Posts mit dem Label ISO 20022 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ISO 20022 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

ISO 20022 – trotz Verschiebung aktueller denn je

Die Entscheidung ist gefallen: Am 27.07.2020 hat sich die EZB dem Votum der Europäischen Bankencommunity angeschlossen und einer Verschiebung des Go-Live-Termins für die T2-T2S-Konsolidierung um ein Jahr auf November 2022 zugestimmt. Ebenso wurde auch der Migrationszeitpunkt für das Eurosystem Collateral Management System (ECMS) von November 2022 auf mindestens Juni 2023 verschoben.

Die europäischen Banken hatten sich in der im Mai durchgeführten Umfrage dafür ausgesprochen, die Migration zu verschieben. Gründe hierfür sind neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie vor allem die von SWIFT bereits verkündete Verschiebung der ISO-Migration für die Cross-Border Payments (AZV). In vielen Banken laufen beide Migrationsszenarien in einem Projekt zusammen, da eine Trennung zwischen dem Zahlungsverkehr über TARGET2 und dem Auslandszahlungsverkehr schlicht nicht möglich ist. Gerade große Banken, die ein umfangreiches Korrespondenzbankgeschäft betreiben, sahen große Risiken bei einem Auseinanderlaufen der Migrationstermine. Mit dieser Entscheidung wurden nun beide Termine wieder synchronisiert. Auch EBA-Clearing hat sich angeschlossen und ihre Migration auf 2022 verschoben.

Die Erleichterung um die Verschiebung war sicher groß – doch was bedeutet diese Entscheidung jetzt für die Banken und ihre Projekte? Das, was jetzt am allerwenigsten passieren darf, ist, dass sich Banken zurücklehnen und ihre Projekte herunterfahren, da ja jetzt noch ein Jahr länger Zeit ist für die Umsetzung. Das wäre zum derzeitigen Zeitpunkt die schlechteste Lösung. Viele Banken haben den Aufwand, den die TARGET2-Umstellung mit sich bringt, unterschätzt. Vielmehr bietet die Verschiebung jetzt die Gelegenheit, mit voller Kraft in den Projekten weiterzumachen, um die verlorene Zeit aufzuholen. Sich zurückzulehnen und wohlmöglich erst Anfang 2021 dort weiter zu machen, wo man jetzt aufhört, ist keine Option. Auch ist zu beachten, dass die Startphase der User-Tests nur um neun Monate von März 2021 auf Dezember 2021 verschoben wurde. Ein Freisetzen von externen Ressourcen wird dazu führen, dass die Leute, die bisher in den Projekten gearbeitet und sich Wissen angeeignet haben, nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Auch ist zu bedenken, dass die Spezifikationen, die in diesem Jahr bereits zwei neue Anpassungen erfahren haben, weiterhin angepasst werden. Der EZB liegen noch Change Requests vor, die für die Migration im November 2021 nicht im Fokus lagen. Mit der Verschiebung wird sich dies sicher ändern. Es ist zu erwarten, dass mit den neuen UDFS im November weitere Funktionalitäten angeboten werden, die zu bewerten und zu implementieren sind.

Auch das Zielbild von SWIFT ist noch nicht klar definiert. Bisher ist bekannt, dass eine Transaction Management Plattform gebaut werden soll, die als zentraler „Hub“ den Auslandszahlungsverkehr bewältigen soll. Hierzu gibt es noch keine öffentlich bekannten Spezifikationen. Zudem werden derzeit auch neue ISO-Nachrichtentypen definiert, beispielsweise für Gebühren und Schecks, die zusätzlich zu betrachten und umzusetzen sind. Somit ist in der bevorstehenden ISO-Migration weiterhin viel Bewegung und Unsicherheit vorhanden. Darf man sich da nicht sogar die Frage stellen, ob es bei SWIFT nicht sogar zu einer weiteren Verschiebung kommen wird? Wie sähe dann eine Reaktion der EZB aus? Kann es auch bei TARGET2 noch zu einer weiteren Verschiebung kommen oder würde man dann ein Auseinanderlaufen der Migrationstermine in Kauf nehmen? Wie geht man mit Änderungen bei bereits harmonisierten Nachrichtenformaten, etwa pacs.004, um?

Doch damit nicht genug, sorgt auch die Entscheidung der EZB bezüglich Instant Payments für Aufsehen. Basierend auf Diskussionen mit Marktteilnehmern der AMI-Pay hat der EZB-Rat beschlossen, dass zum einen alle in TARGET2 erreichbaren PSPs, welche das SCT-Inst Scheme (also Instant Payments) gezeichnet haben, in TIPS erreichbar sein müssen. Zum anderen sollen alle ACHs, die Instant Payments anbieten, ihre technischen Konten von TARGET2 nach TIPS verlagern. Die Umsetzung ist für Ende 2021 vorgesehen. Damit wird seitens der EZB TIPS quasi verpflichtend für die Teilnehmer gemacht, die heute bereits am Verfahren Instant Payments teilnehmen. Das hat insoweit Bedeutung, da ein Großteil der Banken heute das RT1-Verfahren der EBA nutzen.

