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International harmonisch mit EBICS BTF

Sabine Wenzel, EBICS Secretary, EBICS SCRL


Im Jahr 2010 haben sich der französische CFONB und die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) in der EBICS-Gesellschaft zusammengeschlossen. Eine Vision ist die Harmonisierung von EBICS. Unterschiedliche Vorgängerverfahren in den Ländern haben die EBICS-Spezifikation beeinflusst und erschweren die EBICS-Implementierungen. Deutschland und Frankreich verfolgen abweichende Ansätze zur (Kurz-)Identifizierung von Geschäftsvorfällen und für die zu verwendenden Formate. Neuen Zug hat dieses Thema seit dem Beitritt der Schweiz zur EBICS SCRL. Es wurde ein Harmonisierungsprojekt angeregt mit dem Ziel einer EBICS-weit einheitlichen Vorgehensweise. Diese Konsolidierung heißt EBICS BTF.


Als sicheres Kommunikationsverfahren sorgt EBICS in erster Linie dafür, dass alle Daten korrekt authentifiziert, verschlüsselt und autorisiert übertragen werden.



Banken und Firmenkunden müssen erkennen können, welcher Service mit dem Auftrag tatsächlich zu erbringen ist. Dementsprechend muss der EBICS-Server z. B. überprüfen
  • ob der Kunde grundsätzlich das richtige Datenformat verwendet, ggf. in der passenden Version (Variante) des Standards und/oder entsprechend speziellen Implementierungsrichtlinien
  • ob Anliefervorschriften beachtet werden und Verarbeitungskennzeichen gesetzt sind
    • Kennzeichen, wie viele Elektronische Unterschriften dem Auftrag beigefügt worden sind und ob der Kunde ggf. eine zusätzlich benötigte Unterschrift per VEU leisten kann
    • Kennzeichen, dass der Auftrag in einen Container gepackt worden ist
  • ob für den Service ergänzende Optionen angegeben sind, z. B. für die DK der Verweis auf das SRZ-Verfahren oder für Frankreich der dort gängige Testmodus
Diese Prüfungen erfordern eine kompakte Angabe, um welchen Geschäftsvorfall es geht und ob die Sendung im korrekten Format angeliefert wurde. Dieser „Aufkleber“ am EBICS-Auftrag sieht aktuell in den Ländern noch unterschiedlich aus.

In Deutschland werden dreistellige Buchstabenkürzel verwendet. Frankreich hat lediglich zwei Standard-Auftragsarten definiert (für Upload und Download), ergänzt um einen Dateiformatparameter. Beide Ansätze reichen für eine internationale Nutzung, aktuell also in der Schweiz, nicht aus. Das uneinheitliche Vorgehen steht der Ausbreitung von EBICS im Weg.
Das EBICS Board of Directors (BoD) hat daher der EBICS Working Group (besetzt mit EBICS-Experten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz) den Auftrag erteilt, eine einheitliche und strukturierte Lösung für die Identifizierung von „Business Transactions & Formats“ (BTF) zu erarbeiten. EBICS BTF soll Bestandteil der nächsten EBICS-Version sein.

Aktuell besteht das BTF-Konzept aus drei Blöcken (Elementgruppen):
  • Content – verwendetes Format/Formatstandard (ggf. verwendete Version)
  • Processing – Kennzeichen zur EU und VEU, verwendete Container
  • Service – Information über das Zielsystem (ggf. mit 1..n Optionen)
Der Vorteil dieser gemeinsamen Entwicklung: Alle Beteiligten haben das gleiche Verständnis von der Belegung der XML-Elemente und –Attribute. Somit wird der „Aufkleber“ bei Standard-Geschäftsvorfällen (z. B. für die SEPA-Überweisung) in allen Ländern gleich belegt. Bei länderspezifischen Ausprägungen werden die BTF-Elemente abweichend gesetzt. Damit sind Unterschiede transparent und schnell zu erkennen.

Für diese einheitliche Denkweise waren intensive fachliche Diskussionen erforderlich – auch darüber, welche Informationen zur Identifizierung und korrekten Weitergabe des Auftrags wirklich benötigt werden. Die Angaben sollen vollständig sowie redundanz- und widerspruchsfrei sein. Insbesondere war man sich einig, möglichst mit externen Codelisten zu agieren (entsprechende Codes für die Datenelemente werden dafür gemeinsam abgestimmt und in der EBICS SCRL weitergepflegt).
In der EBICS Working Group wird diese Lösung als sehr stabil angesehen und hat eine hohe Akzeptanz. Letztendlich müssen die EBICS-Communities entscheiden, in welcher Form und mit welchem Zeitplan sie EBICS BTF in den nächsten Jahren anwenden. Für diese Frage sind Anfang 2016 nationale Konsultationen vorgesehen, die von der EBICS Working Group begleitet werden.

Sabine Wenzel