Standardisierung und Automatisierung in der Beziehung mit externen Vermögensverwaltern dank EBICS

Externe Vermögensverwalter (EVV) oder External Asset Manager (EAM) bieten ihren vermögenden Privatkunden oder institutionellen Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen verschiedenste Services an (zum Beispiel Steuer- und Immobilienberatung, Handels- und Anlagegeschäfte). Die Kundenkonten liegen meist auf einer oder mehreren Depotbanken. Die Interaktion mit den Finanzinstituten ist dabei oft weder standardisiert noch automatisiert. Die Kommunikation über Briefpost, Telefon, E-Mail und teilweise auch noch Fax dominiert den Geschäftsalltag.

Wenige, grosse Vermögensverwalter verfügen über einen SWIFT-Anschluss und benutzen diesen für die Abwicklung von Treasury- und Fremdwährungsgeschäften (Meldungskategorie 3), Wertschriftengeschäften (Meldungskategorie 5), Edelmetallgeschäften (Meldungskategorie 6) oder Cash-Management-Geschäften (Meldungskategorie 9). Einige haben proprietäre System-zu-System-Verbindungen realisiert, beispielsweise mittels FTP, um Finanzmeldungen auszutauschen. In der Schweiz beobachten wir einen Trend, dass EBICS sich in diesen Fällen als alternative Anbindungsvariante durchsetzen könnte.

Im Rahmen des PPI-Frühstücks im April 2019 in Lausanne hat ein Vertreter von Credit Suisse das Angebot «Private swift Network (PsN)» vorgestellt. Es handelt sich dabei um die Erweiterung des EBICS-Angebots in der Art und Weise, dass ca. 20 neue EBICS-Auftragsarten (Reports für den Download) aus den oben genannten EAM-Anwendungsfällen zur Verfügung stehen. Dank der Kooperation mit führenden Softwareherstellern von Portfolio-Management-Systemen (wie etwa Allocare oder Expersoft) erreicht die Credit Suisse in der Interaktion mit ihren Partnern eine signifikante Steigerung des Standardisierungs- und Automatisierungsgrads. Konkret können die SWIFT-Meldungen der oben genannten Meldungskategorien jetzt auch über EBICS transportiert werden.

Da das EBICS-Protokoll flexibel bezüglich des transportierten Inhalts ist, bietet Credit Suisse darüber hinaus auch weitere Formate wie beispielsweise CSV oder XML für Rapportierung der Transaktionen und Vermögenswerte an, inklusive Stammdaten der entsprechenden Kundendepots. Von dem neuen Angebot profitieren alle Akteure: Vermögensverwalter können vermehrt Banken kostengünstig via EBICS anbinden und ihre Prozesse automatisieren, Softwarehersteller ihren Funktionsumfang sinnvoll erweitern und Banken ihre Attraktivität für EAM steigern. Über alle Stellen und Prozesse gesehen sinkt auch die Fehlerrate und es steigt die Umsetzungsgeschwindigkeit durch den Wegfall von manuellen Eingriffen.

Schweizer Banken, welche aktuell Projekte in diesem Umfeld umsetzen, planen bereits die nächsten Ausbaustufen im EBICS-Angebot. So sollen in Zukunft nicht nur die Reporting-Funktionen (EBICS-Download), sondern auch die Auftragsfunktionen (EBICS-Upload) angeboten werden. Insbesondere Aufträge im Handel (SWIFT-Meldungskategorie 5) sind gut geeignet für die Einreichung via EBICS. Konkret sollen Börsenaufträge (etwa SWIFT MT502) mittels einer eigener Auftragsart vom Vermögensverwalter an die Bank übermittelt werden. Analog der bekannten Zahlungsauftragsschnittstellen werden bankseitig die Börsenorderschnittstellen angebunden. In diesem Kontext ist auch der Einsatz einer VEU denkbar.

Fazit:
Erste Banken in der Schweiz weiten ihr EBICS-Angebot über die Anwendungsfälle des Zahlungsverkehrs hinaus aus. Das Angebot von Credit Suisse für mittlere und grössere Vermögensverwalter setzt im Markt der EAM-Kundschaft ein Zeichen und wird wohl Nachahmer auf den Plan rufen. Softwarehersteller von Portfolio-Management-Systemen lernen langsam aber sicher das EBICS-Protokoll kennen und erweitern ihre Connectivity-Möglichkeiten um diese Anbindungsvariante. Der Phantasie, welche Formate und Standards in Zukunft über EBICS transportiert werden, sind keine Grenzen gesetzt. Es ist davon auszugehen, dass EBICS auch in anderen Domänen ausserhalb des Zahlungsverkehrs für ein bestimmtes Kundensegment eine echte Alternative zur Kommunikation über das SWIFT-Netz darstellt.

Carsten Miehling

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