Auch wurde bislang nur die Entscheidung getroffen und verkündet. Weitergehende Beschreibungen wie beispielsweise technische Details sind noch offen und werden irgendwann später veröffentlicht. Dazu muss man sich auch die Frage stellen, wie ein zukünftiges Preismodell aussieht, insbesondere falls Gebühren für cross-ACH-Transaktionen erhoben werden. Wie kann ein Transaktionsentgelt aussehen und welche Auswirkung hat das auf die Preisgestaltung der Clearinghäuser? Ebenso stellt sich die Frage, ob für das Settlement der Positionen etwa von RT1 ein erhöhtes Settlementrisiko besteht, da mit TIPS ein weiterer Teilnehmer in der Kette einzubinden ist.

Damit nicht genug, stellt auch SEPA - nach den kürzlich veröffentlichten Plänen des EPC - in 2023 auf die neue ISO-Version 2019 um. Der derzeitige Abstand von einem Jahr zur Migration von TARGET2 und SWIFT mag lange erscheinen, aber auch hier müssen im Vorfeld die Spezifikationen gelesen werden, Fachkonzeptionen erstellt und Systeme vorbereitet werden. Trotz der jetzt bekannten Verschiebung auf 2023 ist auch diese Migration nicht zu unterschätzen und wir empfehlen, sich mit diesem Thema so früh wie möglich zu beschäftigen.

Wie man sieht, kommen in den nächsten drei Jahren sehr viele Themen rund um ISO 20022 auf die Banken zu und jede Bank ist gut beraten, die gewonnene Zeit durch die Verschiebung für eine Neupriorisierung zu nutzen. Hierfür ist ein sehr spezifisches Know-how gefragt, und man sollte sich nicht kurzfristigen Budgetüberlegungen hingeben und Ressourcen freistellen, die dann 2021 wieder dringend benötigt werden.

Autoren: Sabine Aigner, Thomas Ambühler

All goes ISO 20022

Mit dem Titel wird der allgemeine Wechsel auf ISO 20022 im gesamten Zahlungsverkehr sowie im dazugehörigen Reporting bezeichnet. An dieser Stelle hat mein Kollege René Keller über die Pläne von TARGET2 und SWIFT geschrieben, nun auch auf den schon aus SEPA bekannten ISO-20022-Standard im Individual- und Auslandszahlungsverkehr zu setzen. Die dort beschriebenen Änderungen, insbesondere im Interbanken-Zahlungsverkehr, wirken sich nun auch auf die Kunde-Bank-Schnittstelle aus.

So wie sich Corona an vielen anderen Stellen negativ auswirkt, so finden sich die Folgen auch hier in verschobenen Zeitplänen. Die Änderungen kommen – allerdings etwas später. Die Zeit sollte gut genutzt werden, denn es handelt sich hierbei nicht um reine IT-Themen, sondern mit der neuen Sprache verändern sich viele Prozesse im Zahlungsverkehr und im angrenzenden Umfeld grundlegend und die Auswirkungen sind in der gesamten Architektur zu berücksichtigen. Das gilt für Banken und auch für Firmenkunden, die einige Änderungen in den kommenden Releases bewältigen müssen. Die Informationen liegen in den Ankündigungen nun in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen vor, reichen einige Jahre in die Zukunft, sind aber auch nötig.

An manchen Stellen wird das Argument „die anstehenden Änderungen sind doch gar nicht so massiv, mit SEPA ist uns das XML-Format doch bekannt“ ins Feld geführt. Wenn das bei SEPA verwendete Format „gut bekannt“ ist, dann ist das eine sehr gute Ausgangsbasis, um sich auf die Änderungen vorzubereiten. Es geht aber um weit mehr. Zum einen steht für SEPA ein Release-Sprung an, zum anderen gibt es gerade im Individual- und Auslandszahlungsverkehr eine ganze Reihe von Besonderheiten, die im Massenzahlungsverkehr so gar nicht vorkommen. Darüber hinaus kommt aus regulatorischen Gründen der Wechsel auf strukturierte Adressangaben. In der Summe der Änderungen liegt die Herausforderung.

camt.053 – Versionsänderung

Mit der Einführung von SEPA und dem europaweiten einheitlichem Format auf der Basis von ISO 20022 wurde auch der Kontoauszug camt.053 neben dem bisher üblichen MT940 eingeführt. Für SEPA-Zahlungen das ideale Format, denn nun konnten Daten aus einem einheitliche Datenlexikon (data dictionary) über pain (Kunde-Bank) und pacs (Interbank) auch als Kontoauszug transportiert werden. Aber neben den Buchungen im Massenzahlungsverkehr gab es auch noch den Individual- sowie den Auslandszahlungsverkehr. Aus diesem Grunde (und verschiedensten anderen) blieben gar nicht so wenige Unternehmen bei dem altbekannten Format.

Die Einführung von ISO 20022 im gesamten Interbanken-Zahlungsverkehr erfolgt nun aber auf einem aktuellen ISO-Release, dem von 2019. SEPA nutzt immer noch das ISO-Release von 2009. Wie bei jedem Standard gibt es auch bei ISO 20022 natürlich diverse Gründe für die Weiterentwicklung des Formats, und die wird es auch weiterhin geben. Es werden neue Felder eingeführt oder Codewörter erweitert werden. Der Kontoauszug, der all die neuen Informationen an den Endkunden ohne Datenverlust weitertragen soll, muss sich also auch dem neuen Standard fügen, und so ist für camt die Umstellung vom camt.053.001.02 auf das neue Release camt.053.001.08 unumgänglich (analog für camt.052 und camt.054). Durch die frühzeitige Information von Firmenkunden ist hier nun auch ausreichend Zeit für oftmals längere ERP-Releasezyklen gegeben. Zumal auch damit zu rechnen ist, dass mit einer Verschiebung der TARGET2-Umstellung auf ISO 20022 auch die Umstellung hier verschoben werden wird.

