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Der digitale Euro - Mehr Fragen als Antworten?

Die Europäische Zentralbank wird sich in den kommenden Jahren intensiv mit digitalen Währungen beschäftigen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei vielfältig und werfen Fragen auf.

Diesen Monat (Okt. 2021) soll es losgehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) startet ein zweijähriges Analyseprojekt, welches bewerten soll, wie der digitale Euro gestaltet werden könnte. Als Ergebnis der Analysephase soll entschieden werden, ob und in welcher Form die EZB den digitalen Euro bereitstellen wird.

Aus bisherigen Diskussionen und Veröffentlichungen wird jedoch deutlich: Der digitale Euro wird wenig Parallelen zu Funktionen aktueller privater Kryptowährungen aufweisen. Blockchain-Infrastrukturen und deren Vorteile werden im Kontext des digitalen Euros kaum berücksichtigt. Die Europäische Zentralbank wird den Fokus auf alternative Ansätze zum Bargeld und die Auswirkungen auf das Geldsystem legen.

Die (Umsetzungs-)Varianten sind dennoch vielfältig, sodass Spielraum für spannende Diskussionen entsteht. Potenzielle Formen und Auswirkungen müssen verstanden und intensiv bewertet werden.
Folgende Leitfragen können als eine erste Grundlage dienen:

 

  • Welche Mehrwerte und Anwendungsfälle entstehen für die verschiedenen Stakeholder?
    • Banken, Payment Service Provider, Privatpersonen, Handel, Industrie, Europäische Zentralbank
  • Wie sieht die technische Gestaltung des digitalen Euros aus?
    • Wird die digitale Währung auf einer Konten- oder Tokeninfrastruktur aufgebaut?
    • Wie erfolgt der Übertrag der Werte zwischen den teilnehmenden Parteien?
    • Wird den Benutzern ausschließlich ein digitales Produkt zur Verfügung gestellt? 
  • Wie wird die Nutzung für die Privatperson gestaltet?
    • Wie wird Anonymität sichergestellt?
    • Wird es Betragsgrenzen für die Nutzung und Verwahrung geben?
  • Wie und durch wen erfolgt das Onboarding und die Bereitstellung?
    • Welche regulatorischen Anforderungen werden entstehen?
    • Wie werden Banken und Payment Service Provider eingebunden?    
    •  …


Auch wenn das Analyseprojekt erst startet, viele Trends lassen sich bereits jetzt ableiten. PPI verfolgt dieses Thema mit großer Begeisterung und hat bereits einige Thesen zu diesen Fragen aufgestellt. In den kommenden Wochen werden wir diese mit Ihnen teilen und diskutieren.

Autor: Philipp Schröder

Kartenzahlungen in Zeiten einer Pandemie

Ein Sprichwort sagt „Die Flut hebt alle Boote, auch die mit Löchern im Rumpf“.
Hier gilt dies natürlich nicht im Sinne einer Katastrophe, sondern positiver exogener Effekte auf den Zahlungsverkehr und eine ganze Industrie.
 
Die letzten anderthalb Jahre der globalen Pandemie waren für den kartengestützten Zahlungsverkehr ebendies – eine Flut für nahezu alle Parteien. Die Transaktionszahlen für Kartenzahlungen gingen durch die Decke, manche sprechen sogar davon, dass gerade der Lebensmitteleinzelhandel viermal Weihnachten hatte. Insbesondere die von vielen Deutschen präferierte girocard hat hiervon profitiert. Die Anzahl der Transaktionen sind im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr um 4,7% gestiegen, während der Gesamtumsatz um 2% zugenommen hat. Die girocard wurde also deutlich mehr eingesetzt, während die Größe der Warenkörbe sich nicht signifikant verändert hat. (1)

Gleiches gilt für die zunehmende Verbreitung von kontaktlosen Zahlungen. Während die Kartenschemes und Issuer jahrelang mit enormen Summen darum geworben haben die NFC-Funktion von Karten zu nutzen und die kundenseitigen Hemmungen abzubauen, hat die Pandemie in einem Fingerstreich die Popularität auf ein „new normal“ gehoben. Bereits 64% aller girocard-Transaktionen waren im ersten Halbjahr 2021 kontaktlos.1 Kunden haben diese schon lange bestehende Funktion endlich verstanden und zum Quasistandard gemacht – kein Werbekostenzuschuss hätte das in der Kürze der Zeit erreichen können.

Die Entwicklung des enormen Anstiegs von girocard-Transaktionen ist insofern spannend zu beobachten, als dass es zunehmend Institute gibt, welche die bisherige Co-Badging-Strategie (also girocard in Kombination mit V Pay/Maestro) in Frage stellen und teilweise ganze Portfolien auf die nativen Debit-Lösungen der großen Kartenschemes (Mastercard/Visa Debit) umziehen. Dieser Wandel am deutschen Kartenmarkt wird sich grundsätzlich in den nächsten Jahren fortsetzen und perspektivisch die Dominanz der girocard in Deutschland in Frage stellen. In diesem Zusammenhang wird es auch interessant zu beobachten, inwiefern sich der Acquiring-Markt in Deutschland – bisher von den großen Netzbetreibern dominiert – entwickelt.

Ein wichtiger Impuls in diesem Kontext ist eine europäischen Zahlungsverkehrsinitiative, welche gerade in Deutschland vorangetrieben wird. EPI (European Payments Initiative) soll eine paneuropäische Kartenlösung bereitstellen, welche Zahlungen im stationären Handel und im E-Commerce innerhalb des europäischen Binnenmarkts übergreifend und unabhängig von internationalen Schemes ermöglichen soll. Hierbei sollen nach aktuellem Stand bestehende nationale Kartensysteme miteinander verbunden und idealerweise in allen europäischen Ländern ausgerollt werden. EPI setzt hierbei auf Instant Payments als den neuen europäischen Standard und möchte neben der Kartenlösung ebenfalls eine Mobile Wallet anbieten. Verlässt man zukünftig dann Europa, ist man jedoch wieder auf die globalen Brands angewiesen.

Schaut man in den E-Commerce, bietet sich ein ähnliches Bild: in Deutschland wurde unter der „#DK Initiative“ die frisch fusionierten Bezahllösungen paydirekt und giropay sowie Kwitt und girocard gebündelt, um sich mit einer schlagkräftigen Payments-Lösung zu positionieren. Die Herausforderungen sind hier ähnlich wie bei EPI und ein Erfolg ist nur realistisch, wenn man die unterschiedlichen Interessen vieler Parteien vereinen kann.

All diese Initiativen und Veränderungen der bestehenden Systeme werden fortlaufend durch neue FinTechs, welche relevante Nischen im Zahlungsverkehr besetzen, herausgefordert. Hier werden auch sozial relevante Themen wie zuletzt der „true name“ auf Kreditkarten schnell und werbewirksam umgesetzt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die Pandemie bisher als Beschleuniger vieler bestehender Entwicklungen im kartengestützten Zahlungsverkehr erwiesen und Veränderungen angestoßen hat, welche die Branche auf die nächsten Jahre hinweg prägen werden. Jetzt muss sich zeigen, ob sich nach den Sondereffekten der Pandemie eine Abflachung auf ein „new normal“ einstellt oder sich der schnelle Wandel fortsetzt und zu grundlegenden Änderungen am Markt führt.

Autoren: 


Sebastian Litschke 

Jonathan Kutkuhn 

 

(1) girocard Halbjahreszahlen 2021: https://www.girocard.eu/presse-mediathek/pressemitteilungen/2021/girocard-halbjahreszahlen-2021/

Request to Pay – die Wirtschaft braucht den Standard

Still und leise, aber keineswegs heimlich ist am 15. Juni 2021 der neue europäische Standard für elektronische Zahlungsanforderungen Request to Pay (RTP) vom theoretischen Konstrukt zur praktischen Realität geworden. An diesem Tag trat das Regelwerk für SEPA Request to Pay (SRTP) in Kraft. An dem Projekt hatte nicht zuletzt die Euro Banking Association (EBA) mit Hochdruck gearbeitet. Nur zu verständlich, dass die Organisation auch wissen wollte, ob sich in der Wirtschaft viele Unternehmen finden, die RTP demnächst anwenden wollen. Im September 2020 startete die EBA mit PPI als Partner einen groß angelegten Survey bei Unternehmen in ganz Europa. Die unlängst unter dem Titel „Request to Pay: What Corporates Want“ veröffentlichten Ergebnisse sind zwar nicht in ihrer Tendenz, aber in ihrer Eindeutigkeit überraschend. Nahezu 100 Prozent der Unternehmen haben ein Interesse am Einsatz des Standards. Wichtig ist für sie vor allem eine europaweit einheitliche Verwendbarkeit. Wenig verwunderlich, schließlich wollen 70 Prozent der befragten Firmen RTP auch für grenzüberschreitende Zahlungen einsetzen.

Der Hauptteil der Umfrage drehte sich um die Einschätzungen der Unternehmen zum Einsatz von RTP in den Feldern Point of Sale (POS), eCommerce, eInvoicing und wiederkehrende Zahlungen. Ganz klar gab es auch hier durchgängig positive Einstellungen zum Standard. In allen abgefragten Bereichen konnten sich über 80 Prozent der Befragten eine Verwendung von RTP zumindest vorstellen. Im Bereich eCommerce lag der Anteil sogar bei über 90 Prozent.

Gleichzeitig wollten die EBA und wir wissen, wodurch RTP für die Unternehmen noch attraktiver werden könnte. Aus den Antworten waren einige mögliche Verbesserungen herauszulesen. Dabei geht es vor allem um Standardisierung von Verfahren, das Angebot von Mehrwertleistungen, die Endbenutzerakzeptanz, das Risikomanagement und klare Zukunftsperspektiven. 

Unter letztere fallen auch die häufigsten Wünsche für zusätzliche Features: Schnelles Erreichen einer hohen Marktdurchdringung, die Einbindung in standardisierte, vollautomatische und beispielsweise in ERP-Systeme integrierte Prozesse sowie der Einsatz in Kombination mit Instant Payments oder anderen Möglichkeiten der Zahlungsgarantie. Denn natürlich möchte kein Händler einen Kunden mit der Ware gehen lassen, wenn er das Geld noch nicht hat. Müssten Käufer allerdings warten, bis die entsprechende Summe auf dem Konto des Verkäufers eingeht, dürfte die Akzeptanz von RTP vor allem am Point of Sale gegen Null gehen. In diesem Fall dürfte zu prüfen sein, ob die Notification über den akzeptierten oder angewiesenen RTP als rechtlich bindende Zahlungsgarantie ausgestaltet werden kann.

Einen weiteren Nutzwert sehen die befragten Unternehmen in der Möglichkeit, strukturierte Informationen zum Verwendungszweck in den Datensatz zu integrieren. Das erleichtert die Zuordnung von Zahlungseingängen zu bestimmten Vorgängen innerhalb eines Warenwirtschaftssystems und ist Voraussetzung für vollständig digitalisierte, weitgehend automatisierte Rechnungslegungs- und Zahlungsprozesse. Weiterhin betrachten die Firmen RTP als gute Gelegenheit für eine deutlich direktere nachgelagerte Kommunikation zwischen Verkäufer und Käufer von Waren und Dienstleistungen: 43 Prozent können sich beispielsweise vorstellen, Garantie- oder Rücksendeinformationen mit dem Datensatz zu transportieren.

Insgesamt beteiligten sich an dem Survey Unternehmen aus 20 europäischen Staaten, von denen zwei Drittel einen Umsatz von 50 Millionen Euro und mehr generieren. Einen Downloadlink zum kostenlosen Abschlussbericht „Request to Pay: What Corporates Want“ sowie weitere Informationen zu RTP finden Sie hier: https://www.ppi.de/payments/request-to-pay/success-story-eba-request-to-pay-survey/

Autoren: Eric Waller, Anuschka Clasen

Request to Pay – Revolution ohne Revolutionäre?

Eigentlich könnte am europäischen Zahlungsverkehrsmarkt Feierstimmung herrschen – schließlich ist am 15. Juni 2021 die erste konkrete Regelung für eine paneuropäische elektronische Zahlungsanforderung in Kraft getreten. Das SEPA Request to Pay (SRTP) Scheme Rulebook legt für alle teilnehmenden Finanzinstitute die Parameter fest. Ist dieses System einmal eingerichtet, schicken Firmen ihren Kunden einfach einen digitalen Datensatz mit den Forderungsdetails. Die Zahlungspflichtigen können die enthaltenen Informationen wie IBAN, Summe oder Verwendungszweck mit einem Mausklick in ihr Banking-System übernehmen und müssen die Transaktion dann lediglich noch autorisieren. 

