EBICS auch in der Schweiz angekommen

Werfen wir zunächst einen Blick zurück zum siebten Petersberger Electronic-Banking-Forum am 10. November 2011: Christian Schwinghammer von SIX Interbank Clearing Schweiz hielt dort einen Vortrag zum Thema „EBICS goes Europe – Wo steht die Schweiz?“. Christian Schwinghammer, seines Zeichens ein großer Kenner des Finanzplatzes Schweiz, war schon damals recht zuversichtlich, dass der Standard sich auch bei den Schweizer Finanzinstituten durchsetzen wird, zumal mit UBS und Credit Suisse bereits zwei Schwergewichte den Kommunikationskanal EBICS im Angebot hatten.

Wie so oft will aber auch in diesem Fall gut Ding Weile haben. Die oftmals angekündigte Annährung zwischen der EBICS-Gesellschaft und den Schweizer Vertretern wurde ein ums andere Mal verschoben und kam nur harzig in die Gänge. Seitens der Bankmanager trat das Thema EBICS angesichts der intensiven Steuerdebatten mit Europa (Abgeltungssteuer) und den USA (FATCA) in den Hintergrund.

Nichtsdestotrotz konnte die EBICS-Arbeitsgruppe mit Vertretern der Schweizer Großbanken Anfang 2012 eine erste Version des „Implementation Guides EBICS“ zum Review versenden.

Schweizer Alleingang bei Implementierungsrichtlinien

Die Schweizer Implementierungsrichtlinien wurden damals unabhängig von der EBICS-Arbeitsgruppe erstellt, was in der Folge für Diskussionsstoff gesorgt hat und auch noch weiter sorgen wird. So bediente sich die Arbeitsgruppe für die Schweizer EBICS-Auftragsarten nach deutschem Vorbild bei den frei verfügbaren dreistelligen Auftragsarten. Konkret wurde dem Schweizer Datenträger-Austauschverfahren beispielsweise die Auftragsart „XKD“ zugewiesen. Weil sich UBS und Credit Suisse mehrheitlich an der deutschen Implementierung orientiert haben und die dreistelligen Auftragsarten bereits bei den Kunden im Einsatz sind, ist dieses Modell „de facto“ als Standard für die Schweiz gesetzt.

Trotzdem erscheint vielen Schweizern das französische „FUL/FDL“-Modell als flexiblere und architektonisch elegantere Variante. Ihr haftet nicht die deutsche Historie der dreistelligen Auftragsarten an, die schon im Vorgängerprotokoll FTAM verwendet wurden. Zudem scheint bei einer weiteren Ausweitung von EBICS auf zusätzliche Länder in Europa und der Welt der Vorrat an dreistelligen Kombinationen zur Neige zu gehen. Eine Umstellung auf das französische Modell wäre allerdings mit enormem Aufwand verbunden.

Obwohl in diesem Punkt also noch Uneinigkeit herrscht, scheint EBICS definitiv in der Schweiz angekommen zu sein. Die Einführung bei den Kantonalbanken von Luzern im Herbst dieses Jahres und Zürich Anfang nächsten Jahres wird der Verbreitung in der Schweiz den notwendigen Schub verleihen. Dem Vernehmen nach stehen bereits weitere Kantonalbanken in den Startlöchern und evaluieren EBICS-Lösungen für ihre Kunden. Auch in Bezug auf den Beitritt zur EBICS-Gesellschaft ist die Alpenrepublik einen grossen Schritt weiter gekommen: Es liegen konkrete Angebote zum Beitritt in die Gesellschaft vor und ein erstes Dreiländer-Treffen der EBICS-Arbeitsgruppe ist im August in Zürich geplant.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die „Ménage-à-trois“ in der Praxis bewähren wird. Den Schweizern könnte hier eine wichtige Rolle zukommen, sind sie doch bekannt für ihr diplomatisches Geschick und ihre Mehrsprachigkeit. Gerüchten zufolge war die Beziehung der deutschen und französischen Akteure in der Vergangenheit nicht immer nur harmonisch. Die Verwendung der bereits erwähnten frei verfügbaren Auftragsarten in der Schweiz ist unter anderem auch ein Auslöser für einen konkreten Change Request zu Händen der EBICS-Gesellschaft (EB-14-DK-int04 OrderType with issuer). Die Verwendung eines „Issuer Codes” zur jeweiligen Auftragsart soll die Verwendung von gleichen Auftragsarten in einer anderen Community erleichtern. Die Schweizer Auftragsart für einen Auftrag im Format pain.001 (CCT) könnte somit zum Beispiel eindeutig von derjenigen in Frankreich und Deutschland unterschieden werden, indem ein „Issuer Code“ für die Schweiz angefügt werden würde.

