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Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs durch SEPA ist noch Zukunftsmusik



Jetzt haben wir in Europa zwar schon SEPA für den einheitlichen Zahlungsverkehr eingeführt, aber dennoch lassen sich SEPA-Zahlungen nicht einfach elektronisch an jede beliebige Bank in Europa schicken. In Deutschland nutzen Unternehmen die Auftragsart CCT für die Einreichung der SEPA-Überweisung (SEPA Credit Transfer) bei Kreditinstituten. Weshalb sind SEPA-Überweisungen aus beliebigen Euro-Ländern mit dieser Auftragsart nicht ohne weiteres möglich?

Die XML-basierten SEPA-Datenformate wurden mittlerweile flächendeckend in den beteiligten europäischen Ländern eingeführt. Ziel war und ist es, nach der Einführung der einheitlichen Währung jetzt auch die Datenformate und Regularien im Zahlungsverkehr zu vereinheitlichen und so einen einfacheren innereuropäischen elektronischen Zahlungsverkehr zu ermöglichen.

Basierend auf den ISO20022 XML-Formaten und den Vorgaben des European Payments Council (EPC) wurden jedoch die Umsetzungen in den europäischen Ländern unter Berücksichtigung nationaler Ausprägungen des Zahlungsverkehrs separat ausspezifiziert. Als Ergebnis haben wir heute für die gleichen Geschäftsvorfälle länderspezifisch ausgeprägte SEPA-Formate.
Die Unterschiede beginnen bereits im Namensraum der Formate. Während zum Beispiel Deutschland für SEPA-Überweisungen mit pain.001.002.03 eine eigene Datenformatvariante eingeführt hat, nutzen andere Länder die pain.001.001.03 des EPC. Auch im Namespace des XML werden hier nationale Unterschiede deutlich. Zudem gelten national abweichende Belegungsregeln.
In Deutschland werden die SEPA-Zahlungen mittels EBICS mit den dreistelligen Auftragsarten gekennzeichnet und übertragen (zum Beispiel CCT für SEPA-Überweisung). Bei dem mit der Auftragsart verbundenen Format geht man laut Spezifikation  von der Formatausprägung der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) aus. Was ist aber, wenn ein ausländischer Kunde in seinem nationalen Format eine SEPA-Überweisung an eine deutsche Bank schickt? Weder die Auftragsart noch der Namespace im XML liefern dabei einen verlässlichen Hinweis auf die verwendeten Formatbesonderheiten. Die Bank muss aber auf diese Besonderheiten reagieren, wenn sie grenzüberschreitend Zahlungsverkehr abwickeln will. Wie also können Banken die unterschiedlichen Formatausprägungen erkennen und entsprechend bearbeiten?

Mögliche Lösung: Issuer-Kennzeichen für EBICS

Solange keine vollständige Vereinheitlichung der SEPA-Formate, die zwischen Unternehmen und Kreditinstituten ausgetauscht werden, auf europäischer Ebene erfolgt, muss die Lösung an anderer Stelle gefunden werden. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Ein Ansatz fordert die Softwarehersteller heraus, die intelligente Formatparser oder spezielle Stammdatenerweiterungen im Bankrechner entwickeln müssten. Ein anderer und sicher langfristig sinnvollerer Ansatz ist, sich die Vorteile des EBICS-Standards zunutze zu machen.