Wenig Reaktionen

Experten sehen in RTP eine potenzielle Revolution des europäischen Zahlungsverkehrsmarktes. Allerdings fehlen für die Umwälzung bislang die Teilnehmer. Bestrebungen, Produkte auf Basis von RTP aufzulegen, sind kaum erkennbar. Stellt sich die Frage nach dem Grund für diese Zurückhaltung. Befürchten die Finanzinstitute mangelnde Nachfrage? Ist Ihnen die Implementierung zu kompliziert oder zu teuer? Und womit lässt sich den Banken helfen, wenn sie SRTP-Produkte starten wollen?

Interessenten gibt es genug

Die Nachfrage auf Seiten der letztlichen Adressaten, also der Privat- und Firmenkunden der Banken, ist zumindest auf Geschäftskundenseite vorhanden. Das zeigt eine Umfrage der European Banking Association (EBA) in Zusammenarbeit mit PPI eindeutig. Egal welches potenzielle Einsatzszenario bei europäischen Unternehmen abgefragt wurde, die Bereitschaft zur Anwendung von RTP in der eigenen Firma lag grundsätzlich bei deutlich über 80, teils über 90 Prozent.

Überschaubarer Aufwand

Natürlich ist ein neuer Zahlungsverkehrsstandard nicht umsonst und auch nicht über Nacht zu implementieren. Wird ein entsprechendes Projekt mit der klassischen Wasserfallmethodik angegangen, sind 18 bis 24 Monate Dauer anzusetzen. Mit modernen Mitteln wie einer agilen Entwicklung lässt sich dieser Zeitraum aber verkürzen. Wichtig ist dabei vor allem, eine klare strategische Vorstellung zu haben, was ein RTP-Produkt können soll. Außerdem muss dieses in die langfristige Geschäftsplanung des Finanzinstituts passen. Die tatsächlichen Kosten sind von den jeweiligen konkreten Gegebenheiten abhängig. Aber sie dürften ungefähr mit denen einer Instant-Payments-Einführung vergleichbar sein. Vorteile haben Institute, die diesen Service bereits eingeführt haben, denn damit sind einige für RTP wichtige Dinge schon erledigt. Sie müssen dann nur noch etwa 30 bis 40 Prozent des genannten Kostenrahmens ansetzen.

In jedem Fall dürfte sich die Investition recht bald amortisieren. Denn Produkte und Services rund um RTP stärken die Kundenbindung und können den Instituten helfen, Marktanteile zurückzugewinnen. Zumal bisher zumindest noch kein großer Player verkündet hat, in den Markt rund um RTP einzusteigen. 

Erste Projekte bald aufsetzen

Finanzdienstleister sollten das unbedingt ausnutzen. Für einen schnellen Markteinstieg sind Minimum Viable Products (MVP) geeignet. Eine Alternative dazu ist die Kooperation mit einem oder mehreren Geschäftskunden. Denn gerade Unternehmen müssten ein starkes Interesse an RTP haben, lassen sich durch die Nutzung des Standards doch erhebliche Summen bei den Rechnungsprozesskosten einsparen.

Über kurz oder lang wird eine ganze Produktwelt rund um RTP entstehen. Das ist absehbar! Institute, die frühzeitig in den neuen Markt einsteigen, können dieser Entwicklung mit freudiger Erwartung entgegensehen. Wir unterstützen Finanzdienstleister gerne bei der Implementierung. Die Grundlagen haben wir im aktuellen Whitepaper „Wie Request to Pay für Finanzdienstleister zur Erfolgsgeschichte wird“ zusammengefasst, das es hier zum kostenlosen Download gibt.

Autoren: Eric Waller, Anuschka Clasen

Unser Geld muss digitaler werden

 

Stellen Sie sich einmal folgendes Zukunftsszenario vor: In einem Betrieb geht ein ganz bestimmtes, nur bei einem Lieferanten im Ausland erhältliches Material aus. Spätestens 24 Stunden später muss Nachschub des Materials eintreffen, sonst steht die Produktion still. Dieses Problem wird von einem Computersystem bemerkt. Es bestellt vollkommen autonom beim System des Lieferanten neue Ware, die dort auch sofort auf den Weg gebracht wird – ebenfalls völlig automatisch. Zollanmeldung, Transportorganisation – alles funktioniert ohne menschliches Zutun. Beim Zoll scannt ein Computer die Ware, kommt anhand vorgegebener Parameter zu dem Schluss, dass alles seine Ordnung hat und fordert vom bestellenden Computersystem die Zollgebühren. Dieses würde sofort bezahlen – aber es kann nicht, jedenfalls derzeit nicht. Schließlich muss ein Mensch die Zahlung autorisieren, und auf dem normalen Weg dauert es mindestens einen Bankarbeitstag, bis der Zoll den Geldeingang registrieren kann.

Dieses Beispiel macht die Grenzen unseres aktuellen Zahlungsverkehrssystems deutlich: Verhältnismäßig lange Laufzeiten, komplizierte Autorisierungsverfahren und fehlende Delivery-versus-Payment-Funktionalitäten. War das in der Vergangenheit vielleicht noch akzeptabel, für die Zukunft ergeben sich dadurch ernsthafte Probleme. Denn die gehört – unter anderem – dem Internet of Things (IoT). Bereits 2025 werden geschätzt 75 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein.  Das Potenzial für neue Geschäftsmodelle ist riesig, egal ob es sich um automatische Zollabfertigungen ohne menschliches Eingreifen, nach tatsächlich gefahrener Nutzlast abgerechnete Mietgebühren für Landmaschinen oder den selbstständig bestellenden Kühlschrank handelt.

Aber: Viele dieser Geschäftsmodelle werden sich kaum realisieren lassen, wenn die derzeitigen Grenzen der Zahlungssysteme bestehen bleiben. Digitale Währungen können den Grundstein für die Automatisierung legen und diese Einschränkungen überwinden. Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt laut über die Einführung eines öffentlichen digitalen Euros nach, sprich einer digitalen Form von Zentralbankgeld, welches die finanzielle Inklusion fördern und dem Bürger als ein digitales und sicheres Zahlungsmittel zur Verfügung stehen soll. Aber selbst, wenn dies noch 2021 beschlossen werden sollte: Vor 2026 ist eine solche Währung auch nach Einschätzung des EZB-Direktors Fabio Panetta kaum Realität , zumal auch noch nicht feststeht, ob der digitale Euro die für IoT-Geschäftsmodelle notwendigen Eigenschaften aufweisen wird. Angesichts des Wachstums im IoT ist es zu spät und zu unsicher.

Die Lösung dieses Dilemmas liegt bei privaten Initiativen. Es gibt bereits heute schon die Möglichkeit, über eine technische Brückenlösung das SEPA-System mit einer Anwendung, die auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert, zu verbinden. Mit dieser Methode lassen sich beispielsweise Pay-per-Use-Lösungen umsetzen: Über das SEPA-System werden Zahlungen ausgelöst, und programmierbare Zahlungen können auf einer DLT abgebildet werden. Diese sogenannte Triggerlösung beseitigt aber die Limitationen von SEPA nicht. Denn nach wie vor wird die menschliche Autorisierung benötigt. Die Maschine oder das IoT-Gerät kann nicht selbstständig abrechnen. Der Systembruch bei der Zahlungsabwicklung kann vermieden werden, wenn ein digitales Zahlungsmittel direkt auf einer DLT emittiert und abgewickelt wird, anstatt über den konventionellen Zahlungsverkehr. 

DLT-basiertes digitales Geld muss nicht zwangsläufig von einer Zentralbank herausgegeben werden. Auch Banken oder Finanzinstitute können Lösungen für die sogenannten programmierbaren Zahlungen schaffen. Ein Beispiel hierfür sind eurobasierte Stablecoins – digitale Token, die mit einem bestimmten Geldwert unterlegt sind. Derzeit gibt es jedoch keine regulatorische Basis für Euro-Stablecoins. Zudem weisen diese Stablecoins ein hohes Gegenparteirisiko auf. Mit der geplanten EU-Richtlinie „Markets in Crypto-Assets“ (MiCA) dürfte sich das allerdings ändern und Stablecoins zu tokenisiertem E-Geld gemacht werden können. Eine Alternative ist tokenisiertes Giralgeld, das Banken emittieren könnten. Es hätte im Gegensatz zur Stablecoin den Vorteil, nicht zu 100 Prozent gedeckt sein zu müssen. Nach den derzeit geltenden Vorschriften wäre eine solche Währung aber dann auch nicht multibankfähig, was ganz erhebliche Einschränkungen mit sich bringt.

Wie auch immer die digitale Währung am Ende aussieht, sie wird kommen. Denn nur dadurch kann die deutsche Industrie von den Potenzialen des IoT in vollem Umfang profitieren. Gerade noch weitergehende Automatisierungen in der Warenlogistik oder immer stärker im Trend liegende Asset-as-a-Service-Modelle sind ohne vollständig autonome Zahlungen in Echtzeit kaum dauerhaft vorstellbar. Einzelheiten zu den Anwendungsfällen und weitere Details zu Konzeption digitaler Währungen können Sie im gemeinsamen Whitepaper „Der Zahlungsverkehr der Zukunft: Programmierbare Zahlungen im Bereich IoT“ nachlesen, das wir von PPI zusammen mit den Partnern Cash on Ledger, Digital Euro Association und Frankfurt School Blockchain Center verfasst haben. 

Zum kostenlosen Download geht es hier.

Autoren: Anja Kamping, Philipp Schröder


Kommt die perfekte Welle?

 

Beim Thema Outsourcing im Zahlungsverkehr fühle ich mich derzeit ein wenig an einen Surfwettbewerb erinnert, bei dem die Teilnehmer lange vergeblich draußen herumpaddeln und Ausschau nach der richtigen Welle halten. Für die ruhige See sorgten zum einen viele Finanzinstitute, die den Zahlungsverkehr als ihr Kerngeschäft ansehen und vor Auslagerungen im Zentrum der eigenen Geschäftstätigkeit zurückschreckten. Zum anderen war die Angebotsseite entsprechender Dienstleistungen bislang begrenzt – also Flaute auch hier. Ein komplettes Business Process Outsourcing (BPO) im Zahlungsverkehr bietet aktuell nur die Equens Worldline an. Das Betriebscenter für Banken (BCB), eine Tochter der Deutschen Bank, ist dabei, sich aus dem Markt zurückzuziehen.

Regulierung zwingt zu Veränderungen

Jetzt kommt allerdings Bewegung in die Brandung, sprich in den Markt. Da ist einmal der Veränderungsdruck. Der ist inzwischen immens, bedingt durch Regulatorik und technische Anforderungen. Nahezu ständig rollen neue Anforderungen seitens der Regulierungsbehörden auf die Finanzdienstleister zu. Diese umzusetzen, hält die IT-Abteilungen dauerhaft auf Trab, zumal es auch keine kleinen Aufgaben sind. Die meisten Neuregulierungen ziehen IT-seitig den gleichen Aufwand nach sich, der beispielsweise für die Implementierung eines neuen SEPA-Standards fällig wird. Darunter leidet das Kerngeschäft, zumal IT-Experten auch nicht gerade so zahlreich sind wie Sand am Strand, Personalaufstockungen also nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Technische Anforderungen übersteigen aktuelle Systemfähigkeiten

Dieser Mangel auf dem Personalmarkt spielt indirekt auch bei der zweiten Ursache der Veränderungsnotwendigkeit eine Rolle, dem technischen Druck. Die Forderungen an die Banken-IT haben sich grundlegend verändert. Gefragt sind inzwischen 24/7-Service und vor allem Echtzeitfähigkeit. Dieses „Instant“-Phänomen, Zahlungen jetzt und sofort ausführen und nachverfolgen zu können, stellt die IT-Infrastruktur der Banken vor gewaltige Herausforderungen. Je nachdem welche Legacy-Systeme noch arbeiten und in welchen Kopfmonopolen das entsprechende Wissen vorhanden ist, kann eine technische Outsourcinglösung wirtschaftlich immer charmanter werden – und es gibt noch weitere Strömungen Richtung Outsourcing.

Technologiesprünge beflügeln das Angebot

Auch die Angebotsseite sorgt für Wellen im Markt. Gerade Plattformlösungen, aber auch Konnektivitätstechnologien, haben in den vergangenen Jahren derartige Sprünge gemacht, dass eine Reihe von Anbietern in den Markt rund um das Zahlungsverkehrsoutsourcing einsteigt. In der Regel handelt es sich dabei um spezialisierte Dienstleister, beispielsweise Softwareanbieter wie wir von PPI für ein technisches Outsourcing oder Finanzdienstleister wie Broadridge für ein komplettes BPO. Letztere zum Beispiel setzen dafür auf ihre entsprechende Erfahrung im Wertpapiergeschäft auf. 

Die Regulierungsbehörden entdecken die Dienstleister

Erfahrung und Know-how sind wichtig, denn die Aufsicht zieht auch für externe Dienstleister für Zahlungsverkehr von Finanzinstituten die Zügel fester an. Banken sind durch bereits in Kraft getretene oder in Planung befindliche nationale und europäische Regelungen gezwungen, den Kreis der zu überwachenden Dienstleister auszuweiten, künftig sehr genau hinzuschauen und zu prüfen, inwieweit der Partner seine Leistungen tatsächlich garantieren kann. Das geht bis hin zu direkten Vorschriften für die Vertragsgestaltung. Anbieter von Outsourcinglösungen könnten demnächst zudem Besuch von den Behörden bekommen. Diese wollen künftig möglicherweise prüfen, inwieweit die Unternehmen die für Banken geltenden Regularien ebenfalls einhalten und ob sie in der Lage sind, ihre Zuverlässigkeitsgarantien auch zu erfüllen.

Wer nimmt die Welle mit?

Wie zu hören ist, haben erste Banken die stärkere Brandung bereits genutzt, um in Richtung Outsourcing zu surfen. Andere haben zumindest, um im Bild zu bleiben, bereits einen Fuß auf dem Board. Auch wenn viele Große der Branche auf den Ritt auf der Outsourcingwelle eher verzichten und viele öffentlich-rechtliche oder genossenschaftliche Player ohnehin bereits mit ihren Verbandsrechenzentren aufs Brett gestiegen sind, das Rauschen der Outsourcingwellen wird hörbarer. Wer nutzt ihre Energie?

Ihr
Hubertus von Poser

Bereit für den digitalen Euro?

Sie soll Bargeld ergänzen und der Bevölkerung sowie Unternehmen zugänglich sein: die neue, digitale Zentralbankwährung für den Euroraum oder besser bekannt als der digitale Euro. Nachdem die erste Folge unseres Blogs der Vorstellung der Central Bank Digital Currency (CBDC) gewidmet war, schauen wir uns in diesem Beitrag mögliche Implikationen an: Welche Anforderungen ergeben sich durch das Projekt „digitaler Euro“? Und was kommt auf Banken und Finanzdienstleister zu, wenn die EZB dieses Konzept Realität werden lässt?

Die EZB ihrerseits hat in ihrem Bericht „Report on a digital euro“ bereits grundlegende Anforderungen ausformuliert. Daraus lassen sich erste Tendenzen für Zahlungsverkehr und Banking ableiten.

  • Passend zum Standard: Die Ausgabe und Abwicklung des digitalen Euros soll kompatibel mit der bestehenden Zahlungsverkehrsinfrastruktur sein – also zu privaten Zahlungsverkehrsapplikationen, dem SEPA- und TARGET-System passen.
  • Zentral oder dezentral? Das ist die Frage: Ob die Ausgabe und Abwicklung über eine zentrale oder dezentrale Infrastruktur (z. B. über eine Distributed-Ledger-Technologie) erfolgen soll, ist noch offen.
  • Sicherheit ist ein Muss: Die Ausfallsicherheit der Abwicklungssysteme hat höchste Priorität. Auch die Services müssen Cyberangriffen standhalten können.
  • Breite Akzeptanz: Die digitale Währung soll im gesamten Euroraum verfügbar sein, potenziell natürlich auch außereuropäisch.
  • Leichterer Zugang zu Zahlungsmitteln: Der digitale Euro soll finanzielle Inklusion vorantreiben und ist auch für jene EU-Bürger gedacht, die keinen Zugang zu einem Bankkonto haben.
  • Richtige Kundenansprache: Intermediäre, wie Banken, sollen ihre Expertise nutzen, um ihren Kunden den Zugang zum digitalen Euro zu ermöglichen und zusätzliche Services rund um den digitalen Euro bereitzustellen.
  • Erfüllt die Regularien: Compliance und regulatorische Aspekte müssen erfüllt sein. Das reicht vom Anti-Money Laundering (AML) bis zur Payment Services Directive 2 (PSD2).
  • Nutzerfreundlich: Egal ob über eine App oder ein zusätzliches Endgerät: Für die Bürger muss der digitale Euro leicht verständlich und intuitiv zu benutzen sein. Natürlich soll der digitale Euro die Privatsphäre schützen und keine zusätzlichen Gebühren verursachen. Das neue Zahlungsmittel soll sowohl am Point of Sale als auch bei Zahlungen im Internet zum Einsatz kommen.

Big Agenda ohne Big Bang

Die Anforderungen machen klar, dass es um ein gemeinsames Großprojekt zwischen Banken, anderen Zahlungsverkehrsinstituten und der EZB geht, das nicht per Big Bang eingeführt werden kann, sondern in einem langfristigen, stufenweisen Prozess. Trotzdem ist dabei eine strategische Vorbereitung Gold wert. So steht ein Bündel von Fragen im Raum. Wenn sich die EZB für eine dezentrale Infrastruktur entscheiden sollte, wie wäre diese abzubilden? Funktioniert das über die bestehende Infrastruktur oder sind technische Vorbereitungen notwendig? Oder wird eine komplett neue Infrastruktur benötigt? Banken sollten auch analysieren, ob ihre Zahlungsverkehrssysteme den nötigen Reifegrad für die Abwicklung eines digitalen Zentralbankgeldes haben. Falls nicht, muss gegebenenfalls nachgesteuert werden. Das gilt auch für die nötigen User Interfaces, damit Privatverbraucher und Firmenkunden den digitalen Euro beziehen können. Außerdem sollten sich die Entscheider Gedanken über Prozesse und Design dieser Schnittstellen machen. Am besten immer mit dem EZB-Ziel vor Augen, dem Endverbraucher den Bezug des digitalen Euros so einfach wie möglich zu gestalten. Überlegungen sind auch für die Gestaltung des Bezahlvorgangs im Off- und Onlinehandel sinnvoll. Und: Wie kann der digitale Euro offline genutzt werden? Schließlich – und nicht zuletzt – gilt es darüber nachzudenken, ob sich mit dem digitalen Euro neue Geschäftsmodelle erschließen lassen. Es ist sicher von Vorteil, einen Plan parat zu haben, wenn die EZB das Startzeichen gibt.


Autor: Anja Kamping

Zeit des Umbruchs

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Umstellung auf ISO-20022-konforme Datenformate im Zahlungsverkehr kommt – wenn auch ein Jahr später. Und sie bringt weitere Veränderungen mit sich, nicht zuletzt bei SWIFT. Die dort geplante Transaction Management Platform (TMP) soll internationale Zahlungsflüsse transparenter und schneller machen. Aber sind solche zentralen Systeme auch sicher genug? Gibt es Alternativen? 

Zentrale Datenplattform als Entwicklungsziel

Zahlungsverkehrssysteme gehören zum Kern der Finanzinfrastruktur. Ein Ausfall wie bei TARGET2 im vergangenen Jahr wiegt schwer, die Aufregung darüber ist verständlich. Die Verschiebung der Umstellung auf ISO-20022-konforme XML-Datenformate im europäischen Zahlungsverkehr steht damit zwar nicht im Sachzusammenhang, gibt den Finanzinstituten aber natürlich zeitliche Spielräume. Die können sie brauchen, denn mit der Formatänderung wurden noch weitere Dinge ins Rollen gebracht. So hat SWIFT mit der TMP die Einrichtung einer zentralen Datenplattform für den Auslandszahlungsverkehr, basierend auf dem XML-Standard, angekündigt. 

Durch die zentrale Speicherung sämtlicher Transaktionsdaten können alle am Prozess Beteiligten jederzeit auf die Daten zugreifen. Für SWIFT ist das ein Paradigmenwechsel, weg vom reinen Informationsmittler hin zum vollgültigen Zahlungslogistiker. Die Plattformlösung bietet eine Reihe von Vorteilen:

  • Reduktion der Schnittstellen
  • keine Datenverluste zwischen den einzelnen Stationen
  • hohe Transparenz für alle Beteiligten
  • höhere Manipulationssicherheit
  • mehr Serviceangebote


Keine Einführung ohne Risiken

Allerdings birgt die Einführung der TMP auch einige Fallstricke. Da ist zunächst ein Ausfall des SWIFT-Netzwerks. Bei der zentralen TMP gingen im Extremfall sämtliche Aufträge eines bestimmten Zeitraums verloren. Bedenken der Banken, sich hier einen Single Point of Failure ins Haus zu holen, sind nicht völlig von der Hand zu weisen. Bei der Vertraulichkeit der Daten ist zu berücksichtigen, dass die Vereinigten Staaten schon direkte Zugriffsrechte auf den Datenbestand des SWIFT-US-Rechenzentrums verlangten. SWIFT baute als Reaktion darauf unter anderem einen Standort in der Schweiz auf.

Gibt es Alternativen zu SWIFT?

Im Prinzip ja – aber die Auswahl hält sich in Grenzen: Mögliche Kandidaten sind Internet-Zahlungsnetzwerke wie etwa Ripple. Erste Großbanken nutzen das System bereits probeweise. Noch nicht marktreif, aber in Zukunft auf jeden Fall eine mögliche Alternative stellen digitale Zentralbankwährungen dar (Central Bank Digital Currencies). Der E-Renminbi in China ist bereits in einigen Provinzen in der Erprobungsphase, die schwedische E-Krone hat unlängst den Testbetrieb begonnen. Die EZB dürfte mit dem digitalen Euro nachziehen.

Eine weitere Überlegung wert sind grenzüberschreitende Echtzeit-Bruttoabwicklungs¬systeme (englisch Real-Time Gross Settlement, RTGS). Allerdings kommen diese nicht eben häufig vor oder aber sind, wie SEPA, auf eine einzelne Währung festgelegt. Schließlich gibt es eigens als Alternative zu SWIFT aufgesetzte Kooperationen wie Support of Trade Exchanges (INSTEX). Dieses europäische System wurde eigens für den Handel mit dem Iran ins Leben gerufen. China ist mit CIPS einen ähnlichen Weg gegangen. Gänzlich anders, aber ebenfalls grundsätzlich auf der Kooperation der beteiligten Banken aufbauend, funktioniert Visa B2B Connect. In Europa ist der Service derzeit in ausgewählten Ländern verfügbar.

Aber selbst eine Lösung von SWIFT mittels einer der – raren – Alternativen befreit die Finanzinstitute nicht von der Verpflichtung, auf ISO-20022-konforme XML-Datenformate umzustellen. Gleichzeitig ist es für Banken ratsam, sich die durch TMP anstehenden Änderungen im Auslandszahlungsverkehr genau anzusehen und zu hinterfragen. In der Roadmap hin zu ISO 20022 ist durch die Verschiebung des Go-live-Termins etwas Zeit gewonnen – diese sollte jetzt sinnvoll genutzt werden!

Autoren: Sabine Aigner, Thomas Ambühler

Die europäische Retail Payments Strategy – eine kleine Erinnerung, was kommen wird

Die meisten von uns sollten es mitbekommen haben: Wer sich mit Zahlungsverkehr beschäftigt, kommt an der europäischen Retail Payments Strategy (RPS) nicht vorbei, die die EU-Kommission am 24.09.2020 veröffentlichte und in der sie Rahmenbedingungen für die zukünftige Ausrichtung des Zahlungsverkehrs in Europa kommuniziert. Das Papier ist lesenswert und enthält konkrete Handlungsempfehlungen und Ideen. Eine Strategie ist natürlich noch kein Gesetz. Es geht noch nicht um konkrete Regelungen oder Umsetzungstermine. Aber es ist absehbar, welche Änderungen früher oder später auf den Zahlungsverkehr zukommen. Es geht konkret um die nächsten 2-4 Jahre.
Die Retail Payments Strategy umfasst vier Säulen mit 17 Maßnahmen:

Die erste Säule beschäftigt sich mit digitalen und Instant-Zahlverfahren. Hier ist ein Punkt von besonders großer Bedeutung. Sollte die Verbreitung von Instant Payments (SCT Inst) bis Ende 2021 europaweit nicht ausreichend sein (sieht aktuell danach aus), wird es eine gesetzliche Verpflichtung geben, die das Angebot und die Akzeptanz von SCT Inst vorschreibt. Allerdings wünscht sich die EU-Kommission eine „SCT Inst Rückgabemöglichkeit“, um den Verbrauchern bei einer Überweisung ähnliche Rechte einzuräumen wie bei einer Kreditkartenzahlung (Chargeback). Des Weiteren soll es einen europäischen Standard für die Nutzung und Akzeptanz von Zahlungen mittels QR-Code geben, und eine digitale Identität soll gefördert werden. Auch soll die Akzeptanz bargeldloser Zahlungen ausgebaut werden.

