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SWIFT gpi - von der Pflicht zur Kür

Zum November 2020 verlangt das SWIFT-Release für den Zahlungsverkehr ausnahmsweise mal keine Formatänderungen. Die wurden wegen COVID-19 auf nächstes Jahr verschoben. Aber die Forderung nach der sogenannten „Universal Confirmation“ im Rahmen von SWIFT gpi ist geblieben. Vereinfacht bedeutet das: Alle FIN-Teilnehmer müssen die Gutschrift im MT103-Format auf dem Konto des Begünstigten an SWIFT zurückmelden, und zwar an den Tracker. Auch Ablehnungen müssen so gemeldet werden, die eigentliche Rückgabe entfällt dadurch aber nicht. Also muss der Zahlungsverkehr wieder ein (regulatorisches) MUSS-Projekt stemmen, was weniger Ressourcen für Kundenprojekte bedeutet. Aber muss das so sein? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir uns erst einmal ansehen, was SWIFT gpi bedeutet.

Seit 2016 nimmt das Thema SWIFT gpi (global payment innovation) immer breiteren Raum ein. Kern ist eine eineindeutige Referenz, die UETR (unique end-to-end-reference), die der Zahlung am Anfang der Korrespondenzbankkette mitgegeben wird und über alle Stationen beibehalten wird. Damit ist ein Track & Trace“ von Zahlungen möglich, was schon lange im AZV (Auslandszahlungsverkehr) gefordert worden war. Die Informationen werden im Tracker gesammelt. Der Tracker ist eine zentrale Datenbank in der FIN-Wolke bei SWIFT, die die nötigen Informationen bei jeder Zahlung in FIN automatisch mitliest und durch weitere Meldungen der gpi-Banken vervollständigt wird.

Am Anfang gab es die UETR nur innerhalb der CUG (closed user group) der an der Initiative gpi teilnehmenden Banken, und das auch nur für Kundenzahlungen (MT103), der Standard-Service wird auch gCCT (gpi for Corporate Credit Transfer) genannt, der dann bald von gCOV ( gpi for Cover Payments) vervollständigt wurde. Seit 2018 sind alle FIN-Banken verpflichtet, die UETR nach den Kundenzahlungen (MT103) nun auch für Bank-Bank-Zahlungen (MT202/205) – also für alle Zahlungen – zu unterstützen. Erste positive Auswirkungen können vermeldet werden. Mit der UETR ist es nun möglich, Aussagen zu treffen wie z. B. „40 % aller gpi-Zahlungen sind innerhalb von 5 Minuten final“ oder „75 % aller gpi-Zahlungen sind innerhalb von 6 Stunden final“. Vorher gab es nur Beispiele für Zahlungen, die sehr spät (oder gar nicht) oder ohne Verwendungszweck, dafür mit hohen Gebührenabzügen (auch bei OUR) ankamen, was zu vielen Reklamationen mit entsprechenden Nachfragen führte. Eine etwas unerwartete Auswirkung der gpi-Einführung war der drastische Rückgang von Nachforschungsanfragen.

Eine gpi-Bank verpflichtet sich zur möglichst taggleichen Verarbeitung, zum Verzicht auf Gebührenabzug bei OUR, zur ungekürzten und unveränderten Weitergabe des Verwendungszwecks (analog wie bei SEPA) – eigentlich lauter Selbstverständlichkeiten – und natürlich zum (möglichst zeitnahen) Informationsaustausch nicht nur zum Status sondern auch über Gebühren und Kurse mit dem Tracker. Diese Informationen stehen dann der Zahlerbank als gpi-Bank zur Verfügung. Dadurch kann ein weiteres Manko des AZV – die fehlende Gebührentransparenz – abgebaut werden. Diese Vorteile und insbesondere diese Informationen können dann dem Zahler übermittelt werden.

Und dann noch das Thema Rückrufe. Wenn es mal Not tut, dann sollte eine Zahlung entlang der ausführenden Bankenkette auch noch zu stoppen sein. Aber so wie die Zahlung über die Kette schrittweise abgearbeitet wird, so wird auch die Rückrufnachricht je beteiligter Bank abgearbeitet. Hier setzt der gpi-Zusatzservice gSRP (gpi Stop and Recall Payments) an. Der Rückruf wird an den Tracker gemeldet und der nächste Versuch, eine Zahlung mit der betreffenden UETR an FIN zu geben, wird abgelehnt. Die lange Kette wird übersprungen.