In Frankreich hat man das Problem bereits gelöst, durch Nutzung der Formatparameter und des mit EBICS übermittelten Country Codes. Aus dem Country Code kann der EBICS-Bankrechner die länderspezifische Formatausprägung ableiten und somit eigene Verarbeitungswege initiieren. In Deutschland ist der Einsatz von Formatparametern allerdings nicht üblich. Daher wird derzeit in Deutschland die Einführung eines Issuer-Kennzeichens für EBICS diskutiert. Dieses würde zu dem Geschäftsvorfall den Herausgeber des Formats und somit die Formatausprägung mitliefern. Ein Bankrechner kann daran erkennen, ob beispielsweise für die angegebene Formatkonstellation Vereinbarungen und Prüfregeln existieren. Wenn sich das französische Modell der Formatparameter mit Country Code nicht in Deutschland einführen lässt, so sollte zumindest das Issuer-Kennzeichen an der Auftragsart bald mit EBICS umgesetzt werden. Eine solche Lösung ist sinnvoll und hoffentlich bald mit EBICS verfügbar. Bis dahin müssen Banken und deren Kunden sich wohl noch mit anderen individuellen Lösungen begnügen.

Auf die Besonderheiten in der Nutzung der dreistelligen EBICS-Auftragsarten in Deutschland und der Formatparameter in Frankreich  werde ich in einem Folgebeitrag eingehen.

Michael Lembcke 
 

Die Luzerner Kantonalbank setzt auf EBICS

EBICS wird nun erstmals in vollem Umfang von einer Schweizer Kantonalbank unterstützt. Damit setzt die Luzerner Kantonalbank (LUKB) ein Ausrufezeichen in der Schweiz. EBICS soll schon in 2014 von der LUKB live eingesetzt werden. Es freut mich, dass sich EBICS weiter verbreitet und nun auch in der Schweiz deutlich an Fahrt gewonnen hat. Dazu hat auch die LUKB als First-Mover beigetragen.

Dass sich EBICS in der Schweiz so schnell durchgesetzt hat, hat aus meiner Sicht folgende Gründe:
  1. EBICS nutzt das Internet als Übertragungsmedium, das im Prinzip in jedem Unternehmen vor-handen ist. Damit ergeben sich für Firmen günstige Übertragungskosten. Zudem können EBICS-Produkte für Firmen in einem relativ großen Markt erworben werden, was wiederum ein gutes Preis-Leistungsverhältnis begünstigt.
  2. In der Schweiz gab es bis dato keinen einheitlichen Standard für die elektronische Kommunikation zwischen Firmenkunde und Bank. Hätte man sich entscheiden, einen Standard selbst zu entwickeln, wäre das Ergebnis dem EBICS-Standard höchstwahrscheinlich sehr ähnlich gewesen. Deshalb lag es nahe, sich des Originals zu bedienen.
  3. EBICS ist ein Standard, der von Banken für Banken gemacht wurde. Daher passt der EBICS-Prozess grundsätzlich auch zu Schweizer Geldinstituten. Mit einem Beitritt in die EBICS-Gesellschaft eröffnet sich für sie zudem die Möglichkeit, eigene Änderungsvorschläge einzubringen.
  4. Innovativ an EBICS ist vor allem die Multibankfähigkeit. Auch wenn das Für und Wider hier ausführlich diskutiert wurde: Ausschlaggebend war letztlich die Verbesserung des Services für den Kunden, die auch für die Schweizer Banken im Vordergrund steht.
  5. Ebenso kontrovers diskutiert wurde die Verteilte Elektronische Unterschrift (VEU). Anders als in Deutschland kann in der Schweiz jede Bank individuell entscheiden, ob sie diesen Service den Kunden anbieten möchte oder nicht. Dass die Geldinstitute hier frei wählen dürfen, erleichtert die Einführung von EBICS.
  6. Natürlich war für die Schweiz auch ein entscheidender Faktor, dass Deutschland und Frankreich schon EBICS einsetzen und europäisch agierende Firmen nach EBICS fragen. Zudem können so auch international neue Kunden gewonnen werden, ohne dass die Infrastruktur der Firmenkunden geändert werden muss.

Ich denke, dass dies auch die wesentlichen Gründe für die LUKB waren, EBICS zu nutzen. Besonde-res Augenmerk muss man auf die VEU legen: Es wird sehr interessant zu beobachten sein, wie sie sich entwickelt, wenn die ersten Banken bzw. deren Kunden sie nutzen.