es muss erst die vollständige Datei komprimiert und verschlüsselt erzeugt werden, damit in der ersten EBICS-Response die korrekte Anzahl an Segmenten an den EBICS-Client mitgeliefert werden kann. Bis der Client in der Initialisierungsphase eine Rückmeldung über die Segmentanzahl bekommt, kann es somit bei großen Datenmengen in der EBICS-Verbindung zu Timeout-Situationen und damit zu Abbrüchen kommen.

Hier liegt das Problem. Daher muss es zukünftig möglich sein, die EBICS-Response auf die EBICS-Initialisierungsanfrage zu beschleunigen.

Die Anzahl der Segmente, die mit dem ersten Segment an den Client zurückgegeben wird, muss heute für den Start der Übertragung nach Möglichkeit korrekt sein. Laut EBICS-Spezifikation 2.5 (siehe Abschnitt 7.2 Umsetzung in den EBICS-Nachrichten, Seite 159) sollte sich der EBICS-Client bei falscher Angabe der Segmentanzahl jedoch tolerant verhalten. In einem solchen Fall müsste der EBICS-Client die laufende Transaktion ordnungsgemäß mit der Quittungsphase fortsetzen, auch wenn der EBICS-Server weniger Segmente liefert, als er in der initialen EBICS-Response angegeben hat. Damit der EBICS-Server bei großen Dateien schneller zu einer Rückmeldung an den Client kommt und ein Timeout vermieden wird, sollte es möglich sein, eine geschätzte Segmentanzahl zu ermitteln und zurückzugeben.

Grundsätzlich wäre eine Erweiterung der EBICS-Spezifikation mit folgenden zwei Teillösungen wünschenswert.

Der EBICS-Client initiiert einen Download mit unbestimmter Größe zur Vermeidung von Timeouts bei großen Datenmengen

Der Bankrechner liefert in seiner Response zusammen mit dem ersten Segment eine Segmentanzahl der zu erwartenden Daten zurück. Wenn es sich um Daten mit der Möglichkeit einer schnellen Zusammenstellung handelt, kann der Bankrechner die Segmentanzahl wie bisher genau liefern. Handelt es sich jedoch um eine größere Datenmenge mit ggf. längerer Aufbereitungszeit (z. B. ZIP), darf auch eine ungefähre Segmentanzahl zurückgeliefert werden.
In jedem Fall muss sich der EBICS-Client so verhalten, dass er so lange Segmente abruft, bis er die Ende-Nachricht bekommt.

Um nun bei Abholungen Timeouts während der Sammel-/Aufbereitungsphase des EBICS-Bankrechners zu vermeiden, sollte der Bankrechner beim Abruf eines Folgesegments auch einen Wert zurückgeben dürfen, der aussagt, dass er mit der Datenzusammenstellung noch nicht fertig ist. Der EBICS-Client kann das gewünschte Segment wiederholt anfragen, bis er es bekommt.

Optionale Begrenzung der abzuholenden Datenmenge durch den EBICS-Client, um zu große Dateien zu vermeiden

Der Download von großen Datenmengen kann aber auch durch Bedingungen problematisch sein, die nicht im Einflussbereich des EBICS-Servers bzw. dessen Betreibers liegen. Ursachen können in der Systemauslegung des Clients oder in der Infrastruktur liegen. In solchen Fällen kann es u. U. helfen, wenn die abzurufende Datenmenge kundenseitig über die heutigen Möglichkeiten hinausgehend (historischer Abruf) weiter eingeschränkt werden kann.

Zum Beispiel wäre es wünschenswert, wenn der EBICS-Client einen Download unter Angabe einer maximalen Größe initiieren kann. Denkbar ist ein neuer optionaler Parameter für die Größe der Abholdaten. Beim Download liefert der EBICS-Bankrechner dann immer vollständige Datenblöcke (z. B. Kontoauszug) und davon mindestens einen. Die Größenbegrenzung sollte stets als Richtwert interpretiert werden, den der Bankrechner auch überschreiten darf. Damit gäbe es auch clientseitig neben der historischen Abholung eine weitere Möglichkeit, die Größe der Abholdaten selbst zu steuern.

Mit diesen beiden Erweiterungen ist EBICS auch zukünftig für die wachsenden Datenmengen gerüstet.

Michael Lembcke

Softwarehersteller und Finanzinstitut fördern EBICS in der Schweiz

Seit 2013 bieten Schweizer Grossbanken ihren Firmenkunden den Kommunikationsstandard EBICS an. Die Schweiz ist seit Mai 2015 offizielles Mitglied der EBICS-Gesellschaft, welche sich zum Ziel gesetzt hat, den Standard in ganz Europa und darüber hinaus zu verbreiten und zu unterhalten. Um EBICS definitiv zum Durchbruch zu verhelfen, bilden der führende EBICS-Hersteller und die Schweizer Grossbank Credit Suisse eine Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von EBICS in der Schweiz (AFES). Schweizer Softwarehersteller profitieren von einer Aktion, welche ihnen den Einstieg in EBICS erleichtert.


Zahlungsaufträge aufgeben oder elektronische Kontoauszüge beziehen sind typische EBICS-Transaktionen. Insbesondere im Multibanking ist EBICS sehr beliebt, da Firmen mit nur einer Identifikation verschiedene Banken ansteuern können. In den letzten Jahren sind vermehrt auch mittelgrosse und kleinere Banken in der Schweiz auf den EBICS-Zug aufgesprungen, und die proprietären Schnittstellen verschwinden langsam aber sicher vom Markt. Kürzlich aufgedeckte Internet-Betrugsfälle bei Firmen beflügeln den Standard zusätzlich, denn der EBICS-Mechanismus der verteilten elektronischen Unterschrift (VEU) reduziert das Risiko einer Attacke deutlich.