MT940-Abkündigung

SWIFT wird die MT-Nachrichten der Kategorie 1,2 und 9 zum November 2025 im Interbankenverkehr einstellen. An der Kunde-Bank-Schnittstelle (insb. bei SCORE) soll diese Einschränkung nicht gelten, hier sind die Banken weltweit in ihrem Service nicht gezwungen, MT101 oder gar MT940 abzuschalten. Aber die DK hat dies für unseren „Multibank-Standard“ beschlossen – und das ist gut so. Wer als Bank möchte, darf ja noch MT940 anbieten, aber die Vorteile der neuen Sprache liegen schon auf der Hand: Ganze XML-Strukturen können von pain über pacs zu camt ohne Konvertierung transportiert werden. Da ist die Analogie von Containern in der Logistik schon naheliegend. Und in diese Vorteile hinein sollten alle Firmenkunden hinein„gedrängt“ werden.

DTAZV wird pain.001

Mit der Einführung von pain.001 als Kundenauftrag für eine SEPA-Überweisung war schnell die Frage aufgeworfen: Warum kann man dieses Format nicht auch für Währungszahlungen benutzen? Zur harmonisierten Nutzung dieses globalen Standards hat sich dann alsbald die Initiative CGI-MP (Common Global Implementation – Market Practice) aus Corporates, Banken und Herstellern gefunden, um eine harmonisierte Belegung festzulegen. Die CGI-Version von pain.001 beruht aber wie die SEPA-Version auf dem ISO-Release 2009 – also pain.001.001.03. Die CGI-MP arbeitet an einer neuen Version (ISO-Release 2019) der harmonisierten Belegung. Die neue AZV-Einreichung in der Anlage 3 wird auch nach ISO 2019 erfolgen – somit pain.001.001.09.

Und wie so oft, liegt in dem Wechsel auf „alles in ISO 20022“ auch eine große Chance. Durchgehende Prozesse auf der gleichen Datenbasis, die ohne Konvertierungen bewältigt werden können. Die Basis für eine weitergehende Digitalisierung sind nun einmal Standards, mit „alles in ISO 20022“ ist ein durchgehender Standard gegeben, der auch für angrenzende Prozesse „Exception & Investigation“ (Rückfragen), Avise, Bankentgeltnachrichten (Bank Service Billing camt.086) sowie auch im BAM (Bank Account Management) als eBAM-Nachrichten genutzt wird. Da ist dann wiederum Zahlungsverkehr (inkl. Kontoauszug) nur ein kleiner Ausschnitt im gesamten ISO-Universum.


Autor: Mario Reichel

SEPA 2.0: Durch das ISO 20022-Update droht eine 3-fach-Migration

SEPA und der zugrunde liegende ISO-20022 Standard können durchaus als Vorreiter der globalen ISO-20022-Initiativen gesehen werden. Schon frühzeitig stellten sie sich als das Regelwerk für viele unterschiedliche Zahlungsverkehrsformate in der Eurozone dar und bedienten sich dabei eines einheitlichen Formatstandards, um eine grenz- und systemüberschreitende Interoperabilität zu ermöglichen. Trotz einiger lokaler Dialekte hat SEPA über die Jahre - nicht zuletzt durch Angleichungen der nationalen Besonderheiten an eine einheitliche EPC-Vorgabe - eine durchgängige Ende-zu-Ende-Zahlungsverarbeitung ohne Medienbrüche und Konvertierungen ermöglicht. Ende-zu-Ende bezieht sich in diesem Fall nicht nur auf das Interbankenverhältnis, sondern auch auf jenes vom Auftraggeber bis hin zum Empfänger. Ermöglicht wird dies durch die konsequente Nutzung des einheitlichen Datenlexikons (data dictionary) im ISO-20022-Formatstandard, das eine einheitliche Basis für den Datenaustausch darstellt, indem es Datenelemente aus der Kunde-Bank-Nachricht (pain ) in die Interbankenebene (pacs) bis hin zur Bank-Kunde-Sphäre (camt) ohne Konvertierungen transportiert.

Wo sich SEPA weiterentwickelt, z. B. durch die Einführung von Instant Payments, hinkt der für SEPA verwendete ISO-20022-Standard noch immer hinterher: nämlich auf der vom EPC definierten Basis von 2009. Da sich auch dieser ISO-Standard stetig weiterentwickelt, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, plant die für die Weiterentwicklung des SEPA Schemes zuständige Arbeitsgruppe des EPC die Migration aller Schemes (SCT, SCT Inst, SDD Core, SDD B2B) auf die Version 2019 des ISO-20022-Standards. So soll der Wechsel in 2020 angekündigt und im Rahmen einer Big-Bang-Umstellung (der Interbanken-Formate) zum November 2022 final gültig werden. Diese Änderung befindet sich derzeit als Major Change Request neben weiteren in einer Öffentlichen Konsultationsphase, um Anmerkungen aus dem Kreis der an der Konsultation teilnehmenden Parteien einzufordern.