Mit der „Universal Confirmation“ wird nun die Transparenz vervollständigt. Damit bekommt die Zahlerbank nicht nur die Info „Zahlung bei der letzten Bank in der FIN-Kette angekommen“, sondern den Status „Zahlung beim Empfänger angekommen“. So eine Quittung war bei der Definition von SEPA Instant Payments von Anfang an integraler Bestandteil, aber das war ja auch fast 50 Jahre nach den ersten SWIFT-Nachrichten.

Die FIN-Banken werden nun zur Meldung „Universal Confirmation“ verpflichtet. Das gilt nur für Kundenzahlungen (MT103), nicht für alle Zahlungseingänge (M202/205). Meldungen müssen auch für TARGET2-Eingänge abgegeben werden, denn die werden ja über FINCopy transportiert. Als „Goodie“ gibt es den (manuellen) Webzugriff auf diesen Tracker, der bisher überhaupt nur gpi-Banken zur Verfügung stand.

Für die Meldung zur „Universal Confirmation“ hat die Bank bis zu 2 Werktage Zeit (eigene Feiertage sind also ausgenommen). Dieses SLA wird auch gemessen und das Wohlverhalten anderen Banken angezeigt, was aber erst ab Mitte 2021 beginnen soll. Der Webzugang zum Tracker wird auch vom Wohlverhalten abhängig gemacht.

Banken mit kleinstem Volumen könnten eine manuelle Meldung im Tracker in Betracht ziehen. Für automatisierte Lösungen sollte z. B. die ZV-Plattform einen der von SWIFT angebotenen Wege (MT199 oder API) unterstützen. Zusätzlich gibt es eine sogenannte CSV-Lösung, bei der aus einem bestimmten CSV-Report im SWIFT-Interface dann entsprechende Meldungen an den Tracker erzeugt werden.

Also muss eine Non-gpi-Bank fast alles das erfüllen, was eine gpi-Bank auch erfüllen muss. Der fehlende Schritt ist nicht mehr groß, der Nutzen für die eigenen Kunden kann enorm sein. Und mit den Möglichkeiten für gpi bei Bank-an-Bank-Zahlungen (MT202/205 – gFIT genannt, das steht für Financial Institution Transfer service, eine Option für gpi-Banken) kann den bankinternen Abteilungen wie Treasury oder Geldhandel auch die Sicherheit „Zahlung ist angekommen“ gegeben werden.

Es kommt aber nicht darauf an, die Statusmeldungen aus dem Tracker für gesendete Zahlungen als Bank zu bekommen, sondern vielmehr darum, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten – im besten Fall die Quittung „Zahlung angekommen“ (inkl. der Information zu Gebühren und Umrechnungskurs) zur Verfügung zu stellen. Von der Minimalversion des manuellen Zugriffs in der eigenen (Firmenkunden-)Hotline auf den Tracker, über Self-Service-Angebote im Online-Banking-Portal bis hin zur aktiven Info durch Notification von Statusmeldungen an den Firmenkunden reichen die Servicelevel, die eine Bank bieten kann. Und das geht eigentlich nur, wenn man den Schritt von der „Universal Confirmation“ hin zum gpi-Standard-Service geht und sich für gpi entscheidet. Hieran werden sich Banken mit Firmenkundengeschäft in Zukunft messen lassen müssen.

Hier ist bereichsübergreifende Zusammenarbeit gefordert, die Leistungen können nicht allein von der ZV-Abteilung oder gar nur von der IT selbst erbracht werden, wie es oft bei „regulatorischen“ Projekten bei einem SWIFT-Release erwartet wird. Mit einer Beratung, die den Gesamtprozess im Blick hat, kann dies gelingen.

Zusammengefasst kann man also feststellen: Von der Pflicht zur Kür ist der Weg gar nicht so weit, die Aussichten auf zusätzliche Services für Firmenkunden und aber auch bankinterne Bereiche ist enorm.


Autor: Mario Reichel

All goes ISO 20022

Mit dem Titel wird der allgemeine Wechsel auf ISO 20022 im gesamten Zahlungsverkehr sowie im dazugehörigen Reporting bezeichnet. An dieser Stelle hat mein Kollege René Keller über die Pläne von TARGET2 und SWIFT geschrieben, nun auch auf den schon aus SEPA bekannten ISO-20022-Standard im Individual- und Auslandszahlungsverkehr zu setzen. Die dort beschriebenen Änderungen, insbesondere im Interbanken-Zahlungsverkehr, wirken sich nun auch auf die Kunde-Bank-Schnittstelle aus.

