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Blog-Serie: Wie sich EBICS verbessern lässt, Teil 3 – EBICS jetzt auch online

Ist es wirklich so, dass die Anforderungen von Firmenkunden im eBanking ausschließlich auf den dateibasierten Datenaustausch abzielen? Oder sind hier nicht auch Online-Geschäftsvorfälle gefragt? Warum sonst nutzen insbesondere kleinere Firmenkunden häufig eBanking-Lösungen aus dem Anwendungsumfeld für Privatkunden?


Das EBICS-Protokoll hat sich historisch gesehen aus dem Filetransfer heraus entwickelt und ist hervorragend für den sicheren und performanten Austausch großer Dateien zwischen Firmenkunden und Banken sowie im Interbankenverkehr geeignet. Die auszutauschenden Dateien sind je nach Geschäftsvorfall mit Auftragsarten oder Formatparametern gekennzeichnet. Diese steuern dann den jeweiligen Prozess.

Beim Einreichen von Daten über EBICS wird die Datenverbindung bei erfolgreicher Teilnehmer-Authentifizierung ausschließlich für die Dauer der Datenübertragung offen gehalten. Die eigentliche Verarbeitung erfolgt üblicherweise offline. Die Verarbeitungsergebnisse müssen anschließend über einen separaten Geschäftsvorfall heruntergeladen werden (PTK/HAC). Ebenso werden auf dem Bankrechner abzuholende Daten, zum Beispiel Umsatzinformationen, regelmäßig offline für Abholungen bereitgestellt. Diese Daten können dann als Datei über EBICS abgeholt werden.
Für die Online-Erfassung von Zahlungsverkehrsaufträgen und deren Autorisierung sowie die Online-Abfrage von Kontoinformationen ist der EBICS-Standard derzeit nicht ausgelegt. Diese Funktionen werden von proprietären Web-Portalen im Privatkundengeschäft sowie von nationalen Standards unterstützt, in Deutschland etwa HBCI/FinTS. Möchte ein Firmenkunde heute unter Berücksichtigung der verfügbaren Standards und Verfahren die Vorzüge von Online-Geschäftsvorfällen und EBICS gleichermaßen nutzen, so muss er unter Umständen unterschiedliche Lösungen mit verschiedenen Zugängen einsetzen.

Daher wäre es sinnvoll, den EBICS-Standard um die relevanten Online-Prozesse zu erweitern, zum Beispiel:
  • Auskunft über Kontensalden: Über das EBICS-Protokoll könnte eine Online-Auskunft über aktuelle Kontensalden geliefert werden. Dabei wird in EBICS die Verbindung zur Abfrage offen gehalten. Hiermit verfügt der Firmenkunde stets zeitnah über den aktuellen Kontenstand.
  • Auskunft über Status- und Verarbeitungsergebnissen zu Einreichungsaufträgen: Der Kunde benötigt einen Status des jeweils eingereichten Auftrages. In Verbindung mit einer neu einzuführenden Kundenauftragsreferenz (siehe Blogbeitrag vom 18.12.2014) macht eine Online-Einzelabfrage zum Auftragsstatus den Auswertungsprozess für den Firmenkunden erheblich einfacher und klarer. Gegebenenfalls erübrigt sich dann auch so mancher Anruf zur Statusauskunft bei der Bank.
Natürlich gäbe es noch weitere Einsatzmöglichkeiten. Wichtig ist aber, dass es hier nicht um eine Konkurrenz zu anderen Standards oder Verfahren im Privatkundensektor geht. Vielmehr sollte es das Ziel sein, den EBICS-Standard auf die eBanking-Bedürfnisse der Banken und der Firmenkunden anzupassen und so EBICS zukunftssicher weiterzuentwickeln.

Michael Lembcke