Die Luzerner Kantonalbank setzt auf EBICS

EBICS wird nun erstmals in vollem Umfang von einer Schweizer Kantonalbank unterstützt. Damit setzt die Luzerner Kantonalbank (LUKB) ein Ausrufezeichen in der Schweiz. EBICS soll schon in 2014 von der LUKB live eingesetzt werden. Es freut mich, dass sich EBICS weiter verbreitet und nun auch in der Schweiz deutlich an Fahrt gewonnen hat. Dazu hat auch die LUKB als First-Mover beigetragen.

Dass sich EBICS in der Schweiz so schnell durchgesetzt hat, hat aus meiner Sicht folgende Gründe:
  1. EBICS nutzt das Internet als Übertragungsmedium, das im Prinzip in jedem Unternehmen vor-handen ist. Damit ergeben sich für Firmen günstige Übertragungskosten. Zudem können EBICS-Produkte für Firmen in einem relativ großen Markt erworben werden, was wiederum ein gutes Preis-Leistungsverhältnis begünstigt.
  2. In der Schweiz gab es bis dato keinen einheitlichen Standard für die elektronische Kommunikation zwischen Firmenkunde und Bank. Hätte man sich entscheiden, einen Standard selbst zu entwickeln, wäre das Ergebnis dem EBICS-Standard höchstwahrscheinlich sehr ähnlich gewesen. Deshalb lag es nahe, sich des Originals zu bedienen.
  3. EBICS ist ein Standard, der von Banken für Banken gemacht wurde. Daher passt der EBICS-Prozess grundsätzlich auch zu Schweizer Geldinstituten. Mit einem Beitritt in die EBICS-Gesellschaft eröffnet sich für sie zudem die Möglichkeit, eigene Änderungsvorschläge einzubringen.
  4. Innovativ an EBICS ist vor allem die Multibankfähigkeit. Auch wenn das Für und Wider hier ausführlich diskutiert wurde: Ausschlaggebend war letztlich die Verbesserung des Services für den Kunden, die auch für die Schweizer Banken im Vordergrund steht.
  5. Ebenso kontrovers diskutiert wurde die Verteilte Elektronische Unterschrift (VEU). Anders als in Deutschland kann in der Schweiz jede Bank individuell entscheiden, ob sie diesen Service den Kunden anbieten möchte oder nicht. Dass die Geldinstitute hier frei wählen dürfen, erleichtert die Einführung von EBICS.
  6. Natürlich war für die Schweiz auch ein entscheidender Faktor, dass Deutschland und Frankreich schon EBICS einsetzen und europäisch agierende Firmen nach EBICS fragen. Zudem können so auch international neue Kunden gewonnen werden, ohne dass die Infrastruktur der Firmenkunden geändert werden muss.

Ich denke, dass dies auch die wesentlichen Gründe für die LUKB waren, EBICS zu nutzen. Besonde-res Augenmerk muss man auf die VEU legen: Es wird sehr interessant zu beobachten sein, wie sie sich entwickelt, wenn die ersten Banken bzw. deren Kunden sie nutzen.