So wie sich Corona an vielen anderen Stellen negativ auswirkt, so finden sich die Folgen auch hier in verschobenen Zeitplänen. Die Änderungen kommen – allerdings etwas später. Die Zeit sollte gut genutzt werden, denn es handelt sich hierbei nicht um reine IT-Themen, sondern mit der neuen Sprache verändern sich viele Prozesse im Zahlungsverkehr und im angrenzenden Umfeld grundlegend und die Auswirkungen sind in der gesamten Architektur zu berücksichtigen. Das gilt für Banken und auch für Firmenkunden, die einige Änderungen in den kommenden Releases bewältigen müssen. Die Informationen liegen in den Ankündigungen nun in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen vor, reichen einige Jahre in die Zukunft, sind aber auch nötig.

An manchen Stellen wird das Argument „die anstehenden Änderungen sind doch gar nicht so massiv, mit SEPA ist uns das XML-Format doch bekannt“ ins Feld geführt. Wenn das bei SEPA verwendete Format „gut bekannt“ ist, dann ist das eine sehr gute Ausgangsbasis, um sich auf die Änderungen vorzubereiten. Es geht aber um weit mehr. Zum einen steht für SEPA ein Release-Sprung an, zum anderen gibt es gerade im Individual- und Auslandszahlungsverkehr eine ganze Reihe von Besonderheiten, die im Massenzahlungsverkehr so gar nicht vorkommen. Darüber hinaus kommt aus regulatorischen Gründen der Wechsel auf strukturierte Adressangaben. In der Summe der Änderungen liegt die Herausforderung.

camt.053 – Versionsänderung

Mit der Einführung von SEPA und dem europaweiten einheitlichem Format auf der Basis von ISO 20022 wurde auch der Kontoauszug camt.053 neben dem bisher üblichen MT940 eingeführt. Für SEPA-Zahlungen das ideale Format, denn nun konnten Daten aus einem einheitliche Datenlexikon (data dictionary) über pain (Kunde-Bank) und pacs (Interbank) auch als Kontoauszug transportiert werden. Aber neben den Buchungen im Massenzahlungsverkehr gab es auch noch den Individual- sowie den Auslandszahlungsverkehr. Aus diesem Grunde (und verschiedensten anderen) blieben gar nicht so wenige Unternehmen bei dem altbekannten Format.

Die Einführung von ISO 20022 im gesamten Interbanken-Zahlungsverkehr erfolgt nun aber auf einem aktuellen ISO-Release, dem von 2019. SEPA nutzt immer noch das ISO-Release von 2009. Wie bei jedem Standard gibt es auch bei ISO 20022 natürlich diverse Gründe für die Weiterentwicklung des Formats, und die wird es auch weiterhin geben. Es werden neue Felder eingeführt oder Codewörter erweitert werden. Der Kontoauszug, der all die neuen Informationen an den Endkunden ohne Datenverlust weitertragen soll, muss sich also auch dem neuen Standard fügen, und so ist für camt die Umstellung vom camt.053.001.02 auf das neue Release camt.053.001.08 unumgänglich (analog für camt.052 und camt.054). Durch die frühzeitige Information von Firmenkunden ist hier nun auch ausreichend Zeit für oftmals längere ERP-Releasezyklen gegeben. Zumal auch damit zu rechnen ist, dass mit einer Verschiebung der TARGET2-Umstellung auf ISO 20022 auch die Umstellung hier verschoben werden wird.

MT940-Abkündigung

SWIFT wird die MT-Nachrichten der Kategorie 1,2 und 9 zum November 2025 im Interbankenverkehr einstellen. An der Kunde-Bank-Schnittstelle (insb. bei SCORE) soll diese Einschränkung nicht gelten, hier sind die Banken weltweit in ihrem Service nicht gezwungen, MT101 oder gar MT940 abzuschalten. Aber die DK hat dies für unseren „Multibank-Standard“ beschlossen – und das ist gut so. Wer als Bank möchte, darf ja noch MT940 anbieten, aber die Vorteile der neuen Sprache liegen schon auf der Hand: Ganze XML-Strukturen können von pain über pacs zu camt ohne Konvertierung transportiert werden. Da ist die Analogie von Containern in der Logistik schon naheliegend. Und in diese Vorteile hinein sollten alle Firmenkunden hinein„gedrängt“ werden.

