eBAM – Baustein der Digitalisierung

Krisen sind auch ein Katalysator des Fortschritts. Die aktuelle Corona-Krise ist wohl sicherlich deshalb anders als viele davor, weil sie ins Digitale zwingt – von Homeschooling bis Homeoffice werden viele Aktivitäten jetzt mit Hochdruck in vielen Aspekten neu gedacht. Da werden Lücken offenbar, die in einer analogen Welt ohne Kontaktsperren und andere Restriktionen nicht so wahrgenommen werden. Antragsprozesse, Autorisierungen und Freigaben sind ein Teil davon.

Und wenn wir hier im Blog über Cash-Management-Lösungen sprechen, dann gehört für mich das Thema „Kontoverwaltung“ (Bank Account Management) auch dazu. Darunter sind nicht nur der Austausch von Nachrichten an der Kunde-Bank-Schnittstelle zu verstehen, sondern es geht von der Verwaltung von Bank- und Kontostammdaten und deren Zeichnungsberechtigungen (nicht nur die digitalen) sowie alle zugehörigen Dokumente über die Prozesse im gesamten Kontolebenszyklus bis hin zur leidigen Saldenbestätigung. Da spielen alle Anforderungen im Bereich KYC sowie Autorisierungen und digitale Identitäten hinein.

Das Thema könnte schon lange in Richtung eBAM – also Electronic Bank Account Management – in die digitale Welt überführt worden sein. Standardisierung tut hier not – das beginnt schon in der Schreibweise. EBAM oder eBAM oder e-BAM?

Die Zeit ist reif – viele Bausteine sind vorhanden. Einige Hersteller im Bereich Cash Management beziehungsweise Treasury bieten Module insbesondere für die Verwaltung der Daten auf der Firmenkundenseite an. Es gibt schon Erfolgsmeldungen für erste rein digitale Kontoeröffnungsprozesse. Auch zu KYC und dem Bereich der digitalen Identitäten gibt es erfreuliche Entwicklungen. Sogar die Nachrichten an der Kunde-Bank-Schnittstelle in XML nach dem Standard ISO 20022 sind im Prinzip vorhanden. Eine Arbeitsgruppe der CGI-MP (common global implementation – market practice) – eine globale Initiative von Corporates, Banken und Herstellern zur Harmonisierung der Nutzung von ISO 20022 an der Kunde-Bank-Schnittstelle diskutiert die Weiterentwicklung des Standards. Und Standards sind die Grundlage für die Digitalisierung. Das schafft Sicherheit bei Herstellern und Nutzern.

In Deutschland haben wir die lange Tradition des Standards Multi-Banking in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen gepflegt – Multi-Banking im Sinne von „in einem Standard viele Banken erreichen“. Inzwischen sind hier beispielsweise mit dem Thema Bankentgeltnachrichten (BSB – bank service billing) auch optionale Themen möglich, also nicht jeder muss das Thema unterstützen – aber wenn, dann bitte im Standard. Und für so eine Option zum Thema eBAM möchte ich plädieren. Für EBICS ist es ein Leichtes, die XML-Nachrichten in der Nachrichtengruppe camt (account management) zu transportieren - es müssen halt die (harmonisierten) Standards vereinbart werden. Und mit dem einfachen Use Case der Übersicht von Zeichnungsberechtigungen ist in EBICS mit der Auftragsart HKD schon mal ein Anfang gemacht, aber – siehe oben – eben nicht vollständig.

Natürlich muss der Anteil Kunde-Bank-Kommunikation von eBAM nicht über EBICS realisiert werden, auch SWIFT als Transportweg ist möglich. Selbst APIs eröffnen viele Möglichkeiten. Die Grundlage sollte unabhängig vom Kanal eine Standardisierung der Inhalte (XML im Gleichklang zu json) und der Basisprozesse sein. Und für die Inhalte im Format XML nach ISO 20022 sollte ein weiteres Kapitel in der Anlage 3 zum DFÜ-Abkommen zu schaffen sein.

Auf dieser Grundlage können dann die oben genannten Hersteller ihre Produkte im Sinne „Multi-Banking“ erweitern und Banken neue Services für viele Kunden mit gleichartigen Systemen anbieten, und diese Services passen sehr gut in eine digitale Welt.


Autor: Dr. Mario Reichel

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen