Blogbeitragsserie Stablecoins – Teil 2: Herausforderungen und mögliche Lösungen

In unserem ersten Artikel der Serie „Stablecoins“ haben wir die Hintergründe zum Thema beleuchtet und aufgezeigt, weshalb und von wem Stablecoins aktuell genutzt werden bzw. welche Vorteile sie bieten. Im zweiten Teil werden wir uns einige Probleme und mögliche Lösungen der bestehenden Stablecoins anschauen.

Probleme bestehender Ansätze
Bestehende Stablecoins haben mit mehreren Problemen zu kämpfen, auf die wir im Folgenden eingehen wollen.

Hohe Transaktionsgebühren
Soll eine Stablecoins-Transaktion z. B. auf der Blockchain Ethereum durchgeführt werden, so sind die Transaktionsgebühren abhängig von der aktuellen Netzwerkauslastung und der Zeit, die der Sender mitbringt, um die Transaktion bestätigen zu lassen. Die Kosten können dabei zwischen wenigen Cents und mehreren Euro liegen. Zudem wird neben den eigentlichen Stablecoins auch die Blockchainwährung Ether benötigt, um die Transaktionsgebühren zu bezahlen. Bei Ethereum kommt aktuell noch hinzu, dass die Skalierbarkeit nach dem Umstieg des Konsensusmechanismus von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake noch nicht gegeben ist. Dies soll erst in künftigen Updates adressiert werden. Daher können derzeit nur wenige Transaktionen pro Sekunde von der Ethereum-Blockchain verarbeitet werden.

Verfügbarkeit von zentralisierten Blockchains
Zentralisierte Blockchains wie die Binance Smart Chain (von der Kryptobörse Binance betrieben) werben mit niedrigen Transaktionsgebühren. Ein Nachteil ist hier das notwendige Vertrauen der Nutzer in die Börse Binance, die die Blockchain betreibt. In der Vergangenheit kam es mehr als einmal vor, dass der Betreiber in Krisenzeiten die eigene Blockchain anhalten musste, um Probleme zu beheben. Grundsätzlich gilt, dass Nutzer beim Anhalten einer Blockchain keine Transaktionen mehr durchführen und somit nicht mehr über ihr Vermögen verfügen können, was einem Einfrieren des Bankkontos bzw. des gesamten Zahlungsverkehrs gleichkommt. 

Art der Emittierung neuer Coins
Wie bereits im ersten Artikel beschrieben, wird zwischen algorithmischen (dezentralen) und gedeckten (zentralen) Stablecoins unterschieden. Beide Verfahren haben aber neben den genannten Vorteilen auch Nachteile. 

Die Wertdeckung von zentralen Stablecoins erfolgt meist manuell, d.h. das Unternehmen hinter dem Stablecoin steuert zentral die Art und den Umfang der Deckung. 

Die Reserven von dezentralen Stablecoins werden i.d.R. algorithmisch gesteuert.

  • Sinkt der Kurs durch Verkaufsdruck, werden die Reserven automatisch erhöht (Minting).
  • Steigt der Kurs durch hohe Nachfrage, werden die Reserven automatisch gesenkt (Burning).

Die meisten algorithmischen Stablecoins sind an Kryptowährungen gekoppelt, deren Supply zentral kontrolliert wird.

Als Supply bezeichnet man in der Kryptoszene die auf dem Markt emittierte Anzahl von Coins. Verschiedene Kryptowährungen sehen für den Supply eine limitierte Anzahl von Coins vor (bei Bitcoin z. B. 21 Mio Bitcoin). Stablecoins hingegen haben aufgrund ihres anderen volkswirtschaftlichen Ansatzes eine solche Grenze nicht. Wenn der Wechselkurs einer Währung konstant bleiben soll, so muss die Geldmenge flexibel sein (z. B. Tether). Wenn die Geldmenge fix ist, so wird der Wechselkurs der Währung schwanken (z. B. Bitcoin).

Diese Art der Deckung wurde im Mai 2022 dem Stablecoin TerraUSD zum Verhängnis. Als der Verkaufsdruck auf den Stablecoin TerraUSD zunahm, musste die zur Deckung hinterlegte Kryptowährung TerraLuna in großen Mengen erzeugt werden, um den Kurs des Stablecoins zu stützen. In der allgemeinen Krisensituation im Mai 2022 brachte das zusätzliche Minting neuer Coins den Kurs der Reservewährung TerraLuna zunehmend unter Druck. Hierdurch wurde eine Abwärtsspirale erzeugt, die zum kompletten Wertverlust von TerraUSD und TerraLuna führte.

Anhand dieses Beispiels lässt sich die wesentliche Schwäche algorithmischer Stablecoins sehr gut erkennen. Wenn viele Nutzer gleichzeitig aus dem Stablecoin austeigen wollen, wird die Abwärtsspirale noch weiter verschärft, da in großen Mengen zusätzliche Reserve-Währungseinheiten geschaffen werden, was zu einem totalen Wertverlust führt.

Neue Möglichkeiten mit Taro

Stablecoins auf der Basis des Bitcoin Lightning Networks sind eine neue Idee. Hier setzt Taro an. Taro (Taproot Asset Representation Overlay) ist ein Protokoll, mit dem neben anderen Assets auch Stablecoins im Bitcoin-Netzwerk erzeugt und durch das Lightning Netzwerk versendet werden können.