In der zweiten Säule geht es um einen innovativen und wettbewerbsfähigen Zahlungsverkehrsmarkt. Hier ist die PSD2 als großer Punkt zu nennen. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der letzten Ergänzungen ist der erhoffte Erfolg noch nicht uneingeschränkt sichtbar. Diverse Interpretationen bilden eine Vielzahl von Hindernissen, die auch innerhalb einzelner Länder existieren. Hier ist eine Überprüfung der aktuellen Umsetzung bis Ende 2021 geplant. Das Ergebnis bzw. die Erfahrungen sollen bis Mitte 2022 in einen Vorschlag für ein Open-Banking-Framework einfließen. Ob das Werk dann PSD3 heißen oder einen anderen Namen bekommen wird, wird nicht entscheidend sein.
In der dritten Säule geht es um effiziente und interoperable Zahlungssysteme. Hier geht es um die technische Infrastruktur, die europaweit verfügbar sein soll. Grenzüberschreitende europäische Zahlungen, auch von Mitgliedsländern mit abweichender Landeswährung, sollen in Echtzeit möglich sein.

Die vierte Säule umfasst einen effizienten internationalen Zahlungsverkehr. Zum effizienten Zahlungsverkehr gehört u. a. die Nachverfolgbarkeit von Zahlungen, die mit SWIFT gpi bereits in der Umsetzung ist. Auch die Nutzung von einheitlichen und modernen Formaten trägt dazu bei und wird von der weltweiten Umstellung auf ISO 20022 bereits begleitet. Zahlungen in Drittländer sollen grundsätzlich schneller und komfortabler werden.

Es bleibt spannend, welche konkreten Maßnahmen nun folgen werden. Wir wissen alle, dass eine Regulierung nie mit den Entwicklungen im Markt mithalten kann. Mit Verabschiedung der PSD2 hat z. B. kaum jemand geahnt, welche Vielfalt Biometrie, Sprachassistenten und zahlende Gegenstände (Ringe, Uhren, Armbänder) bereits heute im Alltag einnehmen. Der Gesetzgeber kann den Markt nur durch Rahmenbedingungen steuern. Die Retail Payments Strategy zeigt ein paar interessante Rahmenbedingungen, der Inhalt folgt zeitnah.

Die Retail Payments Strategy der EU im Original finden Sie hier:
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:52020DC0592

Autor: Swaantje Anneke Völkel


Der digitale Euro soll wie Bargeld sein: sicher und anonym

Warum greift der Verbraucher zu Geldscheinen und Münzen, um zu bezahlen? Bargeld sorgt in erster Linie für Anonymität und Privatsphäre beim Bezahlvorgang. Vor allem in Deutschland genießt Bargeld nicht zuletzt aufgrund dieser Kerneigenschaften einen hohen Stellenwert als Zahlungsmittel. Die Coronakrise führt jedoch zu einem Umdenken in den Zahlungsgewohnheiten: Kontaktloses Bezahlen erfährt einen regelrechten Boom. In ihrer jüngsten Publikation „Report on a digital euro“ hat die Europäische Zentralbank (EZB) festgehalten, dass Bargeld zwar, vorrangig in Deutschland, noch das meistgenutzte Zahlungsmittel ist, dass aber ein deutlicher Trend zu mehr Nutzung von digitalen und innovativen Zahlungsformen erkennbar ist. Diese Veränderung im Zahlungsverhalten lässt sich nicht nur in Deutschland, sondern europaweit feststellen. 

Digitalisierung braucht digitales Geld

Der Zahlungsverkehr im Euroraum muss zukunftsfähig bleiben und auf kurzfristige Veränderungen reagieren können. Die Einführung einer „Central Bank Digital Currency“ (CBDC), eines digitalen Zentralbankgeldes, könnte ein wichtiges Sprungbrett sein, um Digitalisierung und Innovationen in der europäischen Gesellschaft auf ein neues Level zu heben. Die EZB definiert diesen digitalen Euro als ein elektronisches Abbild von Zentralbankgeld, das sowohl Bürgern als auch Unternehmen zur Verfügung stehen soll. Bargeld wird um den CBDC als weitere Zahlungsform ergänzt.

Die Ausgestaltung ist noch offen

Die EZB hat sich bezüglich der Ausgestaltung noch nicht festgelegt. Neben Überlegungen, welche Modelle möglich sind, hat die Zentralbank im oben genannten Bericht ihre (Schlüssel-)Anforderungen für eine solche CBDC definiert. In dem Bericht beschreibt die EZB, unter welchen Voraussetzungen die Einführung eines digitalen Euro notwendig ist und welche Ansätze zur Gestaltung möglich sind.

Feedback erwünscht

Eine breite Akzeptanz des digitalen Euros ist unabdinglich. Zur Beurteilung, wie die CBDC gestaltet werden sollte und welche Anwendungsfälle am besten geeignet sind, hat die EZB im Rahmen einer Online-Konsultation die öffentliche Meinung zu einem digitalen Zentralbankgeld in Europa eingeholt. Bürgerinnen und Bürger, Institutionen und Fachleute hatten die Möglichkeit, ihre Standpunkte und Lösungsvorschläge einzureichen. Das Feedback war enorm und zeigt das große Interesse an dem Thema: Über 8.000 Antworten gingen bei der EZB ein, erste Ergebnisse wurden bereits veröffentlicht. Demnach fordern mehr als jeder Dritte der Teilnehmer einen digitalen Euro, der die Privatsphäre bei Zahlungsvorgängen schützt. Ebenfalls ist der Wunsch nach Sicherheit und gesamteuropäischer Reichweite bei einer CBDC groß. Diese soll demnach die Kerneigenschaften von Bargeld widerspiegeln.

Entscheidung zur Jahresmitte

Weitere Ergebnisse der Befragung folgen im Frühjahr. Auf deren Basis sowie den Ergebnissen aus der vorangestellten internen Untersuchungsphase will die EZB Mitte dieses Jahres über den Start des Projektes zum digitalen Euro entscheiden.

Im Rahmen eines Online-Interviews auf „Reuters Next“ hat die EZB-Präsidentin Christine Lagarde mitgeteilt, dass sie von einer Einführung des digitalen Euros in den nächsten Jahren ausgeht – das neue Zahlungsmittel könnte also schon bald Realität sein.

Weiterführende Informationen:

Europäische Zentralbank: Report on a digital euro, Brüssel, Oktober 2020

Europäische Zentralbank: ECB digital euro consultation ends with record level of public feedback, 13.01.2021

Autor: Anja Kamping

Zahlungsverkehr 2021: Keine Atempause

Für die europäischen Zahlungsdiensteanbieter neigt sich ein herausforderndes Jahr dem Ende zu. Corona war auch hier das alles bestimmende Thema. Im Individualzahlungsverkehr, verstanden als Interbanken- und Auslandszah-lungsverkehr, ist Corona mitursächlich für die Verschiebung der TARGET2-Konsolidierung und der SWIFT ISO20022 Umstellung. Für den kartengestützten Zahlungsverkehr brachte die Pandemie negative, aber auch positive Effekte: Zum einen führte Corona zu einem massiven Schub an kartenbasierten und hier insbesondere kontaktlosen Transaktionen. Solch eine Entwicklung hätte normalerweise mehrere Jahre gedauert und zudem signifikante Marketinginvestitionen der großen Card-Schemes erfordert. Auf der anderen Seite erlitten viele Marktteilnehmer im Kartengeschäft coronabedingt massive Umsatzeinbrüche – insbesondere diejenigen, die stark im Bereich Gastronomie, Reisen und Events engagiert sind. 

Wer nun denkt, dass es in 2021 für die Zahlungsverkehrsbranche eine Atempause gibt, irrt. Schließlich gehen im kommenden Jahr gleich zwei konkrete Projekte live. Andere Vorhaben müssen schon vorbereitet werden, auch wenn der tatsächliche Marktstart erst 2022 oder später geplant ist. Zusammen mit den ohnehin schon gravierenden strukturellen Marktumbrüchen betrachtet, verdichtet sich der Eindruck, die Branche stehe vor einer Alpenüberquerung unter erschwerten Bedingungen.

Aber der Reihe nach: Unter den konkreten Themen des kommenden Jahres fällt die anstehende Einführung von Request to Pay (RTP) auf. Mit Start dieses Standards im Sommer 2021 wird der Zahlungsverkehr um einen wichtigen Bau-stein ergänzt (Siehe hierzu auch unser Whitepaper Teil 1 und Teil 2) . Viele Unternehmen drängen die Finanzdienstleistungsbranche seit Langem, mit dem Auf- und Ausbau von RTP zügig voranzuschreiten (Lesen Sie hierzu auch den Survey der EBA). Denn mit RTP werden Anwendbarkeitslücken in oder zwischen den existierenden Verfahren geschlossen. Dazu gehört die möglich werdende Verbindung von Rechnungs- und Zahldaten. Dies erleichtert die Abstimmungsprozesse im Rechnungswesen vieler Unternehmen erheblich. Oder die bisher fehlende Möglichkeit, Zahlungen am Point of Sales (POS) ohne Terminalstruktur elektronisch entgegennehmen zu können. Die Einrichtung eines POS wird mit RTP einfacher und mobiler. 

Zur weiteren Durchdringung von Echtzeitüberweisungen gemäß dem SCT Inst Scheme hat der EZB-Rat entschieden, dass alle in TARGET2 erreichbaren Zahlungsdienstleister, welche das SCT Inst Scheme gezeichnet haben, in TIPS (TARGET Instant Payment Settlement) erreichbar sein müssen. Entsprechend muss die Erreichbarkeit in TIPS entweder über eine direkte Teilnahme dort mit eigenem Konto oder über die Reachable-Party-Funktionalität gewährleistet sein. Darüber hinaus sollen alle ACHs (Automated Clearing Houses), welche Instant Payments anbieten, ihre technischen Konten von TARGET2 nach TIPS verlagern. Die Umsetzung der Beschlüsse ist für Ende 2021 vorgesehen.
Immerhin erfordern nicht alle 2021er-Themen von den Zahlungsdiensteanbietern eine derart große Betriebsamkeit: Die Anpassungserfordernisse aus den November-Changes des EPC sind eher überschaubar. Ob man das auch für die DFÜ- und SWIFT-Changes sagen kann, steht noch nicht fest. Es ist aber – zumindest für den reinen Zahlungsverkehr – sehr wahrscheinlich. Größere gesetzliche Fälligkeitsdaten stehen ebenfalls nicht an.

Aber es gibt natürlich noch all die Zahlungsverkehrsvorhaben, die in 2022 und den Folgejahren umgesetzt – und somit in 2021 vorbereitet – werden müssen. Eines der wichtigsten Projekte ist die weltweit anstehende Umstellung des Zahlungsverkehrs auf das ISO-20022-Format.
Im Individualzahlungsverkehr müssen beispielsweise die in 2022 anstehende TARGET2- und die in 2022 beginnende SWIFT-Umstellung vorbereitet werden. In beiden Bereichen stehen neben der reinen Formatumstellung umfangreiche Änderungen in den Abläufen an, wie etwa veränderte Zugangsmechanismen zu den entsprechenden Plattformen. Nach übereinstimmenden Schätzungen geht jedes dieser Projekte über die Dimensionen von SEPA hinaus. 

Im Massenzahlungsverkehr (SEPA) müssen sich Zahlungsdiensteanbieter für die in 2023 anstehende Umstellung der SEPA Schemes auf die (neuere) ISO-Version 2019 fit machen.
Angesichts der mit diesen Umstellungen verbundenen Kosten werden in 2021 Banken – vornehmlich Tier-2-Institute – die Abwicklung des Zahlungsverkehrs zunehmend auslagern oder zumindest Zahlungsverkehrssoftware „As a Ser-vice“ einkaufen. Die entsprechende Nachfrage ist bereits spürbar. Zudem dürften die Stimmen lauter werden, die nach günstigen, zentralen Angeboten für bankenübergreifende Services, wie beispielsweise Sanctions Screening oder KYC, rufen.
Schlussendlich müssen Banken und Finanzdienstleister 2021 Antworten auf anstehende strukturelle Marktumbrüche finden:

  • Die Weiterentwicklung der European Payment Initiative (EPI): Gelingt es, eine einheitliche, innovative gesamteuropäische Zahlungslösung als Alternative zu bestehenden internationalen Zahlungslösungen und -systemen zu schaffen?
  • Den weiter zunehmenden Druck von EU-Kommission und EU-Parlament auf die Interchange-Gebühren: Wie können Issuer auf eine mögliche „Zero-Interchange“-Regulierung reagieren? Wie sehen zukünftige Ge-schäftsmodelle aus?
  • Die sich andeutende Verpflichtung aller Banken durch den EU-Gesetzgeber, Instant Payments anzubieten sowie die stärkere Berück-sichtigung von Verbraucherinteressen in der Rückabwicklung von Instant Payments Zahlungen. Sind die bestehenden Verarbeitungssysteme in der Lage, die zusätzlichen Mengengerüste zu verarbeiten?
  • Die deutliche Konsolidierung von Abwicklungsdienstleitern, namentlich die Bildung zweier Konglomerate durch EquensWordline einerseits und NEXI/SIA/Nets andererseits: Was bedeutet das für die Zukunft von kleineren und mittleren Dienstleistern, insbesondere im Acquiring? 
  • Die zunehmende Verwischung der Grenzen zwischen kartengestütztem und klassischem Zahlungsverkehr, wie beispielsweise die Aktivitäten von Mastercard (über Vocalink) im Clearing klassischer Bezahlverfahren: Wird es langfristig eine weitere Clearinginfrastruktur im Massenzahlungsverkehr geben? 
  • Die anstehende Einführung von digitalem Geld, in Form von digitalem Zentralbankgeld aber auch in Form von Libra: Welche Auswirkungen hat das auf Bargeld oder kartenbasierte Zahlungen? Was bedeutet dies für die Rolle und das Geschäftsmodell von Banken?
  • Die Konsequenzen der zunehmenden Verbreitung des Internet of Things (IoT) für den Zahlungsverkehr. Nur mit vollkommen autonomen, unterbrechungsfreien Zahlungsströmen zwischen den verbundenen Geräten können die Potenziale des IoT gehoben werden (Vgl. unsere Studie zum Thema Internet of Payments). Wie können dabei Compliance-anforderungen und IT-Sicherheitsaspekte erfüllt werden? Wie müssen die Verarbeitungssysteme für zusätzliche Milliarden von Transaktionen aufgerüstet werden?

