Posts mit dem Label EBICS-Gesellschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label EBICS-Gesellschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

EBICS – auf dem Weg zum europäischen Marktstandard

Axel Weiß, Chairman of Board of Directors EBICS

Für Firmenkunden ist es in Deutschland schon seit 1995 möglich, Zahlungsverkehr mit einem Standardprodukt und einer Elektronischen Signatur mit jedem Kreditinstitut sicher abzuwickeln.

Bereits im Jahre 2003 wurde die Erweiterung des DFÜ-Abkommens um eine internetbasierte Variante initiiert. Diese Variante des DFÜ-Verfahrens wurde als EBICS "Electronic Banking Internet Communication Standard" bezeichnet. Mit dieser Erweiterung erfüllte die deutsche Kreditwirtschaft die Forderung von Kunden und Instituten nach internetbasierten Lösungen im Electronic Banking.


Ziel dieser Erweiterung war es, den einheitlichen und multibankfähigen Bankenstandard "DFÜ mit Kunden" für Übertragungsmöglichkeiten im Internet auszubauen und die damit verbundenen Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Hierfür werden den aktuellen Sicherheitsanforderungen entsprechende Sicherungsmechanismen wie HTTPS mit einer zusätzlichen starken Authentifizierung für die Kommunikationssicherheit eingesetzt.

EBICS zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:
  • ein Standard für alle Kreditinstitute und Kunden, d. h. Firmenkunden erreichen mit einer Software jedes Kreditinstitut, das EBICS anbietet
  • offener Standard, d. h. Firmenkunden können Standardprodukte oder  individuelle Software einsetzen
  • moderne Technologie, lizenzfreie internationale Standards wie XML, HTTPS, TLS, ZIP
  • höchste Sicherheitsstandards, z. B. Verschlüsselung auf Transportebene und Ende-zu-Ende
  • ein Transportmittel für alle Geschäftsprozesse wie Lastschriften, Überweisungen, Kontoauszüge, Cash-Management, Wertpapierorder und vieles mehr
  • Einbeziehung von Dienstleistern durch mehrstufiges Unterschriftskonzept
  • standortunabhängige Freigabe von Aufträgen
  • Preis und Leistung bestimmen den Wettbewerb, nicht die Technik und die mit einem Wechsel der Bankverbindung verbundenen Umstellungsaufwände
Neben der Kunde-Bank-Kommunikation wird EBICS in Deutschland und zunehmend auch in anderen Ländern der EU für den sicheren und sehr kostengünstigen Austausch von Zahlungstransaktionen zwischen den Banken eingesetzt. Nicht zuletzt die Bereitstellung eines Auflieferungskanals für EBICS-Transaktionen bei der EBA Clearing führte zu einer signifikanten Steigerung der über EBICS im Interbankenbereich ausgetauschten Transaktionen, sodass mittlerweile rund fünf Prozent aller von der EBA Clearing verarbeiteten SEPA-Transaktionen über die EBICS-Kommunikation abgewickelt werden. Neben dem Einsatz im bilateralen Clearing von Zahlungen wird EBICS zunehmend auch als Backup-Lösung neben den bereits bestehenden Kommunikationskanälen, wie z. B. SWIFT sie anbietet, genutzt.

Die im Jahr 2003 gewählte englische Bezeichnung „EBICS“ unterstrich bereits damals den Anspruch, mit diesem Kommunikationsstandard nicht nur auf nationaler Ebene, sondern vielmehr auch auf europäischer Ebene eine sowohl für Banken als auch für deren Kunden interessante Alternative zu bestehenden Verfahren anzubieten.

In Deutschland bestand bereits seit 1. Januar 2008 die bankseitige Verpflichtung zur Unterstützung von EBICS. Der alte Standard FTAM wurde hier mittlerweile vollständig durch EBICS ersetzt.
Im Jahr 2008 wurde ein Kooperationsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich hinsichtlich EBICS geschlossen. Die französische Kreditwirtschaft hatte im Vorfeld nach einer umfangreichen make-or-buy-Analyse erkannt, dass EBICS die Anforderung der französischen Banken und deren Kunden am umfassendsten abdeckt und somit das größte Potenzial für eine Ablösung des bis dahin verwendeten ETEBAC-Kommunikationsstandards besaß. Schnell kristallisierte sich für die beteiligten Banken und Verbände heraus, dass eine rechtssichere Verwendung von EBICS durch alle Nutzer am besten durch Gründung einer gemeinsamen EBICS-Gesellschaft sichergestellt werden kann. Der Zweck der EBICS-Gesellschaft liegt dabei vor allem in der Weiterentwicklung und Pflege des EBICS-Standards und dem Halten der Markenrechte.

Nach intensiven Verhandlungen zwischen der deutschen und der französischen Kreditwirtschaft konnte im Juni 2010 die EBICS-Gesellschaft gegründet werden. Bei der Gestaltung der nach belgischem Recht gegründeten EBICS SCRL wurde streng darauf geachtet, dass die Gesellschaft nicht profitorientiert ist und sehr schlank, d.h. zu minimalen laufenden Kosten, aufgesetzt wird. Zudem wurde dafür gesorgt, dass die Gesellschaft offen für den Zugang anderer an EBICS interessierter Kreditwirtschaften ist.