Als einer der Gründe, warum dieser CR als wichtig angesehen wird, gilt die zukünftige Unterstützung von Request to Pay, die mit der derzeitigen ISO-Version nicht möglich ist, da zukünftig benötigte Elemente im Format nicht vorhanden sind. Aber auch für andere zukünftige Entwicklungen ist ein aktueller Stand des ISO-Standards erforderlich, insbesondere auch vor dem Hintergrund der TARGET2- und SWIFT-MX-Migrationen, die ebenfalls die Version 2019 des ISO-Standards zugrunde legen.

Gute Nachrichten hierbei: ISO 20022 ist ein in der SEPA-Welt bereits etablierter Standard. Anders als bei der SEPA-Einführung muss hier kein neues Format eingeführt werden und es müssen auch keine Altformate im großen Stil abgelöst werden. Vorhandene Systeme müssen „nur“ angepasst und mit den Änderungen, wie z. B. neuen Datenelementen, umgehen lernen. Dennoch besteht die Herausforderung darin, eine Big-Bang-Migration mit Auswirkungen auf den Interbanken-Zahlungsverkehr sowie Formate an der Kunde-Bank-Schnittstelle zu meistern.

Schlechte Nachrichten: Aufgrund aktueller Entwicklungen fällt nun das SEPA-Umstellungsdatum mit dem Beginn der Umstellungsphase von SWIFT MT auf MX zusammen. Den ursprünglichen Ansatz, das Umstellungsdatum für die SEPA-Umstellung auf 2022 zu legen, hatte man deswegen gewählt, um die drei großen Migrationen – TARGET2, SWIFT MX und SEPA ISO20022 Version 2019 – nicht nahezu zeitgleich durchführen zu müssen und den dafür erforderlichen Aufwand zu entzerren. Sollte nun auch TARGET2, wie erste Forderungen aus dem Markt vermuten lassen, eine Verschiebung der geplanten Big-Bang-Migration um ein Jahr vornehmen, fallen nun doch wieder sämtliche Migrationen zeitlich zusammen, was die betroffenen Finanzdienstleister vor große Herausforderungen stellt und den ursprünglichen Ansatz der Entzerrung zunichtemacht. Die Schuldfrage hierfür ist schnell beantwortet: die globale Corona-Pandemie, die unser Leben und die Wirtschaft derzeit vor harte Prüfungen stellt.

Banken und Kreditinstitute sind in dieser Situation aufgefordert, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten und sich auf die anstehenden Änderungen einzustellen. Wir werden die weitere Entwicklung ebenfalls eng begleiten und nach Abschluss der Marktkonsultation weiter über die SEPA-ISO-Änderungen berichten.

Autor: René Keller

ISO 20022 im Auslandszahlungsverkehr: Zeit für die Umstellung!

Nahezu alle großen Zahlungsverkehrssysteme sind im Begriff, standardisierte, XML-basierte Datenformate einzuführen. Sie machen sowohl den Auslands- als auch den Individualzahlungsverkehr deutlich schneller und weniger fehleranfällig. Aber die Umstellung ist kein Selbstläufer und viel Zeit bleibt nicht mehr. Was ist zu beachten?

Kartenzahlungen im Urlaub oder Auslandsüberweisungen gelten für uns im Alltag als Selbstverständlichkeit. Hinter allen elektronischen Transaktionen stehen jedoch teils hochkomplexe Prozesse, denn für einen schnellen und reibungslosen Geldtransfer müssen sämtliche involvierten IT-Systeme mit den generierten Daten gleich gut umgehen können. Dazu braucht es Standards wie ISO 20022, der in den kommenden Jahren das Maß der Dinge im Auslands- und Individualzahlungsverkehr sein wird.

Bewährter Standard für die Zukunft

Immer mehr Zahlungsverkehrsräume stellen auf den ISO-Standard um, denn die Vorteile sind immens: Er ist zukunftssicher, erlaubt eine deutlich schnellere Verarbeitung von Zahlungsdaten und macht erhebliche Effizienzsteigerungen möglich. Konvertierungen von einem Datenformat ins andere entfallen. Immer mehr Datensätze lassen sich ohne Interaktionen und Medienbrüche im Sinne eines Straight Through Processings (STP) durchgehend verarbeiten.

Aufwand nicht unterschätzen

Das gibt es aber nicht umsonst – die Umstellung auf ISO 20022 bindet zeitliche und personelle Ressourcen. Aktuell unterschätzen viele Banken den Aufwand. Denn sie müssen nicht nur eventuell vorhandene manuelle Prozesse automatisieren, sondern auch die eigene Software ISO-fit machen. Handelt es sich dabei wie so häufig um gewachsene Legacy-Systeme, wird die Aufbereitung für die Verarbeitung von XML-Datenpaketen ziemlich anspruchsvoll. Und das auch noch unter Zeitdruck: Der Go-live für die Umstellung von TARGET2 auf den XML-Standard ist der 21. November 2021. Für SWIFT beginnt zum gleichen Termin eine vierjährige Koexistenzphase.