Am chinesischen Neujahrstag 2021 beginnt das Jahr des Büffels. Die chinesische Astrologie schreibt ihm Geduld und Fleiß zu. Er ist stark und überwindet alle Schwierigkeiten. Die Zahlungsverkehrsbranche kann ihn gut gebrauchen.

Autor: Hubertus von Poser (Head of Consulting Payments)

Request to Pay (RTP): Mehrwert für das Kundenerlebnis im E-Commerce?

Tag für Tag stöbern zahlreiche Kunden in Online-Shops und fügen unterschiedlichste Artikel ihren Warenkörben hinzu, um sie im besten Fall zu kaufen und somit zu bezahlen. Dabei ist der letzte Schritt der Customer Journey, der Checkout-Prozess, ein sehr sensibler Punkt im Online-Shopping. Der kaufwillige Kunde erwartet an diesem Punkt für ihn passende, möglichst einfache und intuitive Zahlungsmöglichkeiten. Daher gehört es zu den wichtigsten Aufgaben des Onlinehändlers, dem Kunden stets eine Vielfalt an Zahlungsmöglichkeiten anzubieten.

Laut einer Studie vom EHI waren die Zahlarten Kauf auf Rechnung, Paypal sowie Lastschrift die größten Umsatztreiber am deutschen E-Commerce-Markt im Jahr 2019. So betrug ihr Anteil insgesamt knapp drei Viertel des Umsatzes (Kauf auf Rechnung 32,8 %, Paypal 20,2 %, Lastschrift 18,3 %) (Quelle: https://www.ehi.org/de/studien/online-payment-2020/). Bei der Zahlart Kauf auf Rechnung versendet der Onlinehändler vor Bezahlung die bestellte Ware zusammen mit einer Rechnung an den Kunden. Der Kunde kann schnell auschecken und wird lediglich aufgefordert, die Rechnung innerhalb eines bestimmten Zahlungsziels an den Onlinehändler zu begleichen. Zudem kann er bis zum Zahlungsziel flexibel entscheiden, ob er die Ware wirklich behält und bezahlt. Auch die Zahlart Paypal punktet mit ihrem schnellen Checkout-Prozess. Der Kunde muss sich nur mit seiner registrierten E-Mail-Adresse anmelden und kann seinen Kauf abschließen. Die dritte Zahlart Lastschrift ist ein altbekanntes, gern genutztes Verfahren. Der Kunde erteilt dem Onlinehändler die Einwilligung, dass dieser den Rechnungsbetrag von seinem Bankkonto abbuchen darf. Weitere Schritte sind nicht erforderlich. 

Warum also sind genau diese Zahlarten so beliebt? Alle drei haben ähnliche Charakteristika: Sie überzeugen mit einer intuitiven Handhabung, der Möglichkeit eines schnellen Checkout-Prozesses, einer Zahlungsübersicht sowie einer breiten Händlerakzeptanz.

Jedoch endet der Prozess der genannten Zahlungsarten im Status quo mit dem Abschluss der Bezahlung. Zusätzliche Informationen wie Rechnungsstellung, Garantiescheine und Versandinformation (Trackingnummer) werden dem Kunden zeitversetzt über das Händlerportal oder in der E-Mail-Kommunikation zur Verfügung gestellt.

Schlussendlich fehlt es im heutigen Online-Shopping-Prozess oftmals an einer konsolidierten Sicht über die Zahlungsdetails zur bestellten Ware, der Rechnung, der Garantie sowie der Versandinformationen.

Kann Request to Pay das fehlende Puzzlestück für eine erfolgreiche User Experience im E-Commerce sein?

Mit einem Blick auf den konzipierten Request-to-Pay-Prozess lassen sich die Möglichkeiten eines ganzheitlichen Bestellprozesses im Banking-Ökosystem ableiten. Folgender Prozess kann mittels RTP angestoßen werden: 

Abbildung: RTP-Prozess (Quelle: Eigene Darstellung)

Nachdem der Kunde seine Bestellung im Onlineshop des Händlers bestätigt hat, wird eine elektronische Zahlungsaufforderung als RTP-Datensatz durch den Händler initiiert. Dieser wird automatisch zur Bank des Kunden und anschließend zum Kunden (Zahlungspflichtiger) gesendet. Dem RTP-Datensatz können initial Zahlungsinformationen wie beispielsweise Rechnungen und Versandinformationen beigefügt werden oder über einen Link am Datensatz dem Kunden zu einem nachgelagerten Zeitpunkt verfügbar gemacht werden.
Dabei bietet das RTP-Verfahren dem Kunden (nach Erhalt der Zahlungsaufforderung) flexible Handlungsmöglichkeiten, um seine Zahlung abzuschließen:

  • Jetzt akzeptieren und jetzt bezahlen 
    • z. B. Kauf eines Filmes in einer Online-Videothek, der direkt konsumiert werden soll
  • Jetzt akzeptieren und später bezahlen 
    • z. B. Kauf von Schuhen, die erst anprobiert werden sollen
  • Später akzeptieren und später bezahlen 
    •  z. B. Warenversand vor Zahlungsangabe. Erste Händler pilotieren derzeit den Versand der Ware (z. B. Bekleidung) an den Kunden, ohne dass dieser auch nur eine Zahlungsangabe tätigen muss. Erst nach einer gewissen Zeit fragt der Händler mit einer Zahlungsaufforderung Daten und Bezahlung an.

Sofern der Kunde die Zahlungsaufforderung nach Erhalt akzeptiert und direkt mit einem (Instant-)Payments-Auftrag bezahlt, sendet die Bank des Kunden eine direkte Zahlungsbestätigung an die Händlerbank. Von der Händlerbank erhält der Händler (Zahlungsempfänger) wiederum die Eingangsbestätigung. Damit ist der Prozess von der Zahlungsaufforderung bis hin zur Zahlung abgeschlossen.
Dieser „reine“ Zahlungsprozess bietet für den Konsumenten erstmal keinen erheblichen Mehrwert im Vergleich zu den drei oben genannten Zahlungsarten. Wird jedoch der Zahlungsprozess in der Banking-App um Zahlungsinformationen wie Rechnungen, Garantieschein und Versandinformationen ergänzt, wird das Banking-Ökosystem zum zentralen Archiv von Online-Bestellungen und schafft ein neues Kundenerlebnis.

Soll der Request-to-Pay-Prozess zu einem erfolgreichen Zahlungsprozess im E-Commerce werden, müssen darüber hinaus folgende Faktoren ineinandergreifen:

  1. Flächendeckende (Händler-)Akzeptanz von elektronischer Zahlungsaufforderung und Zahlung
  2. Einbindung des gesamten Prozesses in das vorhandene Banking-Ökosystem (Banking-App)
  3. Schaffung von Optionen für Teilzahlung sowie Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt
  4. Möglichkeit der Rückabwicklung bei z. B. Stornierung oder Paketverlus
  5. Erweiterung der Zahlungstransaktion um die Übersicht der Einkäufe unterstützt durch z. B. Rechnungshistorie, Versandnummern und Garantiescheinen

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren und im Zusammenhang mit Instant Payments kann Request to Pay das heute fehlende Puzzlestück für eine erfolgreiche User Experience im E-Commerce sein. Dabei gilt: Für eine erfolgreiche Implementierung wird eine ganzheitliche und kundenzentrierte Betrachtung vorausgesetzt.

Autor: Philipp Schröder

SWIFT gpi - von der Pflicht zur Kür

Zum November 2020 verlangt das SWIFT-Release für den Zahlungsverkehr ausnahmsweise mal keine Formatänderungen. Die wurden wegen COVID-19 auf nächstes Jahr verschoben. Aber die Forderung nach der sogenannten „Universal Confirmation“ im Rahmen von SWIFT gpi ist geblieben. Vereinfacht bedeutet das: Alle FIN-Teilnehmer müssen die Gutschrift im MT103-Format auf dem Konto des Begünstigten an SWIFT zurückmelden, und zwar an den Tracker. Auch Ablehnungen müssen so gemeldet werden, die eigentliche Rückgabe entfällt dadurch aber nicht. Also muss der Zahlungsverkehr wieder ein (regulatorisches) MUSS-Projekt stemmen, was weniger Ressourcen für Kundenprojekte bedeutet. Aber muss das so sein? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir uns erst einmal ansehen, was SWIFT gpi bedeutet.

Seit 2016 nimmt das Thema SWIFT gpi (global payment innovation) immer breiteren Raum ein. Kern ist eine eineindeutige Referenz, die UETR (unique end-to-end-reference), die der Zahlung am Anfang der Korrespondenzbankkette mitgegeben wird und über alle Stationen beibehalten wird. Damit ist ein Track & Trace“ von Zahlungen möglich, was schon lange im AZV (Auslandszahlungsverkehr) gefordert worden war. Die Informationen werden im Tracker gesammelt. Der Tracker ist eine zentrale Datenbank in der FIN-Wolke bei SWIFT, die die nötigen Informationen bei jeder Zahlung in FIN automatisch mitliest und durch weitere Meldungen der gpi-Banken vervollständigt wird.

Am Anfang gab es die UETR nur innerhalb der CUG (closed user group) der an der Initiative gpi teilnehmenden Banken, und das auch nur für Kundenzahlungen (MT103), der Standard-Service wird auch gCCT (gpi for Corporate Credit Transfer) genannt, der dann bald von gCOV ( gpi for Cover Payments) vervollständigt wurde. Seit 2018 sind alle FIN-Banken verpflichtet, die UETR nach den Kundenzahlungen (MT103) nun auch für Bank-Bank-Zahlungen (MT202/205) – also für alle Zahlungen – zu unterstützen. Erste positive Auswirkungen können vermeldet werden. Mit der UETR ist es nun möglich, Aussagen zu treffen wie z. B. „40 % aller gpi-Zahlungen sind innerhalb von 5 Minuten final“ oder „75 % aller gpi-Zahlungen sind innerhalb von 6 Stunden final“. Vorher gab es nur Beispiele für Zahlungen, die sehr spät (oder gar nicht) oder ohne Verwendungszweck, dafür mit hohen Gebührenabzügen (auch bei OUR) ankamen, was zu vielen Reklamationen mit entsprechenden Nachfragen führte. Eine etwas unerwartete Auswirkung der gpi-Einführung war der drastische Rückgang von Nachforschungsanfragen.

Eine gpi-Bank verpflichtet sich zur möglichst taggleichen Verarbeitung, zum Verzicht auf Gebührenabzug bei OUR, zur ungekürzten und unveränderten Weitergabe des Verwendungszwecks (analog wie bei SEPA) – eigentlich lauter Selbstverständlichkeiten – und natürlich zum (möglichst zeitnahen) Informationsaustausch nicht nur zum Status sondern auch über Gebühren und Kurse mit dem Tracker. Diese Informationen stehen dann der Zahlerbank als gpi-Bank zur Verfügung. Dadurch kann ein weiteres Manko des AZV – die fehlende Gebührentransparenz – abgebaut werden. Diese Vorteile und insbesondere diese Informationen können dann dem Zahler übermittelt werden.

Und dann noch das Thema Rückrufe. Wenn es mal Not tut, dann sollte eine Zahlung entlang der ausführenden Bankenkette auch noch zu stoppen sein. Aber so wie die Zahlung über die Kette schrittweise abgearbeitet wird, so wird auch die Rückrufnachricht je beteiligter Bank abgearbeitet. Hier setzt der gpi-Zusatzservice gSRP (gpi Stop and Recall Payments) an. Der Rückruf wird an den Tracker gemeldet und der nächste Versuch, eine Zahlung mit der betreffenden UETR an FIN zu geben, wird abgelehnt. Die lange Kette wird übersprungen.