Taro Assets werden in der Bitcoin-Blockchain in Form von gehashten Metadaten erzeugt. Da es keine Begrenzung für die Menge an Daten gibt, die durch einen Hash dargestellt werden kann, kann eine Transaktion auf der Blockchain Millionen von Transaktionen darstellen. Taro Nodes können diese durch einen Hash representierten Assets erkennen. Neben Taro gibt es auch das RGB-Protokoll, welches ein ähnliches Ziel verfolgt.

Hierdurch profitieren Stablecoins neben den niedrigen Transaktionsgebühren im Bitcoin Lightning Network (Bruchteile eines Cents) auch von Netzwerkeffekten des Bitcoin-Netzwerks als am stärksten verbreitete Kryptowährung und seiner Uptime von 99,98 %. Das Bitcoin-Netzwerk stellt gleichzeitig sicher, dass Taro Assets nicht doppelt ausgegeben werden können. Nutzer könnten so Stablecoin-Transaktionen zu niedrigen Kosten vornehmen und von der Wertstabilität des USD profitieren. Grenzüberschreitende Zahlungen ohne KYC und Bank sind möglich. Menschen können 24 Stunden am Tag auf ihr Geld zugreifen, ohne dass das Netzwerk angehalten werden kann. 

Die Problematik der Deckung der Stablecoins bleibt weiterhin bestehen. Sowohl algorithmische als auch gedeckte Ansätze haben, wie oben besprochen, einige Probleme.

Im letzten Teil unserer Serie soll es dann um die regulatorischen Aspekte für Stablecoins gehen. Wir laden Sie hierzu herzlich ein.

Autoren: Philipp Uhinck, Benjamin Schreck

Die Zukunft des Bezahlens – ein Segment im stetigen Wandel

Kein Zweifel: Der Zahlungsverkehr, wie wir ihn heute kennen, wird sich grundlegend ändern. Dieser Wandel erfordert massive Investitionen, lässt aber auch gute Erträge erwarten.

Der Zahlungsverkehrsbereich erfährt eine unumkehrbare Weiterentwicklung. Deutliches Anzeichen hierfür ist der Vormarsch der digitalen Zahlungsmethoden auf dem italienischen Markt.

Dabei lassen sich gleich mehrere Tendenzen erkennen. Hierzu gehören die automatisierte Zahlung, der digitalisierte Handel, PSD3, Sofortüberweisungen (die in Kürze Standard sein dürften), auch bei Auslandszahlungen, RTP und die Verwaltung von Datenflüssen mittels künstlicher Intelligenz, die mit der Umstellung auf den Zahlungsverkehrsstandard ISO 20022 möglich wird.

In Anbetracht der stetigen Weiterentwicklung des Marktes dürfte in den kommenden Jahren mit einem Strategiewechsel zu rechnen sein, der eine Neuaufstellung bisheriger Geschäftspläne zur Folge haben wird.

Auf einen Wandel solchen Ausmaßes, dessen Bewältigung Investitionen ebenso wie Kompetenzen erfordert, sind die Marktakteure oftmals nicht vorbereitet.

Es kann daher nicht überraschen, dass anstelle einer Konsolidierung der Plattformen eine zunehmende Fragmentierung zu beobachten ist. Das dürfte damit zu tun haben, dass die verschiedenen inländischen Zahlungsmethoden, anders als das mittlerweile durch SDD ersetzte Lastschriftverfahren RID (eine italienische Zahlungsmethode auf der Basis einer dauerhaften Einzugsermächtigung, bei der die von einem bestimmten Gläubiger erteilten Anweisungen ausgeführt werden), wie ICI bzw. MAV (eine Zahlungsmethode mittels Zahlungsanzeige mit den für den Abgleich der Zahlung erforderlichen Angaben) und RiBA (eine Zahlungsmethode, bei welcher der Anspruch des Gläubigers auf Erhalt einer Zahlung quittiert wird) außerhalb des SEPA-Systems stehen.

Während die SCT-Verfahren eine technologische Modernisierung erfahren haben, befinden sich noch viele Plattformen des sogenannten gewerblichen Portfolios der größten Banken in Mainframes, da sie nach den traditionellen Paradigmen Cobol/CICS/DB2 entwickelt wurden.

Auch die Großbetragszahlungen (auch bezeichnet als „High-Value Payments“) sind in vielen Fällen auf den bestehenden und insofern noch nicht aufgegebenen Plattformen für Überweisungen angesiedelt; ähnlich wie jüngere Projekte wie die TARGET2-Konsolidierung und die Weiterentwicklung der Auslandszahlungen von FIN-Nachrichten zum MX-Standard, die sich die Konverter zunutze machen. Dadurch wird die Fragmentierung auf Anwendungs- und Architekturebene noch weiter verstärkt.

In einem solchen Umfeld kann eine Konsolidierung der Plattformen innerhalb eines Payment Hubs nur positive Auswirkungen auf die Betriebskosten der Systeme, auf den Umfang der entwicklungsnotwendigen Investitionen und nicht zuletzt auf die Vorlaufzeiten für die Systemfreigaben, die der Einhaltung von Vorschriften unterliegen.

Die erwünschte Konsolidierung könnte auch durch die Einführung des neuen Bezahlverfahrens Request to Pay innerhalb des SEPA-Systems gefördert werden, welches eine natürliche Weiterentwicklung von nationalen Zahlungsdiensten wie RiBA und MAV darstellen könnte. Doch so weit ist es noch nicht. Abzuwarten bleibt zunächst, wie sich der Comitato Pagamenti Italia hierzu positionieren wird.

Autoren: Federico Sajeva, Marinella Pistone, Alessia Giani