Trügerische Sicherheit

Immerhin, europäische Bankhäuser arbeiten bereits mit ISO-basierten Standards, denn SEPA setzt darauf auf. Aber damit ist noch niemand auf der sicheren Seite. Je nach Art der Umsetzung sind am Ende Arbeiten in allen wichtigen Bereichen der Zahlungsverkehrs-IT notwendig, von Stammdaten über E-Banking bis zu Backend-Systemen. Ganz zu schweigen von Auswirkungen auf die zukünftige Architektur des Kernbanksystems.

ISO ist nicht gleich ISO

Wir sollten auch nicht vergessen, dass es sich hier um einen generischen Standard handelt, der nur die Grundlagen für Zahlungsverkehrsnachrichten festlegt. Bei jeder einzelnen Umsetzung wird er zweckmäßig angepasst, kann also bei TARGET2, SWIFT und SEPA durchaus unterschiedlich ausfallen. Von der Beschränkung der zulässigen ISO-Codes, einer Begrenzung von Datentypen, bis hin zum Entfernen nicht benötigter optionaler Elemente der Basisnachricht sind verschiedenste Varianten denkbar. Das macht eine One-Size-fits-all-Lösung für die Migration unrealistisch.

Viele Einzelprojekte

Demzufolge ist es eigentlich falsch, von der ISO-20022-Umstellung zu sprechen – in Wahrheit sind es viele unterschiedliche Projekte. Umso wichtiger ist die frühzeitige Einbindung der IT-Abteilung zur Unterstützung der Fachseite für rechtzeitige Hinweise auf Fallstricke und Probleme sowie nicht zuletzt, um eine frühzeitige Kostenschätzung zu bekommen. Denn die Umstrukturierung des Auslands- beziehungsweise Individualzahlungsverkehrs von TARGET2 auf den XML-Standard dürfte einen sieben- bis achtstelligen Betrag kosten. Die Summe schließt die Vorstudie, die Einführung und die IT-Anpassungen selbst ein. Zusätzlich zu budgetieren sind die Schulungen der involvierten Mitarbeiter und der rechtzeitige Aufbau des notwendigen Know-hows, alternativ die Einbindung externer Partner.

Wie geht es weiter?

Sofern sie noch nicht vorliegt, brauchen Finanzinstitute möglichst schnell eine Roadmap – mit allen im Zuge der Umstellung auf den ISO-Standard notwendigen Arbeiten und Meilensteinen. Basis dafür ist eine ehrliche Bestandsaufnahme des eigenen Ist-Zustandes, darum wird niemand herumkommen. Im Zuge derer darf auch durchaus die Frage gestellt werden, ob die Bereitstellung von Leistungen im Auslandszahlungsverkehr im eigenen Haus zukünftig überhaupt noch ökonomisch Sinn macht oder ob stattdessen die verstärkte Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern die bessere Lösung ist.

Wandel als Chance begreifen

Die Umstellung auf ISO 20022 setzt die Finanzdienstleister unbestritten unter Zugzwang, erst recht, wenn wir die nahezu zeitgleiche Konsolidierung von TARGET2 und TARGET2-Securities bedenken. Aber: Die regulatorischen Neuerungen sind auch eine Gelegenheit, um die eigenen Systeme kritisch zu prüfen und auszuloten, wie agil und flexibel sie sich modellieren lassen. Das hilft am Ende auch dabei, die digitale Transformation auf ganzer Linie voranzutreiben – denn Stehenbleiben ist in der digitalen Welt von heute keine Option.

Gastautoren: Sabine Aigner, Raija Wehrli

UBS goes EBICS

Patrik Giger, Head Payment Connectivity Services, UBS Switzerland AG

Bereits zum fünften Mal in Folge konnte UBS im Rahmen des von Euromoney durchgeführten Cash Management Surveys 2015 die Auszeichnung als "Best Domestic Cash Manager Switzerland" entgegennehmen. Dieser Erfolg beruht auf langjährigem Fokus auf Kundenbedürfnisse und optimaler Produkt- und Servicequalität.

Ein Bestandteil dieses Serviceangebots ist die Infrastruktur für die Direktanbindung von Kundensystemen. Hier hat sich über Jahre eine Schnittstelle bewährt, welche auf einem proprietären Datenaustausch basiert. Diese Direktanbindung wird von Kunden in der Schweiz genutzt. International nutzen Kunden vorwiegend eine Anbindung über SWIFT for Corporates oder Multibank-Angebote, um Zahlungsdaten und Reportings mit ihrem Finanzinstitut auszutauschen.

UBS-Kunden können bereits heute ihre globalen Finanzgeschäfte - vor allem auch für internationale Niederlassungen - sicher abwickeln. Ein grosses Ziel mit der neuen Infrastruktur ist, die Anbindung an Finanzinstitute noch sicherer, komfortabler und standardisierter zu gestalten.