Mit der „Universal Confirmation“ wird nun die Transparenz vervollständigt. Damit bekommt die Zahlerbank nicht nur die Info „Zahlung bei der letzten Bank in der FIN-Kette angekommen“, sondern den Status „Zahlung beim Empfänger angekommen“. So eine Quittung war bei der Definition von SEPA Instant Payments von Anfang an integraler Bestandteil, aber das war ja auch fast 50 Jahre nach den ersten SWIFT-Nachrichten.

Die FIN-Banken werden nun zur Meldung „Universal Confirmation“ verpflichtet. Das gilt nur für Kundenzahlungen (MT103), nicht für alle Zahlungseingänge (M202/205). Meldungen müssen auch für TARGET2-Eingänge abgegeben werden, denn die werden ja über FINCopy transportiert. Als „Goodie“ gibt es den (manuellen) Webzugriff auf diesen Tracker, der bisher überhaupt nur gpi-Banken zur Verfügung stand.

Für die Meldung zur „Universal Confirmation“ hat die Bank bis zu 2 Werktage Zeit (eigene Feiertage sind also ausgenommen). Dieses SLA wird auch gemessen und das Wohlverhalten anderen Banken angezeigt, was aber erst ab Mitte 2021 beginnen soll. Der Webzugang zum Tracker wird auch vom Wohlverhalten abhängig gemacht.

Banken mit kleinstem Volumen könnten eine manuelle Meldung im Tracker in Betracht ziehen. Für automatisierte Lösungen sollte z. B. die ZV-Plattform einen der von SWIFT angebotenen Wege (MT199 oder API) unterstützen. Zusätzlich gibt es eine sogenannte CSV-Lösung, bei der aus einem bestimmten CSV-Report im SWIFT-Interface dann entsprechende Meldungen an den Tracker erzeugt werden.

Also muss eine Non-gpi-Bank fast alles das erfüllen, was eine gpi-Bank auch erfüllen muss. Der fehlende Schritt ist nicht mehr groß, der Nutzen für die eigenen Kunden kann enorm sein. Und mit den Möglichkeiten für gpi bei Bank-an-Bank-Zahlungen (MT202/205 – gFIT genannt, das steht für Financial Institution Transfer service, eine Option für gpi-Banken) kann den bankinternen Abteilungen wie Treasury oder Geldhandel auch die Sicherheit „Zahlung ist angekommen“ gegeben werden.

Es kommt aber nicht darauf an, die Statusmeldungen aus dem Tracker für gesendete Zahlungen als Bank zu bekommen, sondern vielmehr darum, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten – im besten Fall die Quittung „Zahlung angekommen“ (inkl. der Information zu Gebühren und Umrechnungskurs) zur Verfügung zu stellen. Von der Minimalversion des manuellen Zugriffs in der eigenen (Firmenkunden-)Hotline auf den Tracker, über Self-Service-Angebote im Online-Banking-Portal bis hin zur aktiven Info durch Notification von Statusmeldungen an den Firmenkunden reichen die Servicelevel, die eine Bank bieten kann. Und das geht eigentlich nur, wenn man den Schritt von der „Universal Confirmation“ hin zum gpi-Standard-Service geht und sich für gpi entscheidet. Hieran werden sich Banken mit Firmenkundengeschäft in Zukunft messen lassen müssen.

Hier ist bereichsübergreifende Zusammenarbeit gefordert, die Leistungen können nicht allein von der ZV-Abteilung oder gar nur von der IT selbst erbracht werden, wie es oft bei „regulatorischen“ Projekten bei einem SWIFT-Release erwartet wird. Mit einer Beratung, die den Gesamtprozess im Blick hat, kann dies gelingen.

Zusammengefasst kann man also feststellen: Von der Pflicht zur Kür ist der Weg gar nicht so weit, die Aussichten auf zusätzliche Services für Firmenkunden und aber auch bankinterne Bereiche ist enorm.


Autor: Mario Reichel

ISO 20022 – trotz Verschiebung aktueller denn je

Die Entscheidung ist gefallen: Am 27.07.2020 hat sich die EZB dem Votum der Europäischen Bankencommunity angeschlossen und einer Verschiebung des Go-Live-Termins für die T2-T2S-Konsolidierung um ein Jahr auf November 2022 zugestimmt. Ebenso wurde auch der Migrationszeitpunkt für das Eurosystem Collateral Management System (ECMS) von November 2022 auf mindestens Juni 2023 verschoben.

Die europäischen Banken hatten sich in der im Mai durchgeführten Umfrage dafür ausgesprochen, die Migration zu verschieben. Gründe hierfür sind neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie vor allem die von SWIFT bereits verkündete Verschiebung der ISO-Migration für die Cross-Border Payments (AZV). In vielen Banken laufen beide Migrationsszenarien in einem Projekt zusammen, da eine Trennung zwischen dem Zahlungsverkehr über TARGET2 und dem Auslandszahlungsverkehr schlicht nicht möglich ist. Gerade große Banken, die ein umfangreiches Korrespondenzbankgeschäft betreiben, sahen große Risiken bei einem Auseinanderlaufen der Migrationstermine. Mit dieser Entscheidung wurden nun beide Termine wieder synchronisiert. Auch EBA-Clearing hat sich angeschlossen und ihre Migration auf 2022 verschoben.

Die Erleichterung um die Verschiebung war sicher groß – doch was bedeutet diese Entscheidung jetzt für die Banken und ihre Projekte? Das, was jetzt am allerwenigsten passieren darf, ist, dass sich Banken zurücklehnen und ihre Projekte herunterfahren, da ja jetzt noch ein Jahr länger Zeit ist für die Umsetzung. Das wäre zum derzeitigen Zeitpunkt die schlechteste Lösung. Viele Banken haben den Aufwand, den die TARGET2-Umstellung mit sich bringt, unterschätzt. Vielmehr bietet die Verschiebung jetzt die Gelegenheit, mit voller Kraft in den Projekten weiterzumachen, um die verlorene Zeit aufzuholen. Sich zurückzulehnen und wohlmöglich erst Anfang 2021 dort weiter zu machen, wo man jetzt aufhört, ist keine Option. Auch ist zu beachten, dass die Startphase der User-Tests nur um neun Monate von März 2021 auf Dezember 2021 verschoben wurde. Ein Freisetzen von externen Ressourcen wird dazu führen, dass die Leute, die bisher in den Projekten gearbeitet und sich Wissen angeeignet haben, nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Auch ist zu bedenken, dass die Spezifikationen, die in diesem Jahr bereits zwei neue Anpassungen erfahren haben, weiterhin angepasst werden. Der EZB liegen noch Change Requests vor, die für die Migration im November 2021 nicht im Fokus lagen. Mit der Verschiebung wird sich dies sicher ändern. Es ist zu erwarten, dass mit den neuen UDFS im November weitere Funktionalitäten angeboten werden, die zu bewerten und zu implementieren sind.

Auch das Zielbild von SWIFT ist noch nicht klar definiert. Bisher ist bekannt, dass eine Transaction Management Plattform gebaut werden soll, die als zentraler „Hub“ den Auslandszahlungsverkehr bewältigen soll. Hierzu gibt es noch keine öffentlich bekannten Spezifikationen. Zudem werden derzeit auch neue ISO-Nachrichtentypen definiert, beispielsweise für Gebühren und Schecks, die zusätzlich zu betrachten und umzusetzen sind. Somit ist in der bevorstehenden ISO-Migration weiterhin viel Bewegung und Unsicherheit vorhanden. Darf man sich da nicht sogar die Frage stellen, ob es bei SWIFT nicht sogar zu einer weiteren Verschiebung kommen wird? Wie sähe dann eine Reaktion der EZB aus? Kann es auch bei TARGET2 noch zu einer weiteren Verschiebung kommen oder würde man dann ein Auseinanderlaufen der Migrationstermine in Kauf nehmen? Wie geht man mit Änderungen bei bereits harmonisierten Nachrichtenformaten, etwa pacs.004, um?

Doch damit nicht genug, sorgt auch die Entscheidung der EZB bezüglich Instant Payments für Aufsehen. Basierend auf Diskussionen mit Marktteilnehmern der AMI-Pay hat der EZB-Rat beschlossen, dass zum einen alle in TARGET2 erreichbaren PSPs, welche das SCT-Inst Scheme (also Instant Payments) gezeichnet haben, in TIPS erreichbar sein müssen. Zum anderen sollen alle ACHs, die Instant Payments anbieten, ihre technischen Konten von TARGET2 nach TIPS verlagern. Die Umsetzung ist für Ende 2021 vorgesehen. Damit wird seitens der EZB TIPS quasi verpflichtend für die Teilnehmer gemacht, die heute bereits am Verfahren Instant Payments teilnehmen. Das hat insoweit Bedeutung, da ein Großteil der Banken heute das RT1-Verfahren der EBA nutzen.

Auch wurde bislang nur die Entscheidung getroffen und verkündet. Weitergehende Beschreibungen wie beispielsweise technische Details sind noch offen und werden irgendwann später veröffentlicht. Dazu muss man sich auch die Frage stellen, wie ein zukünftiges Preismodell aussieht, insbesondere falls Gebühren für cross-ACH-Transaktionen erhoben werden. Wie kann ein Transaktionsentgelt aussehen und welche Auswirkung hat das auf die Preisgestaltung der Clearinghäuser? Ebenso stellt sich die Frage, ob für das Settlement der Positionen etwa von RT1 ein erhöhtes Settlementrisiko besteht, da mit TIPS ein weiterer Teilnehmer in der Kette einzubinden ist.

Damit nicht genug, stellt auch SEPA - nach den kürzlich veröffentlichten Plänen des EPC - in 2023 auf die neue ISO-Version 2019 um. Der derzeitige Abstand von einem Jahr zur Migration von TARGET2 und SWIFT mag lange erscheinen, aber auch hier müssen im Vorfeld die Spezifikationen gelesen werden, Fachkonzeptionen erstellt und Systeme vorbereitet werden. Trotz der jetzt bekannten Verschiebung auf 2023 ist auch diese Migration nicht zu unterschätzen und wir empfehlen, sich mit diesem Thema so früh wie möglich zu beschäftigen.

Wie man sieht, kommen in den nächsten drei Jahren sehr viele Themen rund um ISO 20022 auf die Banken zu und jede Bank ist gut beraten, die gewonnene Zeit durch die Verschiebung für eine Neupriorisierung zu nutzen. Hierfür ist ein sehr spezifisches Know-how gefragt, und man sollte sich nicht kurzfristigen Budgetüberlegungen hingeben und Ressourcen freistellen, die dann 2021 wieder dringend benötigt werden.

Autoren: Sabine Aigner, Thomas Ambühler

EBICS und VEU: Schwächen bei Gehaltszahlungen mit vertraulichen Informationen

Die Verteilte Elektronische Unterschrift (VEU) ist seit vielen Jahren eine wichtige Funktion, um Zahlungen von unterschiedlichen Personen selbst an unterschiedlichen Orten einreichen und freizeichnen zu lassen.
Die im EBICS-Protokoll dafür vorgesehenen Auftragsarten und deren fachlicher Inhalt erlauben eine Freigabe auf Basis der Gesamtdatenlage – über den Dateibegleitbeleg – oder gar auf Basis der inhaltlichen Zahlungsdaten. Dafür liefern EBICS-Server die wichtigsten Informationen für jede der enthaltenen Einzelzahlungen bereits in aufbereiteter Form. Ein Kundensystem, das diese Daten anzeigen soll, muss dazu nicht mal das konkrete Zahlungsformat kennen. Das macht die Software so komfortabel. Ausnahmsweise lässt sich sogar eine komplette Zahlungsdatei übermitteln. Doch gerade bei großen Sammelzahlungen stellt das den gerade beschriebenen Komfort wieder in Frage.
In der Zahlungsverkehrspraxis kommen nicht nur einfache Zahlungen und Lastschriften in die VEU-Mappe, sondern auch Sonderzahlungen mit sehr persönlichen Daten, die besonders zu schützen wären. Dazu gehören etwa Pensionszahlungen, Gehaltszahlungen sowie Bonuszahlungen und Gratifikationen, die nicht für die Allgemeinheit und erst recht nicht für die Einsichtnahme durch die Belegschaft eines Unternehmens bestimmt sind.
Genau an dieser Stelle wird eine Schwäche der EBICS-Spezifikation deutlich: der GVC oder PurposeCode, der festlegt, um was für eine Art Zahlung es sich handelt, fehlt, wenn die Einzelzahlungen übertragen werden. Die von Kunden eingesetzten EBICS-Produkte sind deshalb gar nicht in der Lage, selbst wenn die Unternehmen das wollten, vertrauliche Daten in einem Zahlungsauftrag zu schützen. Der Software fehlt das Kriterium, um zu entscheiden, ob Zahlungsdetails angezeigt oder ausgeblendet werden müssen.
Ohne eine Kennung im konkreten Zahlauftrag ist es nicht möglich, vertrauliche von normalen Zahlungen zu unterscheiden. Damit ist die VEU im Prinzip ungeeignet, um etwa Gehaltszahlungen zu prüfen und per VEU freizugeben, weil nicht auszuschließen ist, dass nicht berechtigte Mitarbeiter einen Blick auf die möglicherweise vertraulichen Informationen werfen.
Die EBICS-Gesellschaft sollte sich deshalb beim XML für den HVT eine Erweiterung überlegen, mit der künftig auch diese wichtigen Informationen für die Art der Zahlung übermittelt werden. Solange dies nicht geschieht, lässt sich die VEU für Gehaltszahlungen nur eingeschränkt nutzen.

