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SEPA 2.0: Durch das ISO 20022-Update droht eine 3-fach-Migration

SEPA und der zugrunde liegende ISO-20022 Standard können durchaus als Vorreiter der globalen ISO-20022-Initiativen gesehen werden. Schon frühzeitig stellten sie sich als das Regelwerk für viele unterschiedliche Zahlungsverkehrsformate in der Eurozone dar und bedienten sich dabei eines einheitlichen Formatstandards, um eine grenz- und systemüberschreitende Interoperabilität zu ermöglichen. Trotz einiger lokaler Dialekte hat SEPA über die Jahre - nicht zuletzt durch Angleichungen der nationalen Besonderheiten an eine einheitliche EPC-Vorgabe - eine durchgängige Ende-zu-Ende-Zahlungsverarbeitung ohne Medienbrüche und Konvertierungen ermöglicht. Ende-zu-Ende bezieht sich in diesem Fall nicht nur auf das Interbankenverhältnis, sondern auch auf jenes vom Auftraggeber bis hin zum Empfänger. Ermöglicht wird dies durch die konsequente Nutzung des einheitlichen Datenlexikons (data dictionary) im ISO-20022-Formatstandard, das eine einheitliche Basis für den Datenaustausch darstellt, indem es Datenelemente aus der Kunde-Bank-Nachricht (pain ) in die Interbankenebene (pacs) bis hin zur Bank-Kunde-Sphäre (camt) ohne Konvertierungen transportiert.

Wo sich SEPA weiterentwickelt, z. B. durch die Einführung von Instant Payments, hinkt der für SEPA verwendete ISO-20022-Standard noch immer hinterher: nämlich auf der vom EPC definierten Basis von 2009. Da sich auch dieser ISO-Standard stetig weiterentwickelt, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, plant die für die Weiterentwicklung des SEPA Schemes zuständige Arbeitsgruppe des EPC die Migration aller Schemes (SCT, SCT Inst, SDD Core, SDD B2B) auf die Version 2019 des ISO-20022-Standards. So soll der Wechsel in 2020 angekündigt und im Rahmen einer Big-Bang-Umstellung (der Interbanken-Formate) zum November 2022 final gültig werden. Diese Änderung befindet sich derzeit als Major Change Request neben weiteren in einer Öffentlichen Konsultationsphase, um Anmerkungen aus dem Kreis der an der Konsultation teilnehmenden Parteien einzufordern.

Als einer der Gründe, warum dieser CR als wichtig angesehen wird, gilt die zukünftige Unterstützung von Request to Pay, die mit der derzeitigen ISO-Version nicht möglich ist, da zukünftig benötigte Elemente im Format nicht vorhanden sind. Aber auch für andere zukünftige Entwicklungen ist ein aktueller Stand des ISO-Standards erforderlich, insbesondere auch vor dem Hintergrund der TARGET2- und SWIFT-MX-Migrationen, die ebenfalls die Version 2019 des ISO-Standards zugrunde legen.

Gute Nachrichten hierbei: ISO 20022 ist ein in der SEPA-Welt bereits etablierter Standard. Anders als bei der SEPA-Einführung muss hier kein neues Format eingeführt werden und es müssen auch keine Altformate im großen Stil abgelöst werden. Vorhandene Systeme müssen „nur“ angepasst und mit den Änderungen, wie z. B. neuen Datenelementen, umgehen lernen. Dennoch besteht die Herausforderung darin, eine Big-Bang-Migration mit Auswirkungen auf den Interbanken-Zahlungsverkehr sowie Formate an der Kunde-Bank-Schnittstelle zu meistern.