Harmonisierung Zahlungsverkehr als Chance – und Herausforderung

Mit dem Gemeinschaftsvorhaben "Harmonisierung Zahlungsverkehr" haben sich die Schweizer Banken auf Plan geeinigt, bis im Jahre 2020 den Zahlungsverkehr in der Schweiz auf den internationalen ISO-20022-Standard zu heben (Details siehe http://www.paymentstandards.ch).
Konkret werden sich in den nächsten 4 Jahren bestehende Formate und Prozesse verändern, um Synergien in der Wertschöpfungskette zwischen Zahlungsverkehrsdienstleistern, Finanzinstituten und den Konsumenten nachhaltig ausschöpfen zu können. Diese Synergien werden schlussendlich zu Vorteilen für alle involvierten Akteure im Zahlungsverkehr führen. Der zu begehende Weg dahin ist nicht nur steil. Auch die Zeitvorgabe, um das Ziel zu erreichen, wurde sportlich berechnet. Was oft unterschätzt wird, sind die Auswirkungen, die diese Transformation auf Kunden haben wird. So wird die Formatveränderung mit grosser Sicherheit auch Veränderungen in den Prozessabläufen bei Firmenkunden nach sich ziehen.

Software-Partner als Drehscheibe der Harmonisierung

Die Informatikabteilung der Kunden sowie die IT-Berater respektive Software-Häuser spielen eine tragende Rolle bei der Migration des schweizerischen Zahlungsverkehrs. So verwenden über 90 Prozent der UBS-Kunden eine Standard-Software eines im Markt etablierten Herstellers für die Direktanbindung an ihre Banken. Kunden haben hier die klare Erwartung, dass die entsprechenden ERP (Enterprise Ressource Planning) respektive TMS (Treasury Management Software) Programme zeitgerecht und verlässlich mit den neuen ISO-Formaten umgehen können. Um den Software-Häusern den Weg zu den neuen ISO-20022-Formaten zu vereinfachen, stellt UBS eine dedizierte Testplattform zur Verfügung. Über diese können sowohl mittels manuellem Upload als auch über einen EBICS-Kanal Testdateien hochgeladen und validiert werden. Testergebnisse enthalten nebst den standardisierten Fehlercodes sehr detaillierte Informationen über allfällige Fehler oder suboptimale Nachrichtengestaltungen. Die Testplattform bietet Software-Anbietern auch einen "Readiness Test" an, welcher ihnen und ihren Kunden die ISO-20022-Fähigkeiten attestiert.

Bewährte proprietäre Lösung wird ersetzt

Bereits seit 2013 bietet UBS ihren Kunden EBICS als Kommunikationskanal an. Dieses Angebot wurde vereinzelt von Kunden mit sehr spezialisierter Finanz-Software gewählt. Die Mehrzahl der Kunden setzt nach wie vor die proprietäre Lösung ein. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Zahlungsverkehr in der Schweiz sehr stabil ist und sich über Jahrzehnte sehr wenig verändert hat. Es gab keinen Grund für Kunden, wie auch für lokale Software-Anbieter, die bestehenden und funktionierenden Lösungen im Bereich Zahlungsverkehr anzupassen. Das gleiche galt auch für Banken.

EBICS als idealer Kanal für ISO 20022

Weshalb nun zu den Formaten auch noch gleichzeitig die Kommunikationskanäle verändern? Analysen haben ergeben, dass der Aufwand sowohl auf Kunden- als auch auf Software-Partner- und Bankseite vergleichbar hoch ist, die neuen Formate im alten (proprietären) Kanal einzubauen, beziehungsweise die Bereitstellung über den neuen standardisierten EBICS-Kanal sicherzustellen. Führende Schweizer Finanzdienstleister bieten die Anbindung über EBICS bereits an oder sind in der Planung, diese Anbindung in naher Zukunft anzubieten.

Der Vorteil des EBICS-Standards liegt auf der Hand: Kunden werden davon profitieren, dass "Banken die gleiche Sprache sprechen". In der Schweiz haben wir zudem den Vorteil, dass wir auf bereits Bewährtes zählen können, denn EBICS hat sich in den letzten 10 Jahren, seit der Einführung in Deutschland, als stabiler und verlässlicher Kommunikationsstandard etabliert. Mit dem Beitritt der Schweiz als drittes Mitgliedsland in die EBICS-Gesellschaft (neben Deutschland und Frankreich) ist ein klares Signal gesetzt, dass die Schweizer Finanzdienstleister EBICS nicht als Nebenprodukt, sondern als strategischen Kommunikationskanal fördern.

Ringen um standardisierte Auftragsarten

Betreffend der Auftragsarten hat sich in der Schweiz der deutsche Ansatz durchgesetzt (Angabe des Inhaltes mit der Auftragsart), verglichen mit dem französischen Ansatz, der als Auftragsart lediglich "Upload" und "Download" kennt. Die Auftragsarten in der "Schweizer Empfehlung" werden weitestgehend harmonisiert. Durch die Migration des Zahlungsverkehrs besteht die grosse Chance, hier noch einen Schritt weiter zu gehen. So ist aktuell die Schweizer EBICS-Auftragsart "XE2" für Inlandüberweisungen sowie für SEPA- und für Auslandüberweisungen gültig. UBS setzt sich dafür ein, dass künftig die Auftragsarten ausgebaut werden, um den vollen Synergieeffekt von ISO 20022 und EBICS erzielen zu können. Konkret diskutiert man separate EBICS-Auftragsarten für Inlandzahlungen, Auslandzahlungen und SEPA-Zahlungen. Dieser Vorschlag wird innerhalb der relevanten Gremien intensiv diskutiert und UBS hofft, dass sich hier eine Standardisierung mit zusätzlichem Synergieeffekt erzielen lässt.