Autor: Michael Schunk

All goes ISO 20022

Mit dem Titel wird der allgemeine Wechsel auf ISO 20022 im gesamten Zahlungsverkehr sowie im dazugehörigen Reporting bezeichnet. An dieser Stelle hat mein Kollege René Keller über die Pläne von TARGET2 und SWIFT geschrieben, nun auch auf den schon aus SEPA bekannten ISO-20022-Standard im Individual- und Auslandszahlungsverkehr zu setzen. Die dort beschriebenen Änderungen, insbesondere im Interbanken-Zahlungsverkehr, wirken sich nun auch auf die Kunde-Bank-Schnittstelle aus.

So wie sich Corona an vielen anderen Stellen negativ auswirkt, so finden sich die Folgen auch hier in verschobenen Zeitplänen. Die Änderungen kommen – allerdings etwas später. Die Zeit sollte gut genutzt werden, denn es handelt sich hierbei nicht um reine IT-Themen, sondern mit der neuen Sprache verändern sich viele Prozesse im Zahlungsverkehr und im angrenzenden Umfeld grundlegend und die Auswirkungen sind in der gesamten Architektur zu berücksichtigen. Das gilt für Banken und auch für Firmenkunden, die einige Änderungen in den kommenden Releases bewältigen müssen. Die Informationen liegen in den Ankündigungen nun in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen vor, reichen einige Jahre in die Zukunft, sind aber auch nötig.

An manchen Stellen wird das Argument „die anstehenden Änderungen sind doch gar nicht so massiv, mit SEPA ist uns das XML-Format doch bekannt“ ins Feld geführt. Wenn das bei SEPA verwendete Format „gut bekannt“ ist, dann ist das eine sehr gute Ausgangsbasis, um sich auf die Änderungen vorzubereiten. Es geht aber um weit mehr. Zum einen steht für SEPA ein Release-Sprung an, zum anderen gibt es gerade im Individual- und Auslandszahlungsverkehr eine ganze Reihe von Besonderheiten, die im Massenzahlungsverkehr so gar nicht vorkommen. Darüber hinaus kommt aus regulatorischen Gründen der Wechsel auf strukturierte Adressangaben. In der Summe der Änderungen liegt die Herausforderung.

camt.053 – Versionsänderung

Mit der Einführung von SEPA und dem europaweiten einheitlichem Format auf der Basis von ISO 20022 wurde auch der Kontoauszug camt.053 neben dem bisher üblichen MT940 eingeführt. Für SEPA-Zahlungen das ideale Format, denn nun konnten Daten aus einem einheitliche Datenlexikon (data dictionary) über pain (Kunde-Bank) und pacs (Interbank) auch als Kontoauszug transportiert werden. Aber neben den Buchungen im Massenzahlungsverkehr gab es auch noch den Individual- sowie den Auslandszahlungsverkehr. Aus diesem Grunde (und verschiedensten anderen) blieben gar nicht so wenige Unternehmen bei dem altbekannten Format.

Die Einführung von ISO 20022 im gesamten Interbanken-Zahlungsverkehr erfolgt nun aber auf einem aktuellen ISO-Release, dem von 2019. SEPA nutzt immer noch das ISO-Release von 2009. Wie bei jedem Standard gibt es auch bei ISO 20022 natürlich diverse Gründe für die Weiterentwicklung des Formats, und die wird es auch weiterhin geben. Es werden neue Felder eingeführt oder Codewörter erweitert werden. Der Kontoauszug, der all die neuen Informationen an den Endkunden ohne Datenverlust weitertragen soll, muss sich also auch dem neuen Standard fügen, und so ist für camt die Umstellung vom camt.053.001.02 auf das neue Release camt.053.001.08 unumgänglich (analog für camt.052 und camt.054). Durch die frühzeitige Information von Firmenkunden ist hier nun auch ausreichend Zeit für oftmals längere ERP-Releasezyklen gegeben. Zumal auch damit zu rechnen ist, dass mit einer Verschiebung der TARGET2-Umstellung auf ISO 20022 auch die Umstellung hier verschoben werden wird.

MT940-Abkündigung

SWIFT wird die MT-Nachrichten der Kategorie 1,2 und 9 zum November 2025 im Interbankenverkehr einstellen. An der Kunde-Bank-Schnittstelle (insb. bei SCORE) soll diese Einschränkung nicht gelten, hier sind die Banken weltweit in ihrem Service nicht gezwungen, MT101 oder gar MT940 abzuschalten. Aber die DK hat dies für unseren „Multibank-Standard“ beschlossen – und das ist gut so. Wer als Bank möchte, darf ja noch MT940 anbieten, aber die Vorteile der neuen Sprache liegen schon auf der Hand: Ganze XML-Strukturen können von pain über pacs zu camt ohne Konvertierung transportiert werden. Da ist die Analogie von Containern in der Logistik schon naheliegend. Und in diese Vorteile hinein sollten alle Firmenkunden hinein„gedrängt“ werden.

DTAZV wird pain.001

Mit der Einführung von pain.001 als Kundenauftrag für eine SEPA-Überweisung war schnell die Frage aufgeworfen: Warum kann man dieses Format nicht auch für Währungszahlungen benutzen? Zur harmonisierten Nutzung dieses globalen Standards hat sich dann alsbald die Initiative CGI-MP (Common Global Implementation – Market Practice) aus Corporates, Banken und Herstellern gefunden, um eine harmonisierte Belegung festzulegen. Die CGI-Version von pain.001 beruht aber wie die SEPA-Version auf dem ISO-Release 2009 – also pain.001.001.03. Die CGI-MP arbeitet an einer neuen Version (ISO-Release 2019) der harmonisierten Belegung. Die neue AZV-Einreichung in der Anlage 3 wird auch nach ISO 2019 erfolgen – somit pain.001.001.09.

Und wie so oft, liegt in dem Wechsel auf „alles in ISO 20022“ auch eine große Chance. Durchgehende Prozesse auf der gleichen Datenbasis, die ohne Konvertierungen bewältigt werden können. Die Basis für eine weitergehende Digitalisierung sind nun einmal Standards, mit „alles in ISO 20022“ ist ein durchgehender Standard gegeben, der auch für angrenzende Prozesse „Exception & Investigation“ (Rückfragen), Avise, Bankentgeltnachrichten (Bank Service Billing camt.086) sowie auch im BAM (Bank Account Management) als eBAM-Nachrichten genutzt wird. Da ist dann wiederum Zahlungsverkehr (inkl. Kontoauszug) nur ein kleiner Ausschnitt im gesamten ISO-Universum.


Autor: Mario Reichel

SEPA 2.0: Durch das ISO 20022-Update droht eine 3-fach-Migration

SEPA und der zugrunde liegende ISO-20022 Standard können durchaus als Vorreiter der globalen ISO-20022-Initiativen gesehen werden. Schon frühzeitig stellten sie sich als das Regelwerk für viele unterschiedliche Zahlungsverkehrsformate in der Eurozone dar und bedienten sich dabei eines einheitlichen Formatstandards, um eine grenz- und systemüberschreitende Interoperabilität zu ermöglichen. Trotz einiger lokaler Dialekte hat SEPA über die Jahre - nicht zuletzt durch Angleichungen der nationalen Besonderheiten an eine einheitliche EPC-Vorgabe - eine durchgängige Ende-zu-Ende-Zahlungsverarbeitung ohne Medienbrüche und Konvertierungen ermöglicht. Ende-zu-Ende bezieht sich in diesem Fall nicht nur auf das Interbankenverhältnis, sondern auch auf jenes vom Auftraggeber bis hin zum Empfänger. Ermöglicht wird dies durch die konsequente Nutzung des einheitlichen Datenlexikons (data dictionary) im ISO-20022-Formatstandard, das eine einheitliche Basis für den Datenaustausch darstellt, indem es Datenelemente aus der Kunde-Bank-Nachricht (pain ) in die Interbankenebene (pacs) bis hin zur Bank-Kunde-Sphäre (camt) ohne Konvertierungen transportiert.

Wo sich SEPA weiterentwickelt, z. B. durch die Einführung von Instant Payments, hinkt der für SEPA verwendete ISO-20022-Standard noch immer hinterher: nämlich auf der vom EPC definierten Basis von 2009. Da sich auch dieser ISO-Standard stetig weiterentwickelt, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, plant die für die Weiterentwicklung des SEPA Schemes zuständige Arbeitsgruppe des EPC die Migration aller Schemes (SCT, SCT Inst, SDD Core, SDD B2B) auf die Version 2019 des ISO-20022-Standards. So soll der Wechsel in 2020 angekündigt und im Rahmen einer Big-Bang-Umstellung (der Interbanken-Formate) zum November 2022 final gültig werden. Diese Änderung befindet sich derzeit als Major Change Request neben weiteren in einer Öffentlichen Konsultationsphase, um Anmerkungen aus dem Kreis der an der Konsultation teilnehmenden Parteien einzufordern.

Als einer der Gründe, warum dieser CR als wichtig angesehen wird, gilt die zukünftige Unterstützung von Request to Pay, die mit der derzeitigen ISO-Version nicht möglich ist, da zukünftig benötigte Elemente im Format nicht vorhanden sind. Aber auch für andere zukünftige Entwicklungen ist ein aktueller Stand des ISO-Standards erforderlich, insbesondere auch vor dem Hintergrund der TARGET2- und SWIFT-MX-Migrationen, die ebenfalls die Version 2019 des ISO-Standards zugrunde legen.

Gute Nachrichten hierbei: ISO 20022 ist ein in der SEPA-Welt bereits etablierter Standard. Anders als bei der SEPA-Einführung muss hier kein neues Format eingeführt werden und es müssen auch keine Altformate im großen Stil abgelöst werden. Vorhandene Systeme müssen „nur“ angepasst und mit den Änderungen, wie z. B. neuen Datenelementen, umgehen lernen. Dennoch besteht die Herausforderung darin, eine Big-Bang-Migration mit Auswirkungen auf den Interbanken-Zahlungsverkehr sowie Formate an der Kunde-Bank-Schnittstelle zu meistern.

Schlechte Nachrichten: Aufgrund aktueller Entwicklungen fällt nun das SEPA-Umstellungsdatum mit dem Beginn der Umstellungsphase von SWIFT MT auf MX zusammen. Den ursprünglichen Ansatz, das Umstellungsdatum für die SEPA-Umstellung auf 2022 zu legen, hatte man deswegen gewählt, um die drei großen Migrationen – TARGET2, SWIFT MX und SEPA ISO20022 Version 2019 – nicht nahezu zeitgleich durchführen zu müssen und den dafür erforderlichen Aufwand zu entzerren. Sollte nun auch TARGET2, wie erste Forderungen aus dem Markt vermuten lassen, eine Verschiebung der geplanten Big-Bang-Migration um ein Jahr vornehmen, fallen nun doch wieder sämtliche Migrationen zeitlich zusammen, was die betroffenen Finanzdienstleister vor große Herausforderungen stellt und den ursprünglichen Ansatz der Entzerrung zunichtemacht. Die Schuldfrage hierfür ist schnell beantwortet: die globale Corona-Pandemie, die unser Leben und die Wirtschaft derzeit vor harte Prüfungen stellt.

Banken und Kreditinstitute sind in dieser Situation aufgefordert, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten und sich auf die anstehenden Änderungen einzustellen. Wir werden die weitere Entwicklung ebenfalls eng begleiten und nach Abschluss der Marktkonsultation weiter über die SEPA-ISO-Änderungen berichten.

Autor: René Keller

eBAM – Baustein der Digitalisierung

Krisen sind auch ein Katalysator des Fortschritts. Die aktuelle Corona-Krise ist wohl sicherlich deshalb anders als viele davor, weil sie ins Digitale zwingt – von Homeschooling bis Homeoffice werden viele Aktivitäten jetzt mit Hochdruck in vielen Aspekten neu gedacht. Da werden Lücken offenbar, die in einer analogen Welt ohne Kontaktsperren und andere Restriktionen nicht so wahrgenommen werden. Antragsprozesse, Autorisierungen und Freigaben sind ein Teil davon.