DTAZV wird pain.001

Mit der Einführung von pain.001 als Kundenauftrag für eine SEPA-Überweisung war schnell die Frage aufgeworfen: Warum kann man dieses Format nicht auch für Währungszahlungen benutzen? Zur harmonisierten Nutzung dieses globalen Standards hat sich dann alsbald die Initiative CGI-MP (Common Global Implementation – Market Practice) aus Corporates, Banken und Herstellern gefunden, um eine harmonisierte Belegung festzulegen. Die CGI-Version von pain.001 beruht aber wie die SEPA-Version auf dem ISO-Release 2009 – also pain.001.001.03. Die CGI-MP arbeitet an einer neuen Version (ISO-Release 2019) der harmonisierten Belegung. Die neue AZV-Einreichung in der Anlage 3 wird auch nach ISO 2019 erfolgen – somit pain.001.001.09.

Und wie so oft, liegt in dem Wechsel auf „alles in ISO 20022“ auch eine große Chance. Durchgehende Prozesse auf der gleichen Datenbasis, die ohne Konvertierungen bewältigt werden können. Die Basis für eine weitergehende Digitalisierung sind nun einmal Standards, mit „alles in ISO 20022“ ist ein durchgehender Standard gegeben, der auch für angrenzende Prozesse „Exception & Investigation“ (Rückfragen), Avise, Bankentgeltnachrichten (Bank Service Billing camt.086) sowie auch im BAM (Bank Account Management) als eBAM-Nachrichten genutzt wird. Da ist dann wiederum Zahlungsverkehr (inkl. Kontoauszug) nur ein kleiner Ausschnitt im gesamten ISO-Universum.


Autor: Mario Reichel

eBAM – Baustein der Digitalisierung

Krisen sind auch ein Katalysator des Fortschritts. Die aktuelle Corona-Krise ist wohl sicherlich deshalb anders als viele davor, weil sie ins Digitale zwingt – von Homeschooling bis Homeoffice werden viele Aktivitäten jetzt mit Hochdruck in vielen Aspekten neu gedacht. Da werden Lücken offenbar, die in einer analogen Welt ohne Kontaktsperren und andere Restriktionen nicht so wahrgenommen werden. Antragsprozesse, Autorisierungen und Freigaben sind ein Teil davon.

Und wenn wir hier im Blog über Cash-Management-Lösungen sprechen, dann gehört für mich das Thema „Kontoverwaltung“ (Bank Account Management) auch dazu. Darunter sind nicht nur der Austausch von Nachrichten an der Kunde-Bank-Schnittstelle zu verstehen, sondern es geht von der Verwaltung von Bank- und Kontostammdaten und deren Zeichnungsberechtigungen (nicht nur die digitalen) sowie alle zugehörigen Dokumente über die Prozesse im gesamten Kontolebenszyklus bis hin zur leidigen Saldenbestätigung. Da spielen alle Anforderungen im Bereich KYC sowie Autorisierungen und digitale Identitäten hinein.

Das Thema könnte schon lange in Richtung eBAM – also Electronic Bank Account Management – in die digitale Welt überführt worden sein. Standardisierung tut hier not – das beginnt schon in der Schreibweise. EBAM oder eBAM oder e-BAM?

Die Zeit ist reif – viele Bausteine sind vorhanden. Einige Hersteller im Bereich Cash Management beziehungsweise Treasury bieten Module insbesondere für die Verwaltung der Daten auf der Firmenkundenseite an. Es gibt schon Erfolgsmeldungen für erste rein digitale Kontoeröffnungsprozesse. Auch zu KYC und dem Bereich der digitalen Identitäten gibt es erfreuliche Entwicklungen. Sogar die Nachrichten an der Kunde-Bank-Schnittstelle in XML nach dem Standard ISO 20022 sind im Prinzip vorhanden. Eine Arbeitsgruppe der CGI-MP (common global implementation – market practice) – eine globale Initiative von Corporates, Banken und Herstellern zur Harmonisierung der Nutzung von ISO 20022 an der Kunde-Bank-Schnittstelle diskutiert die Weiterentwicklung des Standards. Und Standards sind die Grundlage für die Digitalisierung. Das schafft Sicherheit bei Herstellern und Nutzern.