Mit der Gründung der Gesellschaft wurde somit die Basis für den europaweiten Einsatz und damit der Weiterentwicklung des EBICS-Verfahrens hin zu einem europäischen Marktstandard geschaffen. Im April dieses Jahres erfolgte mit der Beitrittserklärung der SIX Interbank Clearing als Vertreter der Schweizer Kreditwirtschaft ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Europäisierung von EBICS.
Erklärtes Ziel ist es nunmehr, auch Kreditwirtschaften in anderen EU-Ländern von den Vorteilen einer Nutzung und vor allem Mitgestaltung von EBICS zu überzeugen – die Türen für eine Beteiligung an der EBICS-Gesellschaft stehen weit offen.

Axel Weiß

EBICS-Event stößt in Luxemburg auf großes Interesse

Der EBICS-Standard ist dabei, sich in Europa weiter zu verbreiten. Mit Interesse schauen Fachleute daher auch auf den Finanzplatz Luxemburg. Am 28. Januar 2015 versammelten sich dort Zahlungsverkehrsexperten aus dem Fachbereich und der IT der Luxemburgischen Banken, um mehr über EBICS zu erfahren. Zu dem Event mit dem Titel „EBICS – A New Communication Protocol for Payment Activities“ hatte die Luxemburgische Bankenvereinigung ABBL geladen.


Im Mittelpunkt stand die Frage, ob EBICS für Luxemburg von Interesse sein könnte. Die Agenda war auf diese Fragestellung ausgerichtet, vertreten waren folgende Sprecher und Themen:
  • Welcome, Serge Wagener, Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat
  • EBICS at a Glance - Security, Use and Implementations, Hermann Fürstenau, PPI AG
  • EBICS - a chance to harmonise customer-to-bank communication standards for electronic banking in Europe, Axel Weiß, EBICS Chairman
  • EBICS Strategy of Deutsche Bank, Thomas Stosberg, Deutsche Bank
  • STEP2 and EBICS, Katja Heyder, EBA Clearing
EBICS wurde dabei unter den Gesichtspunkten Kunde-Bank- und Interbank-Kommunikation beleuchtet, mit besonderem Fokus auf der sicheren Datenübertragung mit EBICS über das Internet. Zu den relevanten Themen für die luxemburgischen Experten zählten auch die Verteilte Elektronische Unterschrift sowie die Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen EBICS-Ausprägung.

Der STEP2-Zugang über EBICS zur europäischen Zahlungsverkehrsdrehscheibe war ebenfalls von besonderem Interesse für die Luxemburgische Banken-Community, weil sich dadurch die Kosten reduzieren lassen und ein Backup die Ausfallsicherheit erhöht. Die möglichen Einsatzszenarien für STEP2 und EBICS müssen individuell für jede Bank einzeln betrachtet werden. Wenn ein Backup allerdings unter regulatorischen Maßgaben gefordert werden sollte – was derzeit möglich erscheint – ist EBICS die beste Lösung. Bereits heute schon operieren einige Banken aus Sicherheitsgründen mit zwei unterschiedlichen Infrastrukturen: SWIFT und EBICS. Die komplementären Netz-Topologien von EBICS und SWIFT eignen sich hervorragend als gegenseitiges Backup. Aber auch die Kosten sind häufig ein ausschlaggebender Grund für die Nutzung von EBICS.

Eine wesentliche Motivation für die Luxemburgischen Banken ist natürlich, dass Deutschland und Frankreich einen gemeinsamen EBICS-Standard entwickelt haben. Darüber hinaus wird der EBICS-Standard von einer schlanken EBICS-Gesellschaft mit Sitz in Brüssel weiterentwickelt und weiter verbreitet. Die Schweiz ist dabei, in die EBICS-Gesellschaft aufgenommen zu werden. Vielleicht könnte ja Luxemburg als 4. Mitglied folgen.

Die Idee eines "Global EBICS" ist für einige Banken von strategischer Bedeutung, was auch während der Diskussion in Luxemburg deutlich wurde. "Global EBICS" – oder kurz GBICS – geht mit einem einheitlichen ISO20022-Format à la CGI (Common Global Implementation) einher. CGI dient dabei als einheitlicher Formatstandard und GBICS als einheitlicher Transportstandard und das weltweit. Spannend war in diesem Zusammenhang die Frage nach einem weltweiten Konkurrenzstandard zu EBICS: Gibt es einen vergleichbaren Standard wie EBICS in der Welt, beispielweise in Asien oder Amerika? Diese Frage muss klar mit nein beantwortet werden. Es scheint, wenn überhaupt, nur nationale Standards zu geben, die größtenteils schon sehr betagt sind. Das technische und fachliche Handwerkszeug, was EBICS mitbringt, ist außer Frage hervorragend. Damit hat EBICS – oder besser gesagt GBICS – wirklich das Potential, zu einem weltweiten Standard aufzusteigen.

Michael Lembcke