Und wenn wir hier im Blog über Cash-Management-Lösungen sprechen, dann gehört für mich das Thema „Kontoverwaltung“ (Bank Account Management) auch dazu. Darunter sind nicht nur der Austausch von Nachrichten an der Kunde-Bank-Schnittstelle zu verstehen, sondern es geht von der Verwaltung von Bank- und Kontostammdaten und deren Zeichnungsberechtigungen (nicht nur die digitalen) sowie alle zugehörigen Dokumente über die Prozesse im gesamten Kontolebenszyklus bis hin zur leidigen Saldenbestätigung. Da spielen alle Anforderungen im Bereich KYC sowie Autorisierungen und digitale Identitäten hinein.

Das Thema könnte schon lange in Richtung eBAM – also Electronic Bank Account Management – in die digitale Welt überführt worden sein. Standardisierung tut hier not – das beginnt schon in der Schreibweise. EBAM oder eBAM oder e-BAM?

Die Zeit ist reif – viele Bausteine sind vorhanden. Einige Hersteller im Bereich Cash Management beziehungsweise Treasury bieten Module insbesondere für die Verwaltung der Daten auf der Firmenkundenseite an. Es gibt schon Erfolgsmeldungen für erste rein digitale Kontoeröffnungsprozesse. Auch zu KYC und dem Bereich der digitalen Identitäten gibt es erfreuliche Entwicklungen. Sogar die Nachrichten an der Kunde-Bank-Schnittstelle in XML nach dem Standard ISO 20022 sind im Prinzip vorhanden. Eine Arbeitsgruppe der CGI-MP (common global implementation – market practice) – eine globale Initiative von Corporates, Banken und Herstellern zur Harmonisierung der Nutzung von ISO 20022 an der Kunde-Bank-Schnittstelle diskutiert die Weiterentwicklung des Standards. Und Standards sind die Grundlage für die Digitalisierung. Das schafft Sicherheit bei Herstellern und Nutzern.

In Deutschland haben wir die lange Tradition des Standards Multi-Banking in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen gepflegt – Multi-Banking im Sinne von „in einem Standard viele Banken erreichen“. Inzwischen sind hier beispielsweise mit dem Thema Bankentgeltnachrichten (BSB – bank service billing) auch optionale Themen möglich, also nicht jeder muss das Thema unterstützen – aber wenn, dann bitte im Standard. Und für so eine Option zum Thema eBAM möchte ich plädieren. Für EBICS ist es ein Leichtes, die XML-Nachrichten in der Nachrichtengruppe camt (account management) zu transportieren - es müssen halt die (harmonisierten) Standards vereinbart werden. Und mit dem einfachen Use Case der Übersicht von Zeichnungsberechtigungen ist in EBICS mit der Auftragsart HKD schon mal ein Anfang gemacht, aber – siehe oben – eben nicht vollständig.

Natürlich muss der Anteil Kunde-Bank-Kommunikation von eBAM nicht über EBICS realisiert werden, auch SWIFT als Transportweg ist möglich. Selbst APIs eröffnen viele Möglichkeiten. Die Grundlage sollte unabhängig vom Kanal eine Standardisierung der Inhalte (XML im Gleichklang zu json) und der Basisprozesse sein. Und für die Inhalte im Format XML nach ISO 20022 sollte ein weiteres Kapitel in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen zu schaffen sein.

Auf dieser Grundlage können dann die oben genannten Hersteller ihre Produkte im Sinne „Multi-Banking“ erweitern und Banken neue Services für viele Kunden mit gleichartigen Systemen anbieten, und diese Services passen sehr gut in eine digitale Welt.


Autor: Dr. Mario Reichel

Maschinen bezahlen Maschinen: Wie Maschinenökonomie den Zahlungsverkehr verändert

Die Maschinenökonomie (Internet of Things) wächst rasant. Immer mehr Maschinen und Geräte werden miteinander vernetzt. Im Jahr 2025 sollen es weltweit schon 75 Milliarden Geräte sein. Laut den Zahlen des amerikanischen IoT-Anbieters BizIntellia tragen Lösungen rund um das IoT bis zum Jahr 2030 insgesamt gut 14,2 Billionen Dollar zum weltweiten BIP bei.


IoT bestimmt künftig also einen immer größeren Teil unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Damit stellt sich auch die Frage, wie sich IoT auf das Bezahlen auswirkt und welche Potenziale darin stecken, wenn auch Machine-to-Machine-Payments (M2M-Payments) integriert wird.

Wie laufen IoT und Zahlungsverkehr zusammen? Maschinen erhalten die Möglichkeit, neben Identitäten und Informationen auch Werte zu übertragen. Sie bezahlen andere Maschinen autonom, ohne dass ein Mensch den Vorgang autorisieren muss. Laufen diese Geschäftsvorfälle jedoch nicht unterbrechungsfrei ab, müssten die Maschinen also beispielsweise auf eine manuelle Aktion wie eine Zahlungsbestätigung warten, drohen Stillstand oder sogar der Abbruch – beides wäre zu vermeiden, damit sich die Potenziale von M2M-Payments vollständig heben lassen.

M2M-Payments sind auch nicht nur visionäre Zukunftsmusik. Zum Beispiel wird in der Automobilindustrie bereits an konkreten Lösungen gearbeitet. Einige Unternehmen bauen bereits entsprechende Ökosysteme auf. Die Idee: Automobile führen eigene Wallets mit elektronischem Geld, die ohne menschliche Intervention Tankvorgänge oder Mautgebühren bezahlen.

Um diese Auswirkungen, Herausforderungen und Chancen zu analysieren, haben wir eine Studie zum Thema „Maschinen bezahlen Maschinen“ erstellt, die insbesondere folgende Fragestellungen beleuchtet:
  1. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um M2M-Payments umsetzen zu können?
  2. Wo liegen die Herausforderungen bei der Umsetzung von M2M-Payments?
  3. Wie stark steigen die Transaktionszahlen im Zahlungsverkehr, wenn M2M-Payments umgesetzt werden?
  4. Welche Zahlverfahren eignen sich am besten für die Umsetzung von M2M-Payments?
  5. Welche Auswirkungen haben M2M-Payments auf Zahlungsdienstleister?
  6. Wie sollten Zahlungsdienstleister auf M2M-Payments reagieren?

Damit M2M-Payments Realität werden können, müssen die Maschinen jeweils eine eigene Maschinenidentität mit individuellen Merkmalen erhalten, die die jeweilige Maschine von anderen Maschinen unterscheidet. Eine sichere Maschinenidentität kann nicht manipuliert, gefälscht oder missbraucht werden. Sie geben der Maschine eine unverwechselbare, sichere Identität, mit der sie sich in der vernetzten Produktion anderen Maschinen, Instanzen und Akteuren gegenüber ausweisen kann.

Auch ist der gegenwärtige Rechtsrahmen auf die Autonomie von Maschinen nicht vorbereitet und bedarf daher der Fortentwicklung. Es bedarf klarer Zuordnungsregeln für Handlungen autonomer Systeme ebenso wie spezifischer Zuweisungen der durch den Einsatz autonomer Systeme geschaffenen Risiken. Nicht zuletzt bedarf es neuer Haftungssysteme, die den Besonderheiten autonomer Maschinen gerecht werden.

Bei der praktischen Implementierung sehen wir folgende Handlungsfelder, deren Lösung besonders herausfordernd sein wird:
  1. Abbildung der Identifikation von Maschinen-Zahlungen
  2. Compliance-Prüfungen in Bezug auf eine Maschine (KYO statt KYC)
  3. Verarbeitung von Rückinformationen (inklusive Störungen im Ablauf)
  4. Berücksichtigung eines komplexeren und umfangreicheren Reportings
  5. höhere Sicherheit von Maschinen und Schnittstellen
  6. konsequente Umsetzung von digitalem Onboarding und digitalen Prozessen
Viele Untersuchungen gehen davon aus, dass durch M2M-Payments die Anzahl an Transaktionen stark steigen wird. Auch wir gehen von einem deutlichen Anstieg aus. Unter Berücksichtigung von Kompensationseffekten rechnen wir bis 2027 in Deutschland mit ca. 12 Milliarden und in der EU mit ca. 50 Milliarden zusätzlichen Transaktionen durch Maschinen, die sich gegenseitig bezahlen.


Nicht alle heute gängigen elektronischen Bezahlverfahren eigenen sich gleichermaßen für M2M-Payments. Digitales Geld (Stable Coin, „Unbacked“ Coins und E-Währungen) und E-Geld bieten sich aus unserer Sicht am ehesten an für M2M-Payments.

Etablierte Bezahlverfahren haben in der Regel mehr oder weniger hohe Transaktionsgebühren. Kryptogeld und E-Geld-Lösungen ermöglichen dagegen kostengünstige Transaktionen auch von kleinsten Beträgen und machen diese für den Einsatz im IoT attraktiv. Denn damit besteht die Möglichkeit, auch Dienstleistungen von nur geringem Wert, auch unter einem Cent, wirtschaftlich abzurechnen, wie beispielsweise die Nutzung einer Glühbirne im Smart Home. E-Geld-Lösungen und Kryptogeld lassen sich dazu auch unabhängig von klassischen Finanzdienstleistern integrieren.


Bliebe noch die Frage, wie sich die Zahlungsdienstleister künftig positionieren sollten. Das Internet of Things wird den Trend zur Differenzierung von Spezialanbietern mit einem datenbasierten Geschäftsmodell und Infrastrukturanbieter noch verstärken.

Spezialanbieter können die Daten, deren Volumen durch das IoT weiter steigen wird, zum eigenen Wettbewerbsvorteil nutzen und zusätzliche Geschäftspotenziale oder gänzlich neue Geschäftsmodelle entwickeln. Beispielsweise lassen sich auf Basis detaillierter Verbrauchsdaten passgenaue zusätzliche Dienstleistungen für Kunden anbieten. Dies hängt aber davon ab, ob es den Zahlungsdienstleistern gelingt, sich „auf“ den Maschinen zu platzieren oder zumindest als Datenaggregator zu fungieren, der die entsprechenden Nutzungsdaten zu Zahldaten bündelt und diese transferiert.

Im Hinblick auf die Positionierung als Datenaggregator oder -drehscheibe könnten Zahlungsdienstleister auch für das nötige Vertrauen zwischen den beteiligten Personen, Unternehmen und Maschinen sorgen und dabei beispielsweise als eine Art Clearingstelle für sichere digitale Identitäten und valide Daten fungieren.

Zusammengefasst bedeutet das, dass die klassischen Zahlungsdienstleister erhebliche Herausforderungen meistern müssen. Die funktionalen und vor allem die technischen Anforderungen an die Infrastruktur von Zahlungsdienstleistern werden massive Veränderungen mit sich bringen. Sie müssen folgende Voraussetzungen erfüllen:
  • vollkommen unterbrechungsfreie Verfügbarkeit, wodurch die Bedeutung von 24/7/365-Betriebsmodellen und die Abwicklung von Geschäften in Echtzeit zunimmt
  • Downtimes für das Einspielen neuer Releases sind nicht mehr möglich.
  • Möglichkeit, sehr hohe Lasten durch Milliarden zusätzlicher Transaktionen verarbeiten zu können
  • Möglichkeit, maschinelle von nichtmaschinellen Zahlungen unterscheiden zu können, da diese nach unterschiedlichen Regeln ablaufen werden
  • Möglichkeit der vollständigen Digitalisierung und des maschinellen Onboardings
  • zukünftige Einhaltung von KYO für Maschinen, was derzeit noch nicht geregelt ist, in Kombination mit KYC, Abbildung in den entsprechenden Systemen und insbesondere auch organisatorische Regelung
  • Möglichkeit, nicht nur Zahlungen auslösen zu können, sondern auch Rückinformationen aus System- und Prozessstörungen entsprechend zu verarbeiten. Anhand der Rückmeldungen müssen die Maschinen in Echtzeit die richtigen „Schlüsse“ ziehen können und ggfs. Alternativen auswählen.
Darüber hinaus müssen die Zahlungsdienstleister entscheiden wie sie sich positionieren wollen und Vertriebsstrukturen anpassen, da Ökosysteme im IoT an Bedeutung gewinnen werden. Wie das Bezahlen von Maschine zu Maschine die Zahlungsverkehrslandschaft verändert und wie Zahlungsdienstleister jetzt reagieren müssen, erläutert PPI in der aktuellen Studie "Internet of Payments". Sie können die Studie kostenfrei anfordern unter www.ppi.de/studie-iop. Wir freuen uns auf einen anregenden Austausch über die neue Zahlungsverkehrswelt und stehen Ihnen für Fragen und Anmerkungen gerne zur Verfügung.

Autor: Michael Titsch