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EBICS ist nicht gleich EBICS – von Auftragsarten und Formatparametern

Auch wenn es eine einheitliche Spezifikation für EBICS gibt: Bei der Einreichung und bankseitigen Berechtigungsprüfung von Zahlungsverkehrsaufträgen wird EBICS  in Europa unterschiedlich genutzt. Zum Beispiel nutzt man in Deutschland ausschließlich die Auftragsarten, in Frankreich Formatparameter. Aber muss der Kunde diese Unterschiede kennen? Wie bereits in meinem letzten Beitrag angekündigt, hier mehr dazu.


Mit der EBICS-Auftragsart gibt ein Client an, welchen Geschäftsvorfall er auf dem Bankrechner einreichen möchte. Ist die Auftragsart auf dem Bankrechner bekannt und ist der Einreicher hierzu berechtigt, wird eine für diese Auftragsart spezifizierte Formatverarbeitung durchgeführt.
Bei den dreistelligen Auftragsarten wird in EBICS grundsätzlich zwischen der Initiierung von Uploads und Downloads unterschieden. Zudem kann es sich um operative oder administrative Auftragsarten handeln. Unter administrativ sind diejenigen zu verstehen, die das  EBICS-Protokoll selbst steuern, zum Beispiel HIA und INI für den Schlüsselaustausch oder HVU zum Abruf der VEU-Übersicht. Die operativen Auftragsarten hingegen kennzeichnen den fachlichen Inhalt eines Dateitransfers, etwa CCT für Zahlungen im Format des SEPA Credit Transfer. Auf diesem Wege wird bei operativen Auftragsarten die Art der formatspezifischen Verarbeitung bestimmt.

Mit EBICS ist eine Liste der zu nutzenden operativen Auftragsarten spezifiziert sowie die damit zu verwendenden Geschäftsvorfälle und Formate. Diese operativen Auftragsarten werden derzeit vorrangig in Deutschland genutzt.

In Frankreich nutzt man für operative Aufträge unabhängig vom Dateninhalt generell genau eine Auftragsart für Uploads (FUL) und eine Auftragsart für Downloads (FDL). Um dem Bankrechner dann aber Hinweise auf das enthaltene Format mitzugeben, wird vom Client der Auftragsart noch ein bis zu 40-stelliger Formatparameter mitgegeben. Dessen Aufbau ist ebenfalls mit EBICS spezifiziert.

Wie gut verstehen sich Bankrechner und Client?

Sowohl für die deutsche als auch für die französische Art der Auftragsarten-Nutzung lassen sich bankseitige formatspezifische Berechtigungsprüfungen hinterlegen. Dabei ermöglichen einerseits die Formatparameter eher eine detailliertere Vereinbarung zwischen Kunde und Bank über die Art der auszutauschenden Inhalte (zum Beispiel SEPA-Version, Länderausprägung), andererseits sind die Auftragsarten für einen Kunden gegebenenfalls einfacher zu handhaben, da dieser sich um die Formatdetails im EBICS keine Gedanken machen muss. Wichtig ist aber, dass EBICS-Bankrechner und Client sich verstehen. Dazu muss der Kunde sehr wohl wissen, was sein Gegenüber, der Bankrechner, versteht.

Beide Arten des Austausches von operativen Daten zwischen EBICS-Client und EBICS-Bankrechner haben ihre Vor- und Nachteile. Letztendlich entscheidet der Firmenkunde, und  der hat möglicherweise Konten bei mehreren Kreditinstituten in unterschiedlichen Ländern. Dieser Kunde fordert ein einheitliches Vorgehen. Der Erfolg von EBICS entscheidet sich daher gleichfalls in der Einheitlichkeit der Nutzung beziehungsweise in der  Interoperabilität der Nutzungsvarianten von EBICS. Hier sind die Spezifizierer gefragt. Wie der Beitrag von Carsten Miehling vom 9.9.2014 zeigt, ist hier der Prozess bereits in Bewegung.

Michael Lembcke