UBS goes EBICS – Globally!

UBS hat sich entschieden, die bestehende Kommunikations-Infrastruktur für den Massenzahlungsverkehr in der Schweiz mit einer standardisierten EBICS-Infrastruktur zu ersetzen. UBS geht noch einen Schritt weiter und plant EBICS auch als künftiges Protokoll für ihre Kunden in den globalen Buchungszentren sowohl in Europa als auch in Asien und den USA. Wichtig für diese Umsetzung ist, dass die Infrastruktur stabil und standardisiert ist. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Firma PPI sind wir zusätzlich in der Lage, Kunden ohne EBICS-fähige Software künftig ein Plug-in zu empfehlen, welches für die Software des Kunden die Kommunikation übernimmt. Ausserdem wird zukünftig die Möglichkeit des EBICS-Portals "UBS KeyPort Web" als Alternative angeboten, wenn Kunden ihre Transaktionen als Dateien manuell über ein Internetportal hoch- beziehungsweise die Reporting Meldungen herunterladen wollen.

Das EBICS-Angebot von UBS richtet sich in erster Linie an Kunden, welche das Bedürfnis nach einer Direktanbindung an ihre ERP- und TMS-Systeme haben und in zweiter Linie an Kunden, welche ein "Multi-Booking-Center"-fähiges Portal für ihre Massenzahlungen benötigen. Für Individualtransaktionen und zusätzliche Informationen steht unseren Kunden nach wie vor das moderne und sehr vielseitige UBS e-banking zur Verfügung.

EBICS muss sich weiterentwickeln

UBS wird sowohl den deutschen (DK) als auch den französischen Standard unterstützen. Die Dringlichkeit einer weiteren Harmonisierung ist gegeben, denn schon mit drei Mitgliedern der EBICS-Gesellschaft ist die Vielzahl der unterschiedlichen Implementierungen hoch. Eine entsprechende weitere Harmonisierung wird von der EBICS-Gesellschaft unter dem Projektnamen BTF vorangetrieben (vgl. Artikel in diesem Blog von Sabine Wenzel, EBICS SCRL, http://www.ebicsblog.com/de/international-harmonisch-mit-ebics-btf/). Aus Sicht des Autors ist es essentiell, dass diese Harmonisierung mit sehr hoher Priorität vorangetrieben wird. Wir sind zuversichtlich, dass sich EBICS weiter global als Kommunikationsstandard ausbreiten wird. UBS ist hier an vorderster Front mit dabei und setzt auf EBICS in der Schweiz, in Deutschland, in Europa, in Asien und in den USA.

Patrik Giger

Migration Zahlungsverkehr Schweiz: echte End-to-End-Tests mit EBICS

Auf dem Finanzplatz Schweiz arbeiten die Banken mit Hochdruck an den Umsetzungsprojekten für die Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs nach ISO 20022. Softwarehersteller und Firmenkunden fordern Testmöglichkeiten für die neuen Zahlungsformate. Gesucht ist ein End-to-End-Testszenario, das die produktive Verarbeitung seitens der Bank bestmöglich abbildet. In der Schweiz können die wenigsten Banken solche Tests anbieten. Dabei kann EBICS helfen.


Die SIX Interbank Clearing, verantwortlich für die Publikation der Schweizer Implementierung, bietet eine sogenannte Validierungsplattform an. Dort können die jeweiligen Meldungen (pain und camt) bezüglich Syntax und einfachen Business-Regeln validiert werden. In der Regel ist dies die erste Anlaufstelle für Tests in der neuen ISO-Welt. Für Hersteller und Kunden reicht diese Prüfung jedoch nicht aus, um anschliessend die produktiven Zahlungsläufe mit ihrer Bank umzustellen.

Taugliche End-to-End-Tests umfassen die Aufträge als Buchungen in die elektronischen Kontoauszüge (z. B. MT940 oder camt.053) und Avisierungen (z. B. MT942 oder camt.052) inklusive Saldo-Nachführung sowie ein Fehlerverhalten, welches der Produktion entspricht (Ausweisung entsprechender Status-Rapporte und Storno-Buchungen). „Die Schwierigkeit von Tests ist oft die Avisierung, welche aufgrund der eingelieferten Daten sich entsprechend verhält“, weiß Christoph Schenker von der PostFinance. „Die Testplattplattform http://isotest.postfinance.ch bietet alle Möglichkeiten, welche der Softwarehersteller für Ein- und Auslieferungen benötigt, um seine Software für den Kunden ‚ISO-ready‘ zu machen.“

Gerade den Fehlerfall möchte der Kunde vor der Einführung simulieren, um seine internen Prozesse der Ausnahmebehandlung zu testen. Typischerweise sind dies Fehler wie „ungenügende Deckung“, „falsches Begünstigtenkonto“ und ähnliche Ausnahmefälle, welche in der Folge im produktiven Betrieb auftreten können.