In Deutschland haben wir die lange Tradition des Standards Multi-Banking in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen gepflegt – Multi-Banking im Sinne von „in einem Standard viele Banken erreichen“. Inzwischen sind hier beispielsweise mit dem Thema Bankentgeltnachrichten (BSB – bank service billing) auch optionale Themen möglich, also nicht jeder muss das Thema unterstützen – aber wenn, dann bitte im Standard. Und für so eine Option zum Thema eBAM möchte ich plädieren. Für EBICS ist es ein Leichtes, die XML-Nachrichten in der Nachrichtengruppe camt (account management) zu transportieren - es müssen halt die (harmonisierten) Standards vereinbart werden. Und mit dem einfachen Use Case der Übersicht von Zeichnungsberechtigungen ist in EBICS mit der Auftragsart HKD schon mal ein Anfang gemacht, aber – siehe oben – eben nicht vollständig.

Natürlich muss der Anteil Kunde-Bank-Kommunikation von eBAM nicht über EBICS realisiert werden, auch SWIFT als Transportweg ist möglich. Selbst APIs eröffnen viele Möglichkeiten. Die Grundlage sollte unabhängig vom Kanal eine Standardisierung der Inhalte (XML im Gleichklang zu json) und der Basisprozesse sein. Und für die Inhalte im Format XML nach ISO 20022 sollte ein weiteres Kapitel in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen zu schaffen sein.

Auf dieser Grundlage können dann die oben genannten Hersteller ihre Produkte im Sinne „Multi-Banking“ erweitern und Banken neue Services für viele Kunden mit gleichartigen Systemen anbieten, und diese Services passen sehr gut in eine digitale Welt.


Autor: Dr. Mario Reichel

GPI und EBICS – Wie geht das zusammen?

Ist GPI nicht ein reines SWIFT-Thema? Auf den ersten Blick nun einmal ja. Die Abkürzung kommt von SWIFT und steht für „Global Payments Innovation“. Die Initiative für GPI wurde Ende 2015 schon mit breiter Unterstützung von vielen globalen Banken gestartet.

Die Basis von GPI ist die eineindeutige Referenz, kurz UETR (Unique End-to-End Transaction Reference), die eine Zahlung durch die manchmal lange Korrespondenzbankkette begleitet. So eine Referenz ist zwar ein Ungetüm von 36 Zeichen in der nach einem allgemeingültigen Algorithmus definierten Form xxxxxxxx-xxxx-4xxx-yxxx-xxxxxxxxxxxx, aber das Ungetüm sichert die Eineindeutigkeit ohne zentrale „Vergabestelle“. Wurde die UETR anfänglich nur in einer CUG (Closed User Group) für (Firmen-)Kundenzahlungen in MT103-Nachrichten verwendet, haben inzwischen alle Zahlungen im FIN-Netzwerk so eine Referenz – gleichbleibend vom Anfang bis zum Ende der gesamten Zahlungskette.

Der zweite wesentliche Baustein von GPI ist der sogenannte Tracker. Der Tracker ist eine zentrale Datensammlung bei SWIFT zu allen GPI-Zahlungen. Er stellt den beteiligten Banken umfassende Informationen zum Status einer Zahlung in der Korrespondenzbankkette, zu Gebühren und zu Währungsumrechnungskonditionen bereit. Während der FIN-Transport diese Informationen aus den transportierten Nachrichten selbst herausliest, können non-FIN-Banken den Tracker auch aktiv informieren. In der aktuellen Diskussion ist die sogenannte Confirmation – die Meldung der Gutschrift auf dem Konto des Begünstigten am Ende der Zahlungskette. Auf die Confirmation sollen ab 2020 alle FIN-Banken verpflichtet werden.

Aber warum der ganze Aufwand? Transparenz und Schnelligkeit – die beiden wesentlichen Herausforderungen im Korrespondenzbankgeschäft werden mit GPI angegangen. Durch die umfassende Verwendung von UETR liegen nun Statistiken vor: Durchschnittlich 40 Prozent der GPI-Überweisungen werden den Endbegünstigten innerhalb von fünf Minuten gutgeschrieben, innerhalb von 30 Minuten sind es 50 Prozent, innerhalb von sechs Stunden 75 Prozent und innerhalb von 24 Stunden nahezu alle. So eine Aussage war vor GPI einfach unmöglich. Hingegen kann jeder Treasurer Fälle berichten, bei denen Zahlungen spät oder gar nicht ankamen, mit hohen, unerklärlichen Gebühren, mit unklaren oder sogar ohne Verwendungszweckinformationen.