Die Initiative AFES bietet interessierten Herstellern den bewährten EBICS Kernel von PPI – eine Software-Library, wahlweise in Java- oder C-Code – als Startpaket zu sehr günstigen Konditionen an. Sobald das Wartungsmodell und ein Onboarding-Paket (wahlweise mit Zugang zu einem EBICS-Testserver) vereinbart sind, kann es direkt losgehen. Credit Suisse übernimmt dabei die Rolle des Vermittlers und stellt seine Infrastruktur für Trainings zur Verfügung. So entsteht für alle Akteure eine Win-Situation, und der Finanzplatz Schweiz profitiert von der erwarteten Vereinheitlichung der Corporate-Banking-Schnittstellen.

Die Initiatoren erhoffen sich eine schnellere Verbreitung des Standards in der Schweiz. Dies kommt allen zu Gute, auch ausländischen Finanzinstituten in Europa, welche bereits EBICS als Schnittstelle anbieten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Standardisierung die Basis für mehr Wettbewerb ist und die Bankkunden letztendlich am meisten davon profitieren. Dies zeigen auch die aktuellen Diskussionen in Europa, wonach Banken zunehmend zu offenen Schnittstellen verpflichtet werden sollen. EBICS ist in diesem Zusammenhang sicher ein wichtiger Baustein, und sicher werden weitere Softwarehersteller und Banken gemeinsame Initiativen starten.

Mehr Informationen zur Initiative: www.ebics-initiative.ch.

Carsten Miehling

Instant Payments auf der Sibos

Dieses Jahr gastierte die Sibos in dem beschaulichen Genf. Der Flughafen lag direkt nebenan und man konnte die Flugzeuge mit voller Geschwindigkeit starten sehen. Und genauso hob auch Instant Payments ab. Es war eines der beherrschenden Themen auf der Sibos. Die Vorbereitungen für die Einführung laufen auf Hochtouren.


Instant Payments ist wahrscheinlich eine disruptive Technologie, die Volumina von anderen Zahlungsverkehrsmitteln abschöpfen wird. Dazu gehören der Massenzahlungsverkehr, der heute beispielsweise über EBICS läuft, aber auch Kartenzahlungen – Debitkarten- und Kreditkartenzahlungen am POS. Des Weiteren wird erwartet, dass vermehrt Zahlungen im Internet über Instant Payments abgewickelt werden. Ein Angriff auf PayPal und Co?

Was im ersten Moment harmlos aussieht, kann die Welt des Zahlungsverkehrs umkrempeln. „The New Normal“ wurde Instant Payments auf der Sibos genannt, obwohl es noch nicht einmal in Europa richtig abgehoben ist. Dies zeigt aber deutlich, was für ein Potenzial in Instant Payments vermutet wird. Die „neuen“ Player von gestern, wie z. B. PayPal und Co., könnten die Verlierer von morgen werden.

Die bisherigen Instant-Payments-Lösungen sind rein nationale Lösungen. Natürlich werden sich die wesentlichen Volumina im Zahlungsverkehr mit Instant Payments rund um den Kirchturm abspielen. Aber das muss nicht so bleiben. Mit einem Instant Payments, das europaweit funktioniert, könnten schnell neue Services entstehen. Dabei werden die Banken eine größere Rolle spielen als beim Bezahlen mit Kreditkarte oder über PayPal. Sie würden dabei ihren Anspruch, im Zahlungsverkehr führend zu sein, verteidigen und vielleicht sogar wieder Boden gutmachen können.

Die Grenzen von 15.000 € pro Instant-Payments-Transaktion werden schnell erhöht. Man munkelt von mittleren 6-stelligen Beträgen. Europäische Bankgruppen stehen in den Startlöchern, um dieses Limit innerhalb ihrer Gruppe von Beginn an aufzubrechen. Dies könnte auch für Firmenkunden interessant sein. Industriegüter, Dienstleistungen und Waren werden heute noch recht altmodisch bezahlt und damit teuer und langwierig. Mit Instant Payments könnte sich das ändern. Natürlich darf eine Zahlung per Instant Payments einige Sekunden länger oder sogar einige Minuten dauern, wenn beispielsweise der Betrag Millionen überschreitet und wenn Embargo-Prüfungen, AML und Settlement synchron ablaufen. Auch hier könnten sich wieder fundamentale, disruptive Änderungen ergeben.

Instant Payments ist übrigens nicht durch die PSD II initiiert. Was für eine vergebene Chance. Die EZB hat hier die Feder geführt und den Schritt hin zu einem europäischen Instant Payments nicht gewagt. Die Interoperabilität mit nationalen Instant-Payments-Lösungen ist derzeit noch unklar. Vielleicht schafft die PSD III, die schon in der PSD II angekündigt ist, den passenden rechtlichen Rahmen. Derzeit ist noch alles freiwillig und die Auswirkungen – auch auf den Massenzahlungsverkehr mit EBICS – sind noch nicht klar. Fest steht, dass die Europäisierung von Instant Payments Chancen bietet. Und die sollten wir nutzen.

Michael Lembcke