Die europäische Retail Payments Strategy – ein Zwischenstand

Im heutigen Beitrag gehen wir in einem kurzen Interview auf die Entwicklung der European Payments Strategy ein. Was gibt es an Bewegung, Neuerungen und Ausblicken? Dazu haben wir als Expertin auf diesem Gebiet unsere Kollegin Swaantje zum Gespräch eingeladen.

EBICS-Blog:
Hallo Swaantje! Schön, dass du dir die Zeit nimmst. Magst du eingangs kurz etwas zu dir sagen?

Swaantje:
Hallo! Ja, gern. Ich bin Swaantje Völkel, Managing Consultant im Consulting Payments-Bereich für die PPI AG in Hamburg und widme mich den Anpassungen, die auf europäischer Ebene initiiert werden. So auch der EU Digital Finance Strategy und im Konkreten der EU Retail Payments Strategy.

EBICS-Blog:
Worin liegt hier die größte Herausforderung?

Swaantje:
Nun, das Wichtigste vorneweg – eine Strategy ist kein Gesetz, sondern nur eine Art Absichtserklärung, ein Rahmenplan für die Zukunft, für zukünftige Ereignisse. Es gibt keine verpflichtenden Vorgaben und auch keine Termine, es ist ein Wachstumsprozess, wobei Beobachtungsgabe, Interpretation, Erfahrung und Urteilsvermögen gefragt sind.

EBICS-Blog:
Der Wunsch nach Autonomie ist stark, aber das Fleisch ist schwach?

Swaantje:
Die EU Retail Payments Strategy ist Teil der EU Digital Finance Strategy. Beide werden unter anderem durch die Open Strategic Autonomy der EU vorangetrieben, und sollen diese unterstützen. Ja, richtig – der Fokus liegt deutlich auf der Förderung der Open Strategic Autonomy der EU. Die EU Retail Payments Strategy beschreibt 17 Maßnahmen mit unterschiedlicher Größe und Gewichtung. Ein Hauptthema ist die Überprüfung der PSD2, hier setzen wir bei PPI an.

EBICS-Blog:
Bedeutet das, dass es hier konkreter wird und man sich auf Änderungen einstellen kann?

Swaantje:
In der Tat. Dort wird es langsam konkreter: In zwei aktuellen Konsultationen wird aktuell um Feedback zu den Zielen der PSD2 gebeten, einschließlich der Frage, wie erfolgreich die PSD2 bei der Erreichung ihrer Ziele war. Außerdem geht es um Meinungen zur Durchsetzung der PSD2 durch die nationalen Regulierungsbehörden und zu etwaigen Änderungsvorschlägen, die nach Ansicht der Befragten an der Richtlinie vorgenommen werden sollten. Auch wird gefragt, ob der Anwendungsbereich, die Maßnahmen und die Verfahren der PSD2 angemessen sind, wobei ein zukunftsorientierter Ansatz verfolgt wird. Die Antworten auf diese Konsultationen sollen jetzt im Sommer eingereicht werden.

EBICS-Blog:
Gerade die Aufwandsschätzung ist doch entscheidend – lässt sich hier eine Vermutung formulieren?

Swaantje:
Die PSD2 hat sehr große Veränderungen durch die Einführung des Kontenzugriffs durch Third Party Provider und neue Anforderungen an die starke Kundenauthentifizierung mit sich gebracht. Nach der Überprüfung und Änderung der PSD2 erwarten wir Änderungen, aber keine ganz so gravierenden. Aber es können schon große und wichtige Änderungen dabei sein – nur nicht so große wie bei der initialen Einführung der PSD2. Unterm Strich kommt viel Arbeit auf uns zu – denn kleine Änderungen können große Auswirkungen haben und umgekehrt, daher halte ich mich mit Vorhersagen zurück.
 
EBICS-Blog:
Ist das hilfreich, so unprognostizierbar anzusetzen?

Swaantje:
Darin liegt doch eine wertvolle Kreativphase, die uns bisher immer nützliche Erkenntnisse geliefert hat. Ich verweise auf die schwierige Wegfindung beim letzten Mal. Insgeheim hoffen wir aber, dass der Weg zur PSD3 nicht ganz so lang wird wie damals. Insbesondere die permanente Lobbyarbeit, die einerseits für Fortschritte bei der Strategie sorgt, leider auch viele konkurrierende Wünsche aufzeigt, abwägt und versucht unter einen Hut zu bringen, fördert Verzögerungen. Das ist kein beschleunigender Aspekt.

EBICS-Blog:
Dann Hand aufs Herz – wann klappt es mit dem Entwurf einer PSD3?

Swaantje:
2023! (lacht)

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