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Hochverfügbarer Zahlungsverkehr mit EBICS und SWIFT

Der europäische Interbanken-Zahlungsverkehr bewegt täglich mehrere Billionen Euro. Dieses gigantische Volumen wird bilateral und über nationale sowie europäische Clearer abgewickelt, beispielsweise TARGET2, STEP2 und SEPA-Clearer. Für die Wirtschaft und für unser gesamtes Leben ist ein ungehinderter Geldfluss essenziell. Deshalb sind die beteiligten IT-Systeme hoch sicherheitskritisch. Nur die redundante Nutzung der beiden Transportprotokolle EBICS und SWIFT stellt den erforderlichen hochverfügbaren Transport sicher.


Erstaunlicherweise sind die notwendigen Redundanzen im Gesamtprozess nicht konsequent umgesetzt. Hochverfügbarkeit wird meistens über redundante In-House-Systeme gewährleistet. Ein wesentlicher Schwachpunkt bei einen Systemausfall – der Single Point of Failure – bleibt jedoch bestehen: das elektronische Transportverfahren; auch dieses muss für den Störfall redundant ausgelegt sein.

SWIFT und EBICS sind die beiden gebräuchlichsten Transportprotokolle im internationalen Zahlungsverkehr. Sie garantieren hohe Übertragungssicherheit und großen Durchsatz – beides Voraussetzungen für eine Dual-Transport-Strategie. Zudem müssen die Systeme unabhängig voneinander sein. Dies ist nur mit einer Dual-Vendor-Strategie gewährleistet. Der Schlüssel zur Hochverfügbarkeit ist also die Kombination aus Dual-Vendor-Strategie und Dual-Transport-Strategie.
Die Dual-Vendor-Strategie wird bereits in hoch sicherheitskritischen Szenarien eingesetzt, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Damit kann das System eines Herstellers nicht mehr der Single Point of Failure sein.

Betrachten wir die Dual-Transport-Strategie mit SWIFT und EBICS: Die Netzwerktopologien beider Transportprotokolle sind komplementär:

SWIFTEBICS
Topologiesternförmigvermascht
Managementmanagedself-managed
Ausfallzentralselbstheilend
ÜbertragungsartKabelKabel und Satellit

Bei EBICS werden Störungen durch Selbstheilung behoben, d. h. die Daten werden automatisch umgeleitet. Dagegen wird bei SWIFT das sternförmige Netz zentral verwaltet. Diese Komplementarität ist bei Störungen von Vorteil, da sie einen Single Point of Failure inhärent ausschließt. SWIFT und EBICS sind durch die Dual-Vendor-Strategie unabhängig voneinander und daher prädestiniert für eine Dual-Transport-Strategie.

Im Störungsfall bei EBICS kann die Bank oder das Clearing-Unternehmen den technischen Übertragungsweg beeinflussen. Falls die terrestrischen Leitungen ausfallen, kann auf Funk oder extraterrestrische Systeme – also Satelliten – umgeschaltet werden. Per Satellit ist der gesamte besiedelte Erdball zu erreichen. Dies ist ein Vorteil von EBICS gegenüber Managed Networks wie SWIFT.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Angesichts der Risiken im Interbanken-Zahlungsverkehr ist die Kombination aus Dual-Transport-Strategie mit EBICS und SWIFT und Dual-Vendor-Strategie nur angemessen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Services wie STEP2 der EBA Clearing und SEPA-Clearer der Deutschen Bundesbank sowohl EBICS als auch SWIFT anbieten und zudem die Dual-Vendor-Strategie einsetzen. Ein Wechsel zwischen den beiden Transportprotokollen ist in kurzer Zeit untertägig möglich. Deutsche Banken und eine französische Bank nutzen derzeit schon EBICS und SWIFT, um Schäden durch Ausfälle zu minimieren. Weitere europäische und auch amerikanische Banken werden sicherlich folgen.

Erstaunlich ist nur, dass der Regulator dieses Feld noch nicht betreten hat. Die Auswirkungen eines Störfalls wären unabsehbar.

Michael Lembcke