EBICS – Chancen der Internationalisierung

Thomas Stosberg, GTB Product Management, Deutsche Bank AG

Die Schweiz ist als drittes Land neben Deutschland und Frankreich der EBICS-Gesellschaft beigetreten und markiert damit den nächsten Schritt zur Internationalisierung von EBICS. Hat EBICS das Potenzial zu einem internationalen Standard und ist dieser im Interesse von Kunden und Banken?


Die verschiedenen Gremien eines Landes, die sich mit der Abwicklung von (nationalem) Zahlungsverkehr beschäftigen, sind bestrebt, im Interesse von Kunden und Banken eine stabile und standardisierte Zahlungsverkehrslösung anzubieten. Die Adaption eines neuen Standards setzt immer eine starke Motivation voraus – meistens resultierend aus Problemen mit der technischen Sicherheit und/oder den Kosten für den Betrieb der bisherigen Lösung; oder anders formuliert: Länder mit einer praktikablen Lösung für alle lokalen Marktteilnehmer werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit der Adaption eines neuen Standards auseinandersetzen. Für alle Länder, die sich aber mit einem neuen Standard beschäftigen, könnte EBICS eine geeignete Option sein.

Die Kunden-Sicht

Die Zielkunden von EBICS – Unternehmen jeder Größe, von Kleinstbetrieben bis zu internationalen Konzernen – suchen eine Zahlungsverkehrslösung, die zwei Grundvoraussetzungen erfüllt: zum einen geringe Kosten und zum anderen eine einfache, sichere, revisionskonforme, automatisierte und standardisierte Anbindung der eigenen Infrastruktur an alle Banken (bezogen auf die Bankkommunikation und die genutzten Zahlungsverkehrsformate). Letztere erlaubt eine gleichartige Integration aller Bankpartner mit der Möglichkeit, den Zahlungsverkehr flexibel auf verschiedene Banken zu verteilen und auf technische Probleme im Rahmen einer Notfallplanung reagieren zu können.

EBICS kann diese Anforderungen aus Kundensicht vollständig erfüllen. Bezogen auf die Implementierung in Deutschland kann sogar die vollständige Prozessautomatisierung durch den Einsatz digitaler Signaturen ohne Nutzung von Zertifikaten und einer „Corporate Seal“-Autorisierung erreicht werden.

Die Weiterentwicklung, im deutschen Markt das CGI-MP-XML-Format für die Abwicklung von weltweitem Zahlungsverkehr anzubieten, hat zusätzlich die Grundlage geschaffen, EBICS als globale Bankkommunikation alternativ zu einer SWIFT- bzw. einer Host-to-Host-Anbindung für Kunden zu etablieren.

Die Bank-Sicht

Banken können zukünftig nicht mehr mit proprietären technischen Lösungen am Markt bestehen. Eine bankindividuelle technische Lösung (Bankkommunikation und Zahlungsverkehrsformat) wird von Kunden weder positiv als Alleinstellungsmerkmal und Verkaufsargument wahrgenommen, noch kann sie aus Bankensicht als betriebswirtschaftlich rentable Lösung eingesetzt und gepflegt werden.
Entsprechend wird der Wettbewerb zwischen Banken ausschließlich auf der Grundlage von angebotenen Bankdienstleistungen und deren Preis stattfinden. Die Erwartungshaltung der Kunden ist, dass die zugrundeliegende technische Lösung für Zahlungsverkehr ähnlich standardisiert ist wie Strom aus der Steckdose.

Die Einführung von EBICS in Frankreich hat gezeigt, dass die Auswirkungen eines gemeinsamen Standards auf die eigene Kundenbasis und die Erträge eher gering sind. Dies hängt damit zusammen, dass die Kundenschnittstellen beider Länder unterschiedlich sind und generell Kunden die Auswahl ihrer Bankbeziehungen nicht von den angebotenen Zugangskanälen abhängig machen.
Bezogen auf die Kundenschnittstelle bietet EBICS für Banken die Möglichkeit, einen solchen standardisierten Service für mehrere Länder anzubieten. Daneben kann EBICS auch als Clearing-Zugang für SEPA-Zahlungen verwendet werden.


EBICS als Chance zur Internationalisierung 
      
EBICS ist aus Kundensicht eine attraktive Bankkommunikation. Für Banken bietet sich mit EBICS die Möglichkeit einen standardisierten Zugang für mehrere Länder auf Grundlage einer Infrastruktur anzubieten. Dies ist auch dann zutreffend, wenn eine Bank primär nur in einem Land tätig ist, da man eigene Kunden mit Niederlassungen im SEPA-Raum ohne größere Investitionen unterstützen könnte. Durch die bereits erfolgte Adaption von EBICS in den beiden größten europäischen Ländern und der Schweiz gibt es schon jetzt eine signifikante Anzahl von EBICS-Nutzern außerhalb der Kernmärkte, die sich stetig erhöht und ebenfalls zur offiziellen Etablierung in anderen Ländern und bei weiteren Banken beitragen wird. Eine weitere Verbreitung von EBICS wäre zum Vorteil aller Marktteilnehmer und ist für Länder mit entsprechendem Handlungsdruck die mit Abstand beste Option für die Neugestaltung der Abwicklung des Zahlungsverkehrs.

Thomas Stosberg

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