Fasst man End-to-End etwas weiter, wäre es für den Firmenkunden ideal, wenn er direkt aus seiner ERP-Software mittels EBICS einen Zahlungslauf an eine Testinfrastruktur senden und wiederum mittels EBICS die dazugehörigen Downloads ausführen kann. Nur dann ist ein echter „proof of the pudding“ möglich. Simuliert werden müssen insbesondere die Rückmeldungen bei Fehlern und die Verarbeitung realer Dateigrössen – d. h. ein produktiver Kreditorenlauf mit einigen hundert Zahlungen oder mehr, nicht nur eine Testzahlung. So ist die nötige Sicherheit für einen Produktionsstart gegeben. Die direkte Anbindung einer Testplattform über EBICS ermöglicht es, Testzyklen zu automatisieren und via EBICS-Protokoll grosse Dateien zu übermitteln. Dies ist mit einer Testplattform, welche nur über eine manuelle Web-Upload-Schnittstelle verfügt, nur schwer möglich.

Innovative Schweizer Banken sehen in der Kombination von ISO 20022 und EBICS das ideale Tandem, um ihre Kunden in der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs zu unterstützen. Institute, welche zusätzlich eine echte End-to-End-Testmöglichkeit anbieten können, bieten ihren Kunden einen echten Mehrwert. „SAP unterstützt den Credit Transfer mit ISO 20022 schon seit mehreren Jahren. Gute Testplattformen und direkte Ansprechpartner bei Finanzinstituten unterstützen die weitere Umsetzung von ISO20022-Meldungen in der Schweiz“, sagt Rainer Hofmeister vom Hersteller SAP.

Carsten Miehling

Luzerner Kantonalbank AG bietet Firmenkunden erweiterte Lösungen rund um EBICS und ISO 20022

Raphael Häfliger, Cash Management Services, Luzerner Kantonalbank AG

Die Luzerner Kantonalbank AG (LUKB) bietet in der Schweiz seit 2014 den Kommunikationsstandard EBICS an und hat damit ein umfassendes Angebot für den professionellen Zahlungsverkehr im Markt platziert. Nach der erfolgreichen EBICS-Einführung steht nun der nächste Schritt an: Als erstes Finanzinstitut auf dem Finanzplatz Schweiz wird die LUKB ab Herbst 2015 mit der Pilotphase für die Lancierung der "Verteilten Elektronischen Unterschrift" (VEU) starten. 


Das Konstrukt der VEU entspricht einem immer grösser werdenden Bedürfnis von Schweizer Firmenkunden. Kunden können Zahlungsaufträge mit der VEU an die LUKB übermitteln und je nach Vollmachtskonstrukt von den dafür zuständigen Personen im Unternehmen final freigegeben lassen. Dieser zusätzliche Prozessschritt unterscheidet sich von der in der Schweiz üblichen EBICS-Ausgestaltung, bei welcher die Schnittstelle mit einer Einzelunterschrift fungiert und die Berechtigungen innerhalb des firmeneigenen ERPs geregelt werden. In Deutschland gehört die VEU bereits zum Standard, in der Schweiz hingegen ist dies bislang ein Novum.

Mit dem Angebot der VEU sieht die LUKB eine Chance, sich als Finanzinstitut flexibel und kundenorientiert zu positionieren. Zur Realisierung einer EBICS-VEU führt die LUKB mit den Kunden den Dialog, um das passende Unterschriftenmodell zu evaluieren. Geplant sind unter anderem folgende Spezifika:
  • kollektiv zu zweit
  • kollektiv zu dritt
  • Gruppen mit A- und B-Unterschriften
  • weitere individuelle Rollen für Debitoren- und/oder Kreditorenbuchhaltung
  • flexible Zuordnung/Ausschluss von einzelnen Auftragsarten
Es gibt jedoch weitere Gründe sich mit der VEU zu beschäftigen. Aufgrund von operationellen Risiken kann es sinnvoll sein, die für die Auftragserteilung zuständigen Personen im EBICS zu identifizieren. Über die weit verbreiteten Corporate Seals, bei welchen nur die Firma selber authentifiziert wird, ist dies nicht möglich. Zudem könnte künftig auch der Druck seitens des Regulators oder auch der Revisionsgesellschaften in dieser Angelegenheit zunehmen.
In der Startphase ist damit zu rechnen, dass insbesondere die Kunden mit europäischen Softwarelösungen das Angebot nutzen. Weiter geht die LUKB davon aus, dass die lokalen Softwarehersteller mittelfristig ebenfalls VEU-Lösungen in ihre Clients integrieren werden.
In der Firmenkunden-Kommunikation geht die LUKB noch einen Schritt weiter und wird ab Dezember 2015 das Format ISO 20022 über EBICS transportieren. Konkret werden die Meldungen pain.001, pain.002, camt.052 und camt.053 implementiert. Camt.054 folgt voraussichtlich im Frühjahr 2016 und vervollständigt damit das ISO-Angebot. Mit diesem Vorhaben wird die LUKB zu den ersten Anbietern einer produktiven Lösung im Projekt "Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz" gehören. Neben den Schweizer Empfehlungen wird die LUKB auch die ISO- und DK-Schemas (Deutschland) für die Auftragserteilung in ISO 20022 unterstützen. Weitere Schemen wie das französische oder österreichische Format werden je nach Kundenanforderungen individuell geprüft.

Mit den weitreichenden Angeboten rund um die EBICS-VEU und ISO 20022 ist die LUKB im Schweizer Firmenkundenmarkt bestens auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet.

www.lukb.ch/harmonisierung-zv
www.lukb.ch/direkt-ebics

Raphael Häfliger