Schlechte Nachrichten: Aufgrund aktueller Entwicklungen fällt nun das SEPA-Umstellungsdatum mit dem Beginn der Umstellungsphase von SWIFT MT auf MX zusammen. Den ursprünglichen Ansatz, das Umstellungsdatum für die SEPA-Umstellung auf 2022 zu legen, hatte man deswegen gewählt, um die drei großen Migrationen – TARGET2, SWIFT MX und SEPA ISO20022 Version 2019 – nicht nahezu zeitgleich durchführen zu müssen und den dafür erforderlichen Aufwand zu entzerren. Sollte nun auch TARGET2, wie erste Forderungen aus dem Markt vermuten lassen, eine Verschiebung der geplanten Big-Bang-Migration um ein Jahr vornehmen, fallen nun doch wieder sämtliche Migrationen zeitlich zusammen, was die betroffenen Finanzdienstleister vor große Herausforderungen stellt und den ursprünglichen Ansatz der Entzerrung zunichtemacht. Die Schuldfrage hierfür ist schnell beantwortet: die globale Corona-Pandemie, die unser Leben und die Wirtschaft derzeit vor harte Prüfungen stellt.

Banken und Kreditinstitute sind in dieser Situation aufgefordert, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten und sich auf die anstehenden Änderungen einzustellen. Wir werden die weitere Entwicklung ebenfalls eng begleiten und nach Abschluss der Marktkonsultation weiter über die SEPA-ISO-Änderungen berichten.

Autor: René Keller

Benachrichtigung bei SEPA-Instant-Payments-Zahlungseingängen – ein elementarer Baustein der Zahlungsprozesskette

Neben der kurzen Dauer einer finalen Echtzeitüberweisung ist die umgehende Information des Zahlungsempfängers bei Zahlungseingängen ein Kernelement des SCT Inst-Zahlungsablaufs und damit verbundener weiterer Prozessschritte.

Was in der Online-Transaktionsabwicklung zwischen Verbrauchern oder im Händler-Kunden-Verhältnis mittlerweile gut umsetzbar ist, stellt – wie im Blog-Artikel „Echtzeitbenachrichtigungen und EBICS - Schluss mit den „Hoffnungsabfragen“ von Michael Lembcke beschrieben – die beteiligten Akteure im EBICS-Corporate-Umfeld vor Herausforderungen: Zwar haben Umsatz-Notifications mittlerweile Einzug in die ab November 2019 gültige Anlage 3 des DFÜ Abkommens gehalten und sind dort als camt.054-Nachrichten, die mittels der EBICS Auftragsart C5N abgeholt werden können, spezifiziert, allerdings müssen diese aktiv vom Zahlungsempfänger bei der Bank abgeholt werden. Eine aktive Push-Benachrichtigung des Zahlungsempfängers war bislang nicht vorgesehen. Mittlerweile konnte diese funktionale Lücke allerdings geschlossen werden, indem die EBICS-Spezifikation um eine auf dem WebSocket-Protokoll basierende Information vom Bankrechner an den Kunden erweitert worden ist. Somit können Umsatzinformationen dann zeitnah abgeholt werden, sobald der zugrunde liegende Zahlungseingang stattgefunden hat. Erfolglose „Hoffnungsabfragen“ entfallen somit.

Da mit einer direkten Benachrichtigung über den Zahlungseingang auch schnellere und effizientere Gesamtabläufe im Corporate-Umfeld möglich sind, ist es an der Zeit, diese wichtige Funktion genauer zu betrachten.

Ausgangspunkt der Reise in die Instant-Notification-Welt ist die globale Vernetzung der Gesellschaft. Nahezu zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt sind digitale Services verfügbar: zunehmend in Echtzeit – „always on, always instant“. Waren früher prozessbedingte Wartezeiten durch klassische Bezahlvorgänge, die je nach Empfängerland mehrere Tage in Anspruch nehmen konnten, und langsame logistische Prozesse beim Versand der Waren der Standard, ermöglicht die fortschreitende Digitalisierung immer durchgängigere Prozessketten ohne Medienbrüche und Wartezeiten und sorgt für ein hohes Wachstum im Bereich neuer digitaler Angebote.

Einige aufeinander aufbauende Schritte der Kette lassen sich nicht ohne Weiteres in die Instant-Welt überführen, da prozessuale Abhängigkeiten zur nicht digitalen Welt bestehen. Andere Schritte hingegen sind heute schon 24/7/365 verfügbar – teilweise mit Finalität innerhalb weniger Sekunden. Hierzu zählt u.a. der Bestell- und der anschließende Bezahlprozess.

