Gleichberechtigung für EBICS – Anwendungsfall Instant Payments Bulk

Auch wenn es auf den ersten Blick merkwürdig erscheint: In Deutschland werden derzeit auch für die Kunde-Bank-Beziehung Instant-Payments-Anwendungsfälle für das dateibasierte EBICS-Transferprotokoll diskutiert und spezifiziert. Die Anwendungsfälle konzentrieren sich in diesem Fall auf das Firmenkundengeschäft. Insbesondere größere Firmenkunden haben die Anforderung, Sammeleinreichungen an die Banken übermitteln zu können. Daher hat man sich hierzu in der DK etwa für die SEPA-Credit-Transfer-Einreichung auf die spezielle Form der Sammeleinreichung von Instant Payments (Instant Payments Bulk) verständigt, basierend auf dem XML-Format ISO pain.001. Auch für die Rückrichtung der Zahlungsinformationen in der Zahlungskette – vom Empfänger beziehungsweise den Banken – werden entsprechende Geschäftsvorfälle und Formate (etwa Payment Status im Format pain.002) festgelegt. Die so spezifizierten Geschäftsvorfälle und Formatvorgaben werden in Deutschland voraussichtlich ab November 2019 offiziell gültig sein und können von Banken optional angeboten werden.

Was ist die Besonderheit von Instant Payments Bulk? 

Der Unterschied zu reinen Instant-Payments-Prozessen, die beispielsweise am „Point of Sale“ synchron ausgeführt werden, liegt im Fall Instant Payments Bulk über EBICS darin, dass die Einreichung selbst hier nicht als „instant“ gilt. Vielmehr handelt es sich um eine Einreichung zur Ausführung als Instant Payments (SCTINST). Die ausführende Bank des Einreichers zerlegt die Sammeldatei in die einzelnen Transaktionen und führt die Zahlungen als SCTINST aus, sofern der Zahlungsempfänger auf diesem Wege erreichbar ist. Erst ab diesem Zeitpunkt gelten die Bedingungen für die SCTINST. Die Daten der Rückrichtung werden dann von der Bank des Einreichers wieder auf dem EBICS-Kanal an den Einreicher zurückgeliefert. Das bedeutet konkret in diesem Fall für den Standardweg, dass die Daten von der Bank zur Abholung im EBICS-Bankrechner bereitgestellt werden. Im Firmenkundengeschäft nimmt die Bank in der für EBICS definierten Beziehung zwischen Kunde und Bank bekanntlich ausschließlich die passive Rolle ein. Eine aktive Benachrichtigung an den Sender über EBICS ist daher im Firmenkundengeschäft derzeit nicht vorgesehen.

Instant Payments Bulk weil es dringend ist? 

Firmenkunden wollen mit den neuen Geschäftsvorfällen Zahlungen gesammelt und gleichzeitig kurzfristiger einreichen. Auf diese Weise kann mit dem Geld bis zur Einreichung länger gearbeitet werden. Zudem sind die Zahlungen dann sofort garantiert und ausgeführt. Hierbei ist wie für die Empfangsseite auch für den Rückweg eine unverzügliche Benachrichtigung gewünscht. Da im EBICS-Rollenmodell derzeit eine aktive Benachrichtigung des Kunden durch die Bank nicht vorgesehen ist, werden dafür derzeit in Deutschland verschiedene Schnittstellen (APIs) und Verfahren (etwa E-Mail-Push) diskutiert. Dabei ist es eigentlich doch relativ einfach: Warum nicht das bilaterale EBICS nutzen, wie es heute bereits im Interbankenverkehr etabliert ist. Beide Parteien, Kunde und Bank, haben dabei gleichberechtigte Sende- und Empfangsrollen. Es bedarf lediglich der Erweiterung der EBICS-Kundenanwendungen um vereinfachte EBICS-Server-Funktionen. Die Firmenkunden, die Instant-Payments-Bulk-Zahlungen einreichen, könnten dann Daten aus diesen Prozessen auch aktiv empfangen. Solche Anwendungen sind sogar bereits am Markt verfügbar. Die neuen Geschäftsvorfälle sind somit vollständig über den bestehenden Standard und mit den bestehenden Lösungen umsetzbar. Zeit- und aufwandsträchtige Diskussionen über zusätzliche Schnittstellen, Protokolle und Vereinbarungen können entfallen.

Michael Lembcke

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