Neben den technischen Details wie UETR und Tracker gehört zu GPI ein Regelwerk, in dem die möglichst taggleiche Weitergabe einer Zahlung mit vollständigem Verwendungszweck, unter Angabe von abgezogenen Gebühren und Währungsumrechnungsdetails vorgeschrieben ist. Da es ja keine globale Transparenzrichtlinie gibt, muss dies auf multilateralem Vertragswerk begründet durchgesetzt werden. Und das ist auch gut so – Zeit dafür ist es schon lange.

Der (Firmen-)Kunde soll besseren Service im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bekommen. Neben der Schnelligkeit und Transparenz ist ein weiterer Punkt die Quittung. So etwas gibt es ja eigentlich nur bei einer Barzahlung, im elektronischen Zahlungsverkehr war bisher das Motto: „shoot and forget“. Wenn es keine Beschwerden gibt, ist das Geld wohl angekommen. In den letzten Jahren hat es im SEPA eine beachtliche Entwicklung gegeben, und mit den Instant Payments nach dem Schema SCTinst gibt es auch hier nun eine Quittung. Mit SWIFT GPI ist die Erstellung einer derartigen Quittung ebenfalls möglich, auch wenn dies (noch) eine vollständige FIN-Kette in der Abwicklung voraussetzt. Es ist jedoch noch ein Stück Weg dorthin: Bisher wird an den breiten, erst einmal bankinternen, Umsetzungen gearbeitet. Die Anbindung der Kundensysteme für einen Zugriff auf die Informationen oder gar die Weitergabe von Status und Gebühreninformationen an Kundensysteme befindet sich noch am Anfang. Aber schon die Möglichkeit, im Falle eines Zweifels durch den Zugriff auf eine zentrale Stelle prüfen zu können, wo sich die Zahlung befindet, ist im großen Korrespondenzbanknetz ein erheblicher Fortschritt.

Geht das nur in FIN? Natürlich nicht. Die aktuellen Entwicklungen, z. B. die Migration der Großbetragssysteme (RTGS) wie TARGET2, EURO1 oder CHAPS von MT hin zu Nachrichten in XML nach ISO-20022-Standard, gehen diesen Weg. Die (neueren) ISO-Nachrichtenformate enthalten dedizierte Felder für die UETR, und so wird die Referenz auch außerhalb des FIN-Netzes transportiert. Und erst kürzlich verbreitete SWIFT die Meldung: „SWIFT trials instant cross-border gpi payments through TIPS“[1].

Für eine Anbindung von GPI-Rückmeldungen an Kundensysteme wie TMS oder ERP sind Nachrichten in Form von PSR (payment status report, also pain.002) effizienter als manuelle Prozesse. Aber schon diese Selfservice-Funktionen sind ein bedeutender Schritt hin zu mehr Transparenz. Übrigens sind die Standards zu diesen Rückmeldungen, also Felder (tags) und Codes, in der Harmonisierungsinitiative CGI-MP multibankfähig abgestimmt. In dieser Initiative wirkt PPI nun auch aktiv mit.

Des Weiteren steht auch die Erweiterung an, dass der Kunde seine Referenz in der Zahlung als UETR initiiert – im pain.001.001.03 in besonderen Feldern gemäß der CGI-MP oder auch schon in aktuelleren ISO-Versionen in dedizierten Feldern.

Und genau hier, an der Schnittstelle Kunde-Bank bzw. Bank-Kunde, werden sowohl Kundenzahlungen als auch PSR-Rückmeldungen ja auch oft mit EBICS transportiert. Somit stehen GPI und EBICS nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen einander sinnvoll – wie so oft im Zahlungsverkehr.

Autor: Dr. Mario Reichel

[1] Quelle: https://www.swift.com/news-events/press-releases/swift-trials-instant-cross-border-gpi-payments-through-tipshttps://www.swift.com/news-events/press-releases/swift-trials-instant-cross-border-gpi-payments-through-tips