Das Zauberwort hierfür heißt Instant Payments, die eine sofortige Gutschrift des Zahlbetrages beim Empfänger vorsehen und somit auch eine sofortige Leistung nach Bezahlung ermöglichen können. Was in Bezug auf digitale Produkte funktioniert, gestaltet sich im Bereich des Versandhandels schwieriger: Hier ist zwar eine Beschleunigung des Gesamtprozesses durch einen schnellen Zahlungseingang beim Händler möglich, eine direkte Verfügbarkeit der bestellten Ware lässt sich nur schwerlich darstellen und der Kunde tritt über einen, wenn auch verkürzten Zeitraum, in Vorleistung.
Ein Kauf auf Rechnung wäre aus Sicht des Kunden die risikoärmste Variante. Für den Händler/Lieferanten birgt sie jedoch erhöhte Risiken, da dieser in Vorleistung tritt und nicht von einer zeitnahen Begleichung der offenen Forderung ausgegangen werden kann. Vorkasse mittels klassischer Bezahlmethoden inkl. Karten führt lediglich zu einer Umkehr der Risikoposition, jedoch nicht zu einer optimalen Risikoaufteilung zwischen Händler und Käufer. Diesem Umstand kann derzeit nur ein Intermediär begegnen, der als für den Händler und Käufer vertrauenswürdige Instanz die Übergabe der Ware und den Bezahlvorgang zeitgleich abwickelt. Keine Bezahlung – keine Ware und umgekehrt. Klassischer Nachnahmeprozess also.

Welche Rolle spielt hierbei nun die Notification des Zahlungsempfängers? Ohne eine umgehende Benachrichtigung des Begünstigten über den Zahlungseingang sind beschleunigte Abläufe und damit verbunden auch neue innovative Produkte, die auf einer direkten Bezahlung basieren, undenkbar. Nur mittels einer in den Zahlungsprozess integrierten oder unmittelbar daran anschließenden Information an den Begünstigten kann das zugrunde liegende Geschäft abgeschlossen oder zumindest der nächste Schritt in der Prozesskette gegangen werden – sei es mittels eines Online-Prozesses über eine API, die von der Bank hierfür bereitgestellt wird, oder durch die Nutzung des EBICS-Kanals in Verbindung mit einem Push-Service.

Bislang erfolgten Umsatzbenachrichtigungen i.d.R. mittels untertägigen Kontoinformationen (Umsatzinfo MT942) oder im Kontoauszug (MT940), der mit einem Versatz von einem Tag bereitgestellt wurde. Durch die im SCT Inst verankerte verpflichtende umgehende Rückmeldung bei einem Instant-Payments-Zahlungseingang ist erst der vollumfängliche Abschluss des Zahlungsvorgangs möglich. Insbesondere für den Einsatz von Instant Payments am POS ist dies unerlässlich. Lange Wartezeiten bis zum Abschluss der Transaktion würden eine Kundenakzeptanz verhindern. Die Benchmark hierfür ist die Dauer einer Kartenzahlung.

Doch nicht nur am POS ist eine umgehende Benachrichtigung relevant: Bestehende Bezahlverfahren wie z. B. Rechnungsbegleichung mittels Instant Payments im Online-Banking oder auch die klassische Nachnahme an der Haustür profitieren hiervon. Im ersten Fall liegt der Vorteil in einem beschleunigten Gesamtablauf für alle Beteiligten und in letzterem handelt es sich insbesondere um die Substitution klassischer Zahlungsinstrumente wie Bargeld oder Karten.

Aber auch bei der Entwicklung zukünftiger Bezahlverfahren wie z.B. Request to Pay wird die Notification eine tragende Rolle spielen. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf einen weiteren EBICS-Blog-Artikel meines Kollegen Eric Waller verweisen, der sich mit diesem Thema beschäftigt: „Request to Pay verändert den Zahlungsverkehr – erste Use Cases“.

Autor: René Keller