Werden Banken bei der Implementierung des digitalen Euros eine Rolle spielen?

Die zweijährige Analysephase der Europäischen Zentralbank (EZB) zum digitalen Euro ist noch nicht beendet und viele Fragen sind aktuell noch unbeantwortet. Bei manchen Themen, wie zum Beispiel dem Umsetzungsmodell bzw. der Rollenverteilung, gibt es jedoch bereits erste Tendenzen.

Unter Berücksichtigung der Grundvoraussetzung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) wie beispielsweise bargeldähnliche Sicherheit, Schutz der Privatsphäre, nutzerfreundliche Peer-to-Peer-Zahlungen und einer flächendeckenden Verbreitung werden aktuell verschiedene Umsetzungsszenarien diskutiert.

In diesem Artikel werden wir auf zwei verbreitete Umsetzungsszenarien eingehen:

1. Direkter CBDC
Bei dem direkten Ansatz würde die Europäische Zentralbank den digitalen Euro in Eigenregie entwickeln und die Schnittstelle zu den Nutzern darstellen.

Folglich ist die EZB dafür verantwortlich, die Infrastruktur aufzubauen, das System zu betreiben, das Kundenonboarding durchzuführen und die Zahlungen abzuwickeln.
All diesen Themen stehen enorme Aufwände aufseiten der EZB gegenüber, da neben der Entwicklung von Back- und Frontend auch die anschließende Administration und Verwaltung auf die EZB wartet. Kunden müssen beispielsweise durch Prozesse wie KYC- und AML-Prüfungen geführt werden. Offen bleibt darüber hinaus, ob Nutzer in diesem Modell ein separates Konto bei der EZB für die Zahlungsaktivitäten erhalten.

Neben den Faktoren Aufwand und Zeit wird zusätzlich noch das aktuell bestehende Ökosystem untergraben, da weder Geschäftsbanken noch Finanzdienstleister als Distributoren an der Kunde-Bank-Schnittstelle agieren werden.

Weitaus wahrscheinlicher ist daher das Szenario des indirekten CBDC:

2. Indirekter CBDC
 
Der digitale Euro wird in diesem Modell von der EZB emittiert und über geprüfte Intermediäre, z. B. Banken und Zahlungsdienstleister an den Endkonsumenten verteilt. Die Distribution wird ähnlich dem aktuellen Bargeldsystem aussehen, nur eben in digitaler Form. Der Nutzer hat folglich keinen direkten Kontakt zur Zentralbank, jedoch einen direkten Rechtsanspruch gegenüber dieser.

Das Modell würde das bestehende Ökosystem stärken, indem die Rolle der Intermediäre gesichert wird und diese in die Bereitstellung des digitalen Euros eingebunden sind.
Neben der Verwaltung werden die Intermediäre auf etablierte Prozesse (u. a. KYC- und AML-Prüfungen), Onboardingmechanismen und Frontend-Entwicklungen aufbauen können.
In diesem Modell ist darüber hinaus zu berücksichtigen, dass die Weiterentwicklung von Mehrwertdiensten im Zusammenhang mit bestehenden Anwendungsfällen der Banken und dem digitalen Euro entstehen können. Die Innovationsfähigkeit wird gesteigert und Konsumenten können auf eine optimierte User Experience hoffen.

Aus den benannten Gründen gehen wir aktuell davon aus, dass die Geschäftsbanken in die Verteilung des digitalen Euros eingebunden werden, um etablierte Prozesse zu nutzen und den direkten Kundenkontakt zu stärken. Offen bleibt allerdings die Frage, ob neben klassischen Geschäftsbanken auch andere Anbieter die Rolle eines Intermediär einnehmen können.

Wir von PPI verfolgen dieses Thema mit großer Begeisterung und sehen die Innovationsfähigkeit des Zahlungssystems als unabdingbar für die Wirtschaft. Um Sie über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten, werden wir Sie auf diesem Wege regelmäßig über Neuigkeiten zum digitalen Euro informieren.

Übrigens: Am 20. September findet der dritte Teil unserer Webinar-Reihe zum Thema digitaler Euro statt. Auf dieser Seite können Sie sich für das Webinar anmelden. Sollten Sie Teil 1 und/oder Teil 2 der Webinar-Reihe verpasst haben, können Sie sich die Aufzeichnungen dort auch noch einmal ansehen.

Autor: Philipp Schröder

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