EBICS und die API-Diskussionen – Ein Statusupdate aus der Schweiz

Seitdem SIX Interbank Clearing (SIC) als Repräsentant des Finanzplatzes Schweiz im Frühling 2015 als offizielles Mitglied in die EBICS SCRL aufgenommen wurde, hat sich im Bereich der Firmenkundenschnittstellen bei Banken (Neudeutsch auch „Corporate Communication Interfaces“) einiges getan. Und aktuell rumort es ebenfalls wieder auf dem Gebiet der elektronischen Schnittstellen, sodass es sich lohnt, in diesem Blog wieder einmal einen Blick auf die aktuelle Situation in diesem Bereich in der Eidgenossenschaft zu werfen.

Natürlich soll hier auch die Rede von APIs (Application Programming Interfaces) sein, denn in manchen Geschäftsleitungs-Etagen bei Banken erscheinen diese drei Buchstaben als der große Heilsbringer in der Digitalisierungsstrategie. Haben also APIs, insbesondere für die Abfrage von Kontoinformationen oder die Beauftragung von Zahlung das Potential, die altgedienten Dateitransferprotokolle wie EBICS obsolet zu machen? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass gerade neue Startups und FinTechs diese schlanken APIs dem doch etwas aufwändig zu implementierenden EBICS bevorzugen?

Um diese Frage für die Schweiz beantworten zu können, benötigt der mit dem Finanzplatz Schweiz weniger vertraute Leser aktuelle Hintergrund-Informationen. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied in keiner Weise an die PSD2 (Payment Service Direktive) gebunden ist. Womit ein großer Treiber, die Pflicht eine API anzubieten, für Banken erstmal wegfällt. Des Weiteren gibt es in der Schweiz auch keine standardisierte Schnittstelle fürs Onlinebanking à la FinTS wie in Deutschland. Nichtsdestotrotz ist die frohe Botschaft der Europäischen Union natürlich auch in der Schweiz vernommen worden.

Bevor wir uns etwas vertiefter mit den zurzeit heiß diskutierten API-Initiativen beschäftigen, soll noch einmal die EBICS-Verbreitung gewürdigt werden. In den letzten gut fünf Jahren hat sich das Protokoll nach dem Vorbild der deutschen Implementierung bei allen größeren Instituten als Standardangebot für den elektronischen Austausch von Daten mit Firmenkunden durchgesetzt. Die Protokolleigenschaften, sehr große Volumina transferieren zu können sowie neuerdings auch der Einsatz der VEU (Verteilte Elektronische Unterschrift), werden von mittleren und größeren Firmenkunden sehr geschätzt. Auch alle namhaften Schweizer Softwareanbieter mit Lösungen im Electronic Banking haben EBICS im Angebot.

Soweit so gut, könnte man meinen. Wie eingangs erwähnt, ist hierzulande die API-Diskussion ebenfalls in vollem Gange und wir beobachten momentan drei erwähnenswerte Initiativen, welche nachfolgend kurz vorgestellt werden. Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen, aus Sicht des Autors sind diese Initiativen kein Ersatz für EBICS, sondern ergänzen ein Schnittstellen-Angebot eines Finanzinstitutes für ein bestimmtes Kundensegment (in der Regel kleinere Firmenkunden, die über eine Cloud-Lösung mit der Bank Informationen in beide Richtungen austauschen).

Sehr vielversprechend erscheint momentan „Corporate API“, die Initiative von SIX und den Schweizer Banken. Unter diesem Namen entwickelt die SIX zusammen mit Vertretern der Banken und Software-Hersteller nicht nur einen frei verfügbaren Standard, sondern gleich noch die passende Plattform dazu. Diese Plattform erlaubt eine sehr einfache Teilnahme an einem neu entstehenden Öko-System, das Services weit über den PSD2-Rahmen (AIS, PIS) hinaus anbieten wird.

Als Formate werden bei der „Corporate API“ JSON und ISO20022 XML angeboten. Die JSON-Variante wird dabei sehr einfach und rasch zu implementieren sein und zielt auf SW-Anbieter, welche nicht die Komplexität der ISO20022-Meldungen benötigen. Die ISO20022 XML-Variante unterstützt das gesamte Spektrum der aus der Migration ZV CH bekannten Möglichkeiten. Bereits gegen Ende 2018 werden erste Tests mit Pilot-Banken und -herstellern durchgeführt werden.

Ein weiteres Projekt läuft unter dem Namen „Common API“. Das Common API der SFTI (Swiss Fintech Innovations) lehnt sich stärker an PSD2 bzw. die Implementierung der BerlinGroup an. Gegenüber der Corporate API-Variante formuliert die Spezifikation der SFTI das API allgemeiner und überlässt die Wahl der Zielgruppe dem Service Provider. Gemäß Informationen der SFTI sind bei der Entwicklung dieses Standards die großen Bankapplikations-Anbieter mit an Bord. SIX hat den Entwicklungsprozess der SFTI-Spezifikation von Anfang an begleitet und wird zukünftig die Ergebnisse der SFTI-Arbeitsgruppe weiterführen. Gut möglich also, dass aus zumindest in Teilen die Standards kompatibel ausfallen werden.

Die Situation für Softwarehersteller ist somit in der Schweiz nicht gerade einfach, da einerseits mit EBICS ein etabliertes produktives Protokoll zur Verfügung steht und neue Initiativen in den Startlöchern stehen. Je nach Kundensegment und Geschäftsmodell stellt sich für Lösungsanbieter die Frage, eine oder allenfalls auch gleich mehrere Implementierungen anzubieten. Kommt hinzu, dass einige Banken bereits proprietäre Interfaces publiziert haben (etwa die Hypothekarbank Lenzburg, welche als sehr innovative Fintech-Bank auftritt). Weitet man das Einsatzgebiet auf Europa aus, dann kommen noch bereits bekannte Initiativen wie „Berlin Group“, „STET“ oder „Open Banking“ dazu. Typischerweise hat der Finanzplatz Schweiz keinen existierenden Standard übernommen, da hierzulande das „Swiss Finish“ immer noch hoch im Kurs ist.

